Sport : Bis es qualmt

Ferrari kann wieder gewinnen, weil Reifenhersteller Bridgestone gegenüber Michelin aufgeholt hat – eine Prognose

Karin Sturm

Silverstone. Michael Schumacher wusste nicht so recht, ob er sich ärgern oder freuen sollte nach dem Großen Preis von Silverstone. Der vierte Platz ist zwar nicht gerade das Optimale für Schumacher, aber er wusste, worauf es vor allem ankam: „Ich bin auf jeden Fall froh, dass unser Auto wieder gewinnen kann.“ Und genau das hat auch die Konkurrenz beobachtet. Denn ob nun Schumacher oder Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello auf Platz eins stand, die lange Diskussion um die eigene Reifenqualität hat vorerst ein Ende. Die Japaner von Reifenhersteller Bridgestone haben sich angestrengt, und die Beobachter erwarten, dass die Reifenqualität der Teams in den letzten fünf verbleibenen Rennen entscheidend sein wird. Bridgestone hat mit einer neuen Reifen-Konstruktion gegenüber Michelin etwas aufgeholt. Eine Prognose für die letzten WM-Rennen:

Hockenheim: Ein Kurs, der weitaus eckiger und auch langsamer ist als Silverstone, mit kaum schnellen, lang gezogenen Kurven, sondern hauptsächlich langsamen und winkligen. Außerdem ist es Anfang August im Badischen oft sehr heiß – beides Kriterien, die Bridgestone nicht so sehr entgegen kommen. „Ich bin jetzt auch für Hockenheim zuversichtlich“, sagt Michael Schumacher. McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen (Michelin-Reifen) hält dagegen: „Das wird ein Rennen, das für uns gut sein sollte, sowohl von den Reifen als auch vom Auto her.“

Ungarn: Auf dem Hungaroring waren Ferrari und Michael Schumacher immer stark, aber die normalerweise herrschende Wärme plus die langsame Streckencharakteristik sprechen nach den diesjährigen Erfahrungen eher für die Michelin-Teams. „Ich bin dort letztes Jahr schon recht gut klargekommen“, sagt BMW-Pilot Ralf Schumacher. Mit dem neuen Auto, das durch den kürzeren Radstand deutlich wendiger ist – siehe Monaco – „sollte es noch besser aussehen.“

Monza: Der Kurs mit seinen langsamen Schikanen und langen Hochgeschwindigkeits-Geraden scheint für BMW-Williams geradezu maßgeschneidert: Motorleistung ist in erster Linie gefragt, und davon haben die Bayern mit Abstand am meisten. Juan Pablo Montoya ist schon überzeugt: „Das Rennen sollten unter normalen Umständen Ralf und ich unter uns ausmachen.“ Auch Michelin sollte gut aussehen – aber besondere Anstrengungen von Bridgestone für den Ferrari-Heim-GP sind zu erwarten, vor allem, weil es ja Anfang September in Monza noch eine Testwoche gibt.

Indianapolis: Die große Unbekannte – keiner weiß so recht, wie er die US-Strecke einschätzen soll, auch, weil dort wettermäßig Ende September wirklich alles möglich ist. Das enge Infield könnte grundsätzlich eher den Michelin-Teams liegen – die schnellen, flüssigen Partien eher Bridgestone. Aber wer weiß, sollte es McLaren-Mercedes tatsächlich noch schaffen, den MP4-18 bis dahin zuverlässig und einsatzbereit zu haben, dann könnte das die Perspektiven noch einmal völlig verändern. Denn das das neue silberne Auto verdammt schnell sein wird, bezweifelt niemand.

Suzuka: Eigentlich die typische Bridgestone-, also Ferrari-Strecke: viele schnelle, lang gezogene Kurven – und ein Hitzerennen ist um die Jahreszeit auch nicht mehr zu erwarten. Sollte es zum WM-Showdown in Suzuka kommen, hat Michael Schumacher einen Vorteil.

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