Sport : Bohrende Fragen

Drei T-Mobile-Profis arbeiten mit dem umstrittenen Arzt Michele Ferrari zusammen

Sebstian Moll[Esch-sur-Alzette]

Normalerweise würde sich der Tour-de- France-Tross auf einen solchen Renntag freuen. Die Sonne strahlte am Montag über dem Dreiländereck Deutschland, Luxemburg und Frankreich, und vor den Fahrern lagen 228 Kilometer durch eine liebliche Landschaft mit sommerlichen Feldern, Weinbergen und satten Wäldern von Obernai nach Esch-sur-Alzette. Doch stattdessen herrschte am Start in Obernai in der Wagenburg der Mannschaftsbusse eine eher gereizte Stimmung.

Insbesondere bei den deutschen Teams T-Mobile und Gerolsteiner lagen die Nerven blank. Gerade, als man dachte, das Thema Doping habe sich vorläufig erledigt und man könne sich auf das Radfahren konzentrieren, bedrängten Reporter die Fahrer und Mannschaftsdirektoren erneut mit unangenehmen Fragen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte gemeldet, dass die beiden T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz und Michael Rogers mit dem italienischen Sportmediziner Michele Ferrari zusammenarbeiten, gestern bestätigte T-Mobile, dass auch der Italiener Eddy Mazzoleni mit Ferrari kooperiere. Ferrari hat sich sowohl durch die Zusammenarbeit mit Lance Armstrong einen Namen gemacht, als auch durch die Verstrickung in mehrere italienische Dopingprozesse. Zudem hatte der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke in der „Süddeutschen Zeitung“ dem Team Gerolsteiner systematisches Doping vorgeworfen.

Patrik Sinkewitz hatte sichtlich keine Lust, sich für die Zusammenarbeit mit Ferarri zu rechtfertigen. Der Italiener sei halt nun einmal ein guter Trainer, erklärte Sinkewitz. Mehr wollte der junge Mann aus Fulda, Gewinner der Deutschland-Rundfahrt von 2004, nicht über das Thema sagen. Er drehte sich auf den Pedalplatten seiner Radschuhe um und verschwand wieder im Mannschaftsbus. Auch T-Mobile-Teamchef Olaf Ludwig fand nicht, dass die Zusammenarbeit seiner Angestellten mit einer fragwürdigen Figur wie Ferrari Grund sei, sich bohrende Fragen gefallen zu lassen. „Das bedeutet doch gar nichts“, sagte Ludwig etwas bockig. „Das ist doch wie bei Ullrich. Zwei Jahre hat er mit Cecchini zusammengearbeitet, und jetzt auf einmal wird das so hoch gekocht.“

Gerade vor diesem Hintergrund waren die Nachfragen wohl mehr als gerechtfertigt. Sicher, allein die Zusammenarbeit von Ullrich mit Luigi Cecchini – der zusammen mit Michele Ferrari zur Arbeitsgruppe von Francesco Conconi, dem „Vater“ des Blutdopings gehört hatte, machte ihn noch nicht zum überführten Dopingsünder. Allerdings war die Verbindung Cecchinis zum spanischen Dopinglabor von Eufemiano Fuentes eine der Fährten, die zu den Ermittlungen gegen Jan Ullrich in Spanien geführt hatten.

Zumindest aus Imagegründen würde es T-Mobile sicherlich gut tun, solche Verbindungen zu unterbinden. Das sah dann nach dem Fall Ullrich letztlich auch Olaf Ludwig ein: „Wir haben sicher jetzt eine andere Situation, als zu dem Zeitpunkt, als wir die Verträge mit den Fahrern unterzeichnet haben. Bestimmt muss man darüber nachdenken, solche Sachen vertraglich festzulegen.“ Allerdings sei es juristisch schwierig, Fahrern solche Kontakte zu verbieten.

Dem stimmte auch Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer zu. „Man hat mit den Fahrern Verträge von einem oder zwei Jahren. Da kann sich kein Trainer-Athleten-Verhältnis aufbauen.“ Deshalb, so Hans-Michael Holczer, arbeiten die Rennfahrer mit Fachleuten außerhalb des Rennbetriebs zusammen, von denen sie sich langfristig betreuen lassen. Diese Kontakte zu kontrollieren oder gar zu regulieren, sagt Holczer, sei ausgesprochen kompliziert.

Der Dopingexperte Werner Franke hatte behauptet, handschriftliche Dokumente zu besitzen, in denen ein ungenannter Spitzenfahrer von Gerolsteiner sich detailliert bei einer ebenso anonymen Person über Wirkungsweisen, Dosierungen und Vertriebswege von Dopingmitteln erkundigt. „Der Herr Franke soll mir doch bitte helfen“, sagte Holczer, „und mir sagen, wer das ist. Wenn das ein Fahrer von mir geschrieben hat, dann werde ich ihn sofort suspendieren.“ Ganz offensichtlich glaubt Holczer nicht daran, dass Franke etwas Konkretes in der Hand hat.

Wahrscheinlich, spekuliert der Gerolsteiner-Direktor, handele es sich bei dem Dokument, das Franke von einem Fernsehjournalisten zugespielt wurde, um ein Schreiben, das vor zwei Jahren schon einmal durch die Medien geisterte. Es sei damals von einem Aushilfspfleger der Mannschaft verfasst worden, der nach einem vorübergehenden Einsatz nie mehr für Gerolsteiner gearbeitet habe. „Ich bin ganz ruhig“, sagte Holczer deshalb, bevor er in den Mannschaftswagen stieg, um seinem Job nachzugehen. „Ich verstehe ja im Moment die Nachfragen zum Thema Doping, da gibt es eine journalistische Pflicht. Nur manchmal ufert das ins Absurde aus.“

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