Borussia Dortmund - Real Madrid : Überzeugte Europäer

Borussia Dortmund will bei Real Madrid internationale Reife beweisen – in der Champions League läuft es in dieser Saison besser als in der Bundesliga.

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Achtung, Höhenrausch! Anders als in den vergangenen Jahren spielt Dortmund (hier Mats Hummels/links gegen Real Madrids Karim Benzema) bei den Festtagen in der Champions League eine Klasse besser als im Bundesliga-Alltag.
Achtung, Höhenrausch! Anders als in den vergangenen Jahren spielt Dortmund (hier Mats Hummels/links gegen Real Madrids Karim...Foto: dapd

Offenbar gehört es bei Borussia Dortmund zu den Einstellungskriterien für das gehobene Management, vernünftig mit dem Ball umgehen zu können. Sportdirektor Michael Zorc gelangen in der Bundesliga 131 Tore, von den Mittelfeldspielern war nur der Frankfurter Bernd Nickel erfolgreicher. Hans-Joachim Watzke hat zwar nur für Rot-Weiß Erlinghausen in den Niederungen des Amateurfußballs gespielt, scheint aber jede Menge Gefühl im Fuß zu haben. Viermal traf Dortmunds Geschäftsführer bei seinem Besuch im Aktuellen Sportstudio an der Torwand, einmal unten, dreimal oben.

So treffsicher wären die Profis des BVB am Nachmittag gegen den VfB Stuttgart auch gern gewesen, doch es reichte nur zu einem torlosen Unentschieden. Während die Dortmunder in der Champions League gute Resultate vorweisen können, laufen sie in der Bundesliga der Musik hinterher. Die Dortmunder spielen derzeit nicht im Meistermodus, 16 Punkte aus zehn Spielen sind für Watzke zwar „kein Desaster, aber auch kein Traum“. Immer mehr verfestigt sich der Eindruck, als fokussiere sich Borussia Dortmund in dieser Saison auf Kosten des Alltagsgeschäfts in der Bundesliga in erster Linie auf die Herausforderungen im Europapokal, nachdem die Mannschaft in den vergangenen Jahren international eher kläglich abgeschnitten hat. Sowohl 2010 in der Europa League als auch 2011 in der Champions League schied der BVB jeweils nach der Gruppenphase aus. Selbst Watzke widerspricht dieser Einschätzung nur halbherzig. Sich auf Europa zu konzentrieren sei zwar keine Strategie, könne aber durchaus unterbewusst ablaufen, „wir werden das weiter beobachten“.

Der Befund, die Mannschaft sei für den ganz großen Fußball noch nicht reif, hat die Dortmunder in den vergangenen beiden Jahren nachdrücklich geärgert – zumal Watzke dieser Einschätzung entschieden widerspricht. „Wenn du fünfmal in Folge gegen die Bayern gewinnst, weißt du, dass du auch international bestehen kannst“, sagt er.

Tatsächlich hat sich der BVB vor dem heutigen Auftritt bei Real Madrid (20.45 Uhr, live bei Sky) in der Champions League hervorragend geschlagen. „Wer hätte denn geglaubt, dass wir als Tabellenführer unserer Gruppe nach Madrid fahren?“, fragt Watzke. Das 1:1 beim Englischen Meister Manchester City und vor allem der 2:1-Heimsieg gegen Real waren eindrucksvolle Belege für die Reife des Teams. Allerdings wird die Aufgabe in Madrid wohl noch anspruchsvoller. Die Dortmunder wissen das und fühlen sich gewappnet. Beim Spanischen Meister werden in erster Linie die defensiven Qualitäten gefragt sein. „Die werden mit Sicherheit anrennen“, sagt Dortmunds Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan, „wir wissen genau, was uns erwartet, und wir werden richtig damit umgehen.“ Das glaubt auch Verteidiger Mats Hummels, der sich vorgenommen hat, „die Leistungen zu zeigen, die wir bisher in der Champions League gebracht haben“. Aber selbst wenn es nicht reichen sollte, „werden wir auf jeden Fall dagegen halten“.

Dass es beim 0:0 gegen den VfB Stuttgart in der Liga erneut einen Rückschlag gab, sage für das Spiel in Madrid gar nichts – behauptet Gündogan. „In das Hinspiel gegen Real sind wir mit einer Niederlage gegen Schalke gegangen und haben dann gewonnen“, sagt der Nationalspieler. Gegen Real Madrid können die Dortmunder nach Lage der Dinge immerhin auf ihren Kapitän Sebastian Kehl bauen, der am Samstag nach einem Ellbogencheck des Stuttgarters Raphael Holzhauser ausgewechselt werden musste. Kehl, dessen Nasenbein angebrochen ist, soll mit einer Spezialmaske auflaufen. Der Mittelfeldspieler hatte offenbar Glück im Unglück. Auch das lässt Gündogan dem Spiel beim Weltklub Real mit Zuversicht entgegenblicken: „Ich bin guter Dinge, es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Wir fahren da mit breiter Brust hin.“

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