Sport : BLV-Präsident Kopp über WM-Bewerbung, Sevilla und Medailenträume

Gestern Abend wurde die Leichtathletik-Weltmeister

CHRISTOPH KOPP (51) wurde im April zum Präsidenten des Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV) gewählt. Der frühere Sprinter, der 1968 nach Berlin kam, arbeitete unter anderem als Trainer, war Sportwart und Vorsitzender der Leichtathletik-Abteilung des SC Charlottenburg und Verantwortlicher für die Spitzenathleten beim Berlin-Marathon. Mit Christoph Kopp sprach Jörg Wenig.4. Potsdamer Floristentag

Gestern Abend wurde die Leichtathletik-Weltmeisterschaft eröffnet. Welche Erfolge erhoffen Sie sich von den Berliner Startern?

Als Präsident des BLV träume ich natürlich gerne die Medaillenträume der Athleten mit. Ich denke, der eine oder andere Traum kann sich durchaus erfüllen. Ein bis zwei Medaillen, das wäre ein toller Erfolg, aber es kann auch passieren, dass drei vierte Plätze heraus kommen. Speerwerferin Tanja Damaske ist mit ihrer Willensstärke ein relativ sicherer Tipp. Hochspringer Martin Buß hätte nach zwei vierten Plätzen den Sprung auf das Podium verdient. Damian Kallabis hat mit seinem Hindernisrekord ein Ausrufezeichen gesetzt, aber auch Erwartungen geweckt. Ich hoffe, es kommt eine adäquate Platzierung in Sevilla heraus. Platz drei wird sehr schwierig, aber auch ein vierter Rang wäre aller Ehren wert. Ein großer Erfolg wäre es auch, wenn Andreas Erm unter die ersten Acht gehen könnte und Weitspringer Kofi Amoah Prah den Endkampf erreicht. Für Zehnkämpfer David Mewes geht es darum, Erfahrungen zu sammeln für Sydney 2000, und bei Claudia Marx hoffe ich, dass sie in der 4 x 400-m-Staffel vielleicht im Vorlauf zum Einsatz kommt.

Stichwort WM - Berlin kam im Laufe der letzten Zeit immer wieder ins Gespräch hinsichtlich der Bewerbung um eine Weltmeisterschaft. Was ist da dran?

Mit dem IAAF-Präsidenten Primo Nebiolo gibt es in der Tat einen starken Befürworter für Berlin als WM-Austragungsort. Als Berliner Leichtathletik-Verband können wir natürlich nur Wünsche haben und Denkanstöße geben. Entscheidend ist, dass die Strukturen und die Finanzierung mit Hilfe der Stadt geklärt sind. Nur dann haben wir auch eine überzeugende Bewerbung. Wir werden zu gegebener Zeit an die Stadt herantreten - denkbar wäre für Berlin eine Bewerbung um die WM 2005 oder 2007.

Von drei internationalen Hallenmeetings ist im letzten Winter keines mehr übrig geblieben. Tut sich in diesem Bereich etwas?

Es könnte durchaus sein, dass wir schon vor einer WM 2005 oder 2007 eine große internationale Hallenmeisterschaft in Berlin haben. Es wird zur Zeit darüber gesprochen, in das Velodrom doch noch die ursprünglich geplante und dann aus Kostengründen gestrichene Leichtathletik-Rundbahn einzubauen. Wir würden uns dann um die Hallen-WM 2003 oder die Hallen-EM 2004, vielleicht sogar auch um beide Veranstaltungen bewerben. Um ein entsprechendes Betreiberkonzept zu unterstützen, würden dort auch nationale Titelkämpfe und ein Hallen-Meeting stattfinden, zum Beispiel ein Hallen-Istaf.

Was würde dieser Einbau denn kosten?

Die einmaligen Anschaffungskosten der Bahn liegen etwa bei 1,5 Millionen Mark. Der Ein- und Ausbau würde jährlich rund 50 000 Mark kosten. Es gibt auch seitens des Velodroms Interesse an diesem Bahnprojekt. Ebenso unterstützt der Landessportbund dieses Vorhaben. Gemeinsam wollen wir mit einer fundierten Kostenrechnung an die Stadt herantreten. Auch in Bezug auf eine Hallen-WM hat Nebiolo sein Interesse an Berlin bekundet - dies ist den politisch Verantwortlichen in der Stadt seitens der IAAF signalisiert worden. Ich hoffe nicht, dass der bevorstehende Wahlkampf die anstehenden Gespräche und die dann folgenden Entscheidungen hinsichtlich einer Bewerbung Berlins lähmt.

Wie will der BLV die Spitzen-Leichtathletik in Berlin fördern und entwickeln?

In Berlin wird seit Jahren gute Nachwuchsarbeit geleistet. Es ist bemerkenswert, dass sechs der sieben Berliner WM-Starter Eigengewächse sind. Und bei den Deutschen Jugendmeisterschaften haben wir zuletzt 24 Medaillen gewonnen. Für den nächsten olympischen Zyklus wird es Gespräche mit den Verantwortlichen der Vereine, dem Landessportbund und dem Olympiastützpunkt geben, um Weichen zu stellen. Topathleten bekommen natürlich gute Angebote. Aber wenn wir es schaffen, das Umfeld mit Verein, Trainer und weiterer Betreuung gut zu gestalten, haben wir schon viel gewonnen, um die Athleten in Berlin zu halten. Wir müssen um die vorhandenen Athleten herum Schwerpunkte aufbauen. Wenn es möglich ist, müssen weitere Toptrainer her, die haben Sogwirkung auf Athleten.

Stärkt der BLV den Großereignissen Istaf und Berlin-Marathon nun den Rücken?

Natürlich, wir unterstützen alles, was die Leichtathletik in Berlin attraktiv macht. Und dazu gehören vor allen Dingen das Istaf und der Marathon. Beide Veranstaltungen zählen zu den Highlights im Berliner Sport. Der Verband ist sich der Bedeutung und der Sogwirkung, die durch Istaf und Marathon sowohl in der Bevölkerung als auch innerhalb der Leichtathletik-Szene entsteht, bewusst. Aber wir sind auch bemüht, regionale Veranstaltungen auf ein besseres Niveau zu heben, um zum Beispiel Berliner Meisterschaften wieder für Zuschauer interessanter zu machen. Der BLV will dazu beitragen, dass die Hauptstadtsituation auch in der Leichtathletik deutlich wird.

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