Sport : Blamiert, ganz ungeniert

Die Eishockeynation USA unterliegt auch der Schweiz

Claus Vetter

Die Eishalle von Tampere strahlt mit ihren orangefarbenen Schalensitzen keine Gemütlichkeit aus. Inmitten eines Industriegebiets liegt der schmucklose Bau, der für sich das Prädikat beanspruchen darf, der unattraktivste Spielort der am Sonnabend begonnenen Eishockey-Weltmeisterschaft zu sein. Und trotzdem war am ersten Tag der WM das rund 200 Kilometer nördlich von Helsinki gelegene Tampere im Mittelpunkt des Interesses. Denn die erste Sensation des Turniers ereignete sich in der Stadt, die zwischen den Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi liegt. Die USA verloren dort ihr Auftaktspiel, ausgerechnet gegen den A-WM-Aufsteiger Dänemark, mit 2:5. Einen Tag später wurde es dann noch bitterer für das Team aus der Eishockeynation USA: Gegen die Schweiz unterlagen die Amerikaner 0:1. Die Vereinigten Staaten sind nun auf dem Weg in die Abstiegsrunde.

Die Bilder glichen sich. Am Sonnabend und Sonntag schlichen die Spieler des Favoriten frustriert vom Eis. John Gruden, Profi bei den Berliner Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), konnte es kaum fassen. „Das haben wir uns anders vorgestellt“, sagte der US-Amerikaner. Verteidiger Gruden und sein Berliner Teamkollege Kelly Fairchild gehörten gegen Dänemark noch zu den Besten in einer unglücklich agierenden Mannschaft. Gruden bereitete ein Tor vor, Fairchild erzielte eines. Pierre Pagé, Trainer der Eisbären und seit Sonnabend in Finnland, gefiel das, was er sah, wenig. „Gruden und Fairchild waren zwar noch die Besten, aber das ist einfach nur peinlich“, sagte der Kanadier Pagé.

Fernab der Heimat blamiert es sich ungenierter. Das ist beim Team USA, das in Finnland ohne seine ganz großen Stars auskommen muss, nicht neu. Während amerikanische Mannschaften bei Turnieren im eigenen Lande – zuletzt bei Olympia 2002 in Salt Lake City, wo die USA Silber holten – oft überzeugen, ist bei Exkursionen nach Europa selten etwas herausgekommen: Beste Platzierung der vergangenen zehn Jahre war ein dritter Rang bei der WM 1996. Wenig berauschend für ein Land, das sich gern damit brüstet, mit der NHL die beste Eishockey-Liga der Welt zu beherbergen. Auch wenn sich in den USA derzeit das Interesse auf die laufenden Play-offs der NHL konzentriert: Ein Abstieg in die B-Gruppe der WM wäre nicht förderlich für den nach den ersten Tagen von Finnland ohnehin schon lädierten Ruf des US-amerikanischen Eishockeys.

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