Borussia Dortmund : Der Heilsbringer sitzt auf der Bank

Jürgen Klopp weckt in Dortmund große Erwartungen – obwohl sich der Kader kaum verändert hat. Der BVB im Test.

Felix Meininghaus
Klopp
Jürgen Klopp -Foto: dpa

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 6: Borussia Dortmund.


Was hat sich verbessert?
Die Atmosphäre. Bei Borussia Dortmund herrscht Aufbruchstimmung, die vor allem einem Mann zu verdanken ist: Jürgen Klopp. Er allein soll der Garant dafür sein, dass die öden und blutleeren Auftritte der Vorsaison, als die Mannschaft weit unter ihren Möglichkeiten blieb, der Vergangenheit angehören. Doch Achtung: Auch vor der letzten Saison herrschte in Dortmund eine ungebremste Euphorie, die mit der Realität zu keinem Zeitpunkt in Einklang gebracht werden konnte. Von daher sollten die Macher des Klubs sorgsam umgehen mit Sprüchen wie dem, der auf einem Werbeplakat mit Klopps Konterfei zu lesen ist: „Noch 1909 Meter bis zum Uefa-Pokal.“

Wer sind die Stars?
Der Star ist der Trainer: Seitdem Jürgen Klopp von der Bregenzer Seebühne heruntergestiegen ist, um statt mit der ZDF-Dreierkette aus Johannes B. Kerner, Urs Meier und ihm selbst die Viererkette des BVB auf Vordermann zu bringen, zieht der ewige Mainzer das komplette Medieninteresse auf sich. Die Fans auf der Südtribüne dürsten nach einem volksnahen Macher, der die Dortmunder Mannschaft mit stürmischer Attitüde nach vorn treibt und mit Witz und Charme begleitet. Aber auch hier Achtung: Während der 90 Minuten sind die Spieler auf sich allein gestellt. Sie müssen erst noch zeigen, dass sie mehr drauf haben als in der vergangenen Saison. Heilsbringer Klopp schießt keine Tore. Er sitzt auf der Bank.

Welche Taktik ist zu erwarten? Klopp ist ein glühender Verfechter des Offensivfußballs, schon in Mainz hat er seine Teams stürmen lassen. Dabei wird er auf ein 4-4-2-System zurückgreifen. Im Mittelfeld soll der aus Karlsruhe gekommene Tamas Hajnal die verwaiste Position des Spielmachers wiederbeleben, dahinter sichert der neue Kapitän Sebastian Kehl als Sechser ab. Das kann eng hinter dem Regisseur mit der sogenannten flachen Vier geschehen oder mit der klassischen Raute. Entscheidender wird jedoch die Frage sein, ob die neu formierte Viererkette stabiler steht als in der Vorsaison, als die BVB-Defensive mit 62 Gegentreffern die schlechteste Abwehr der Liga hatte. Wenn die jungen Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic sicher stehen, ist schon viel gewonnen.

Wer hat das Sagen im Verein?
Ganz eindeutig Hans-Joachim Watzke. Der Geschäftsführer hat den bankrotten Verein saniert und sich dadurch eine unumschränkte Machtposition erarbeitet. In seinem Schatten kümmert sich Sportdirektor Michael Zorc um die Transferangelegenheiten, in die sich auch Watzke immer wieder einschaltet. Präsident Reinhard Rauball hält sich aus dem operativen Geschäft komplett heraus und dosiert seine öffentlichen Auftritte wesentlich sparsamer als der omnipräsente Watzke.

Wie ist die Stimmung im Stadion?
Man darf sich wundern, doch nach jahrelangen Rückschlägen weiterhin gut. Vor einem Jahr rettete der Heimsieg gegen Schalke eine verkorkste Saison, dieses Mal linderten das Erreichen des Pokalfinals und der Klopp-Effekt die miserablen Eindrücke. Mit knapp 49 000 verkauften Dauerkarten bleibt der BVB Ligaspitze. Wahrscheinlich würden die Fans in Schwarz-gelb ihrem Team auch eine weitere schwache Saison verzeihen.

Welche Platzierung ist zu erwarten?
Der Trainer ist neu, die Erwartung riesig, der Kader jedoch ist nicht aufwändig verstärkt worden. Andere Klubs haben erheblich mehr Geld in neue Spieler investiert als die Dortmunder. Von daher wäre es blauäugig, eine Spitzenplatzierung zu erwarten. Dennoch sollte eine Steigerung drin sein: Borussia Dortmund klettert in dieser Spielzeit von Rang 13 auf einen einstelligen Tabellenplatz.

Morgen: VfL Bochum. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

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