Sport : „Bloß nicht wieder Alba“

Die Basketball-Bundesliga hofft auf junge deutsche Spieler – und fürchtet Langeweile im Titelkampf

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Von Benedikt Voigt

Berlin. Immerhin aus Braunschweig und Köln gibt es gute Nachrichten. „Erstmals haben wir einen seriösen nssponsor", sagt Thomas Stille. Der Manager des Basketball-Bundesligisten TXU Energie Braunschweig hat berechtigte Hoffnungen, dass die Liaison mit einem texanischen Energie-Unternehmen nicht bereits nach ein paar Monaten endet wie jene in der vorvergangenen Saison mit dem Unternehmen Metabox. Auch beim Meisterschaftszweiten hat sich beim Namen etwas verbessert. Rhein Energy heißt jetzt Rhein Energie, was ein feiner, aber nicht unbedeutender Unterschied ist. Gelingt es dem Klub in den nächsten Jahren noch, die Ortsbezeichnung Cologne in Köln zu ändern, wäre der Basketball-Bundesligist endgültig in der deutschen Sprache angekommen.

Das würde auch dem deutschen Weg entsprechen, den die Basketball-Bundesliga in dieser Saison einschlägt. Am deutlichsten wird das bei den Bayer Giants Leverkusen, die in dieser Saison mit zehn deutschen Spielern und den US-Amerikanern John Best und Nate Fox starten. „Wir wollen wieder eine deutsche Mannschaft, mit der sich die Zuschauer identifizieren können", sagt Manager Thomas Deuster, „und wir wollen wieder einen deutschen Nationalspieler etablieren" Den Zugängen Sven Schultze (Alba Berlin) oder Demond Greene (Würzburg) dürfte dieser Schritt am ehesten gelingen. Bei Alba Berlin setzt man ohnehin seit Jahren schon auf deutsche Nationalspieler. In dieser Saison sind es fünf, die bei der Weltmeisterschaft in Indianapolis mit der Nationalmannschaft die Bronzemedaille gewannen. Drei Nachwuchsspieler und Oldie Teoman Öztürk zählen ebenfalls zu den Berlinern mit dem deutschen Pass.

In Frankfurt setzt Trainer Gordon Herbert ebenfalls vermehrt auf deutschen Nachwuchs. Er holte sich Aufbauspieler Robert Garrett (Würzburg) sowie den Junioren-Nationalspieler Alex King (MTSV Schwabing) und Peter Fehse (Benetton Treviso). Fehse machte im Sommer Schlagzeilen, weil er als erster Deutscher nach Dirk Nowitzki von der US-amerikanischen Profiliga NBA gedraftet wurde. Die Seattle Supersonics sicherten sich die Rechte an dem Power Forward aus Halle, ohne ihn jemals gesehen zu haben. In Frankfurt muss Fehse nun zeigen, dass er nicht der deutsche Basketballer ist, der zurzeit am meisten überbewertet ist.

Auch Köln, Verzeihung Cologne, setzt an einer entscheidenden Stelle auf den deutschen Weg. Manager Stephan Baeck löste Svetislav Pesic (FC Barcelona) auf dem Trainerposten ab, was Rhein Energie Cologne viel Geld spart. Dies ist auch der Grund in Leverkusen, auf junge deutsche Talente zu setzen. Sie kosten nicht so viel. Die gesamte Basketball-Bundesliga muss in dieser Saison sparen. Alba Berlin ist mit einem Etat von fünf Millionen Euro noch der reichste Klub der Liga. Doch auch die Berliner mussten ihren Etat um eine Million Euro senken. Alba beklagt neben der schlechten Konjunkturlage die bis vor zweieinhalb Wochen unsichere Situation bei den Fernsehrechten der Bundesliga und verminderte Einnahmen in der Euroleague. Im letzten Jahr bekam Alba dort noch 250 000 Euro Antrittsgeld, in dieser Saison nur noch 100 000 Euro. Zudem fehlt ein Trikotsponsor. „Wir sind jeden einzelnen Posten durchgegangen und haben geschaut, ob wir nicht irgendwo Geld sparen können", sagt Manager Carsten Kerner. In Köln, Albas Finalgegner der vergangenen Saison, beträgt der Etat in dieser Spielzeit drei Millionen Euro, Würzburg muss mit 750 000 Euro auskommen.

Bis ins Jahr 1989 muss man zurückblicken, um einen deutschen Basketball-Meister zu finden, der nicht Alba Berlin oder Bayer Leverkusen heißt. Steiner Bayreuth war damals der Glückliche. Danach gewannen die Leverkusener siebenmal in Folge die Meisterschaft, die Berliner anschließend sechsmal. Der Leverkusener Thomas Deuster, früher als Spieler in Berlin aktiv, plädiert in dieser Saison für einen Meister, der nicht Alba Berlin heißt. „Das wäre doch sonst stinklangweilig", sagt der Leverkusener Manager. Womöglich fürchtet er nur um den Rekord seines Vereins, den Alba mit der siebten Meisterschaft in Folge eingestellt hätte.

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