Sport : Borussen-Präsident Gerd Niebaum - "Jetzt sind wir dort, wo wir hingehören"

Günter Bork

Die Dortmunder Chaos-Wochen mit fünf Pflichtspielen ohne Sieg erlebten mit dem Scheitern in der Champions League ihren vorläufigen Tiefpunkt. Der spielerischen Bankrott-Erklärung der Millionen-Stars folgte nach dem blamablen 0:1 (0:1) bei Boavista Porto die bittere Einsicht von Borussen-Präsident Gerd Niebaum: "Jetzt sind wir dort, wo wir nach den Leistungen der vorigen Saison hingehört hätten: im Uefa-Cup." Vom Cup der Verlierer ist inzwischen die Rede.

Ein Sieg, drei Unentschieden, zwei Niederlagen lautete die ernüchternde Bilanz der sechs Gruppenspiele, die den Verlust einer Garantie-Einnahme von insgesamt rund zehn Millionen Mark bedeuten - abgesehen vom Imageschaden, der ausgerechnet vor dem im Frühjahr geplanten Börsengang eintritt.

Dessen bewusst, präsentierten sich die Verlierer am Boden zerstört. "Das ist der schwärzeste Tag in meiner Karriere. Zum ersten Mal fühle ich mich als Versager", erklärte Mittelfeldspieler Miroslav Stevic, der trotz eines Nasenbeinbruchs spielte und einziger Dortmunder Lichtblick unter dem Flutlicht des Stadions "Do Bessa" war. Dort besiegelte Pedro Emanuel (16.) mit einem von Jürgen Kohler abgefälschten Distanzschuss das Dortmunder Dilemma frühzeitig und hievte Feyenoord Rotterdam in die Zwischenrunde.

"Das ist ein bitterer Moment für uns alle, aber von einer Krise will ich nicht sprechen. Kleinigkeiten entscheiden oft im Fußball", sagte Nationalspieler Christian Wörns. Doch die Kleinigkeit entpuppte sich als folgenschwere Schwäche. "Das ist das erste Auswärtsspiel, in dem wir keine klare Torchance hatten. Wenn das nicht gelingt oder man seine Möglichkeiten nicht nutzt, hat man in der Champions League nichts zu suchen", ergänzte Abwehrroutinier Kohler.

Selbstkritisch analysierten die Borussen die Punktverluste in den Heimspielen gegen Trondheim (0:3) und Rotterdam (1:1) als Ursache für das Ausscheiden, während BVB-Boss Niebaum treffend feststellte: "Wir haben in Porto nicht den Nachweis erbracht, dass wir zu den besten 16 Klubs in Europa gehören." Armselig wie das Spiel des Champions-League-Siegers von 1997 war jedoch sein Erklärungsversuch: "Immerhin standen in Otto Addo und Giuseppe Reina zwei Spieler im Team, die in der vergangenen Saison noch in der Zweiten Liga gespielt haben."

Nicht einmal der Ausfall des verletzten Andreas Möller darf als Entschuldigung für die mangelnde Organisation im hochkarätig besetzten Team gelten. Trainer Michael Skibbe steht schwerste Aufbauarbeit bevor: "Ich bin niedergeschlagen und enttäuscht. Das ist ein schmerzhafter Moment, aber wir sind zu Recht ausgeschieden." Gleichzeitig dürften Skibbe und sein Team ausgerechnet vor dem Duell der Frustrierten in der Bundesliga am Sonabend gegen die ebenfalls gescheiterten Leverkusener die Diskussion über Taktik sowie Auf- und Einstellung entfacht haben. "Nun muss die Jetzt-erst-recht-Mentalität her", sagte der Ex-Leverkusener Wörns.

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