• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Björn Werner : Berliner Mauer vor dem Durchbruch

31.12.2012 08:16 Uhrvon
König der Sacks. Björn Werners Spezialität ist der Angriff auf Quarterbacks.Bild vergrößern
König der Sacks. Björn Werners Spezialität ist der Angriff auf Quarterbacks. - Foto: dapd

Der Deutsche Björn Werner gilt als kommender Star im American Football – ihm winkt ein Vertrag in der NFL. Ein Besuch bei einem Berliner, der auszog, um die Football-Welt zu erobern.

Tallahassee - Die Tradition ist allgegenwärtig. In den Katakomben des 80 000 Zuschauer fassenden Doak-Campbell-Stadions stehen überall Vitrinen, sie sind voll mit Trophäen. Fotos einstiger Starspieler der Florida-State-Universität zieren die Wände in den Korridoren. Und im Rondell der Umkleidekabinen hängen lebensgroße Bilder ehemaliger Spieler, die von mindestens drei der fünf unabhängigen Gremien zum „All American“ ernannt wurden, zu einem der landesweit besten Spieler einer Saison. Kerwin Lonzo, der Pressesprecher des Universitäts-Footballteams, zeigt auf einen leeren Fleck in der Mitte der Galerie. „Dort kommt Björn hin“, sagt er fast ehrfürchtig.

„Er hat alle fünf Auszeichnungen bekommen.“

Björn, oder „Bi-Jorn“, wie ihn die Amerikaner nennen, das ist der 22-jährige Björn Werner. Ein Berliner Junge, der es im US-College-Football, dem Unterbau der National Football League (NFL), zum Starspieler geschafft hat. Und der kurz vor einem ganz großen Schritt steht: weg von der Uni in Tallahassee im Norden des Bundestaates Florida, rein in die Profiliga. Werner dürfte zwar noch ein Jahr für Florida State spielen. Aber schon jetzt gilt er als einer der begehrtesten Spieler beim NFL-Draft im April. Bei dem jährlichen Auswahlverfahren nehmen die NFL-Profiklubs die besten Nachwuchsspieler aus den College-Ligen unter Vertrag, die vielversprechendsten werden zuerst gewählt und erhalten millionenschwere Verträge. Die meisten Prognosen sehen den Deutschen unter den Top Ten. Viel zu stark war die Leistung des Defensivspielers in der gerade ablaufenden Saison, um diese Chance jetzt nicht zu ergreifen. Werner wäre der dritte deutsche NFL-Profi nach Sebastian Vollmer von den New England Patriots und Markus Kuhn, der im Draft 2012 als 239. Spieler von den New York Giants gewählt wurde.

An Werners Durchbruch in der stärksten Footballliga der Welt zweifelt niemand. Das erklärte Ziel des jungen Berliners ist ohnehin schon immer die NFL. „Für mich stand mit 16 fest: Ich will nach Amerika und Football-Profi werden“, sagt Werner. Er klingt so selbstsicher, als hätte er nie auch nur den geringsten Zweifel gehabt. Jetzt, sechs Jahre später, steht Werner, aufgewachsen in Problem-Kiezen in Wedding und Reinickendorf, kurz vor der Erfüllung seines Traums. Sein erster Profivertrag winkt, zum ersten Mal könnte er Geld mit dem Sport verdienen, dem er sein Leben untergeordnet hat.

Vor sechs Jahren ließ der großgewachsene Modellathlet alles hinter sich. Sein Jugendtrainer Jörg Hofmann half ihm dabei, Kontakte in die USA zu knüpfen. „Allen war klar, dass sein Talent in Deutschland verschenkt wäre, weil er hier gar nicht an seine Grenzen gehen musste“, erzählt Wanja Müller, der langjährige Wegbegleiter von Werner und heutige Chefcoach der Berlin Adler. Schließlich erhielt Werner ein Stipendium von einer Highschool im US-Bundesstaat Connecticut. Nur den Flug musste er selbst bezahlen.

Eingewöhnungsprobleme hatte Werner nur außerhalb des Spielfelds. „Ich konnte kein Englisch. In Berlin habe ich im Englischunterricht nie aufgepasst“, sagt er. Sportlich lief dagegen alles optimal. „Am Anfang fanden es einige merkwürdig, dass ein Deutscher geholt wurde“, erzählt Werner, „doch schon nach dem ersten Training haben die gemerkt, was los ist.“ Werner überragte als Defensive End in seinem Highschool-Team und machte schnell die College-Scouts auf sich aufmerksam. Nach nur zwei Jahren in den USA ging er 2010 nach Tallahassee, um für die traditionsreichen „Seminoles“ der Florida State University Football zu spielen und nebenbei Business-Management zu studieren.

Folgen Sie unserer Sportredaktion auf Twitter:

Die Tagesspiegel-Sportredaktion:
Sven Goldmann:
Kit Holden:
Jörg Leopold:


Claus Vetter:


Tagesspiegel twittert

Umfrage

1:1 gegen Irland: Die deutsche Nationalelf bleibt weiter sieglos. Machen Sie sich Sorgen um die EM-Qualifikation?

Empfehlungen bei Facebook

Service

Weitere Themen

Tagesspiegel-Partner

    Wohnen in Berlin

    Gewerbe- oder Wohnimmobilien: Große Auswahl an Immobilien beim großen Immobilienportal.

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz