• Borussia Dortmund weiter Letzter: Nach 0:1 gegen FC Augsburg: Die Krise wird existenziell

Borussia Dortmund weiter Letzter : Nach 0:1 gegen FC Augsburg: Die Krise wird existenziell

Nach dem erschreckenden Auftritt gegen den FC Augsburg wird die Lage für Borussia Dortmund immer bedrohlicher. Jürgen Klopp flüchtet sich in Durchhalteparolen und die Fans verweigern die Gefolgschaft.

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Jürgen Klopp konnte nicht glauben, was er gegen Augsburg in der zweiten Halbzeit von seinen Spielern geboten bekam.
Jürgen Klopp konnte nicht glauben, was er gegen Augsburg in der zweiten Halbzeit von seinen Spielern geboten bekam.Foto: AFP

Als das Spiel abgepfiffen war, brach die angestaute Wut über den Spielern zusammen. Dortmunds Spieler machten sich auf den Weg zur Südtribüne, doch die Fans wollten keine Versöhnung, sie erteilten keine Absolution. Die „Gelbe Wand“ reagierte mit gellenden Pfiffen, es folgte die unmissverständliche Aufforderung: „Wir wollen Euch kämpfen sehen.“ Als erster raffte sich Torhüter Roman Weidenfeller auf, stieg auf den Zaun und sprach mit den aufgebrachten Anhängern. Kurz darauf folgte Kapitän Mats Hummels, der Rest blieb ratlos und verzagt im Strafraum stehen, die Blicke gingen ins Leere.

Dass nun auch noch die für ihre Nibelungentreue berühmten Fans des BVB den Profis die Gefolgschaft verweigern, ist ein bemerkenswertes Detail eines fulminanten Niedergangs. Schließlich war es doch gerade diese Allianz, aus der sie bei der Borussia in Krisenzeiten Zuversicht schöpften. Nun bröckelt auch noch die letzte Bastion, die bis dato selbst nach Null-Leistungen wie in Frankfurt, Berlin oder Bremen gehalten hatte. Ein Umstand, für den Trainer Jürgen Klopp Verständnis aufbringt. „Was sollen die Leute machen? Sie sind enttäuscht und haben Angst um die Zukunft des Vereins.“ Angesichts des gerade Erlebten waren jegliche Unmutsäußerungen berechtigt. Der abgestürzte Meisterschaftsaspirant aus dem Ruhrgebiet agierte desolat und verlor sein Heimspiel gegen den FC Augsburg mit 0:1. Platz 18, das Licht am Ende des Tunnels ist bei solch jämmerlichen Auftritten selbst für Optimisten nicht zu entdecken.

Tiefer kann es nicht mehr gehen, und doch warten auf Borussia Dortmund immer neue Abgründe. Dabei haben sie in Westfalen während der Winterpause immer wieder betont, nun die Wende herbeiführen zu wollen. Die Zuversicht wird vor allem damit begründet, das kickende Personal befinde sich in einem körperlich wesentlich besseren Zustand als im Sommer. Aber was nutzen Fitness und Laufbereitschaft, wenn der Kopf dermaßen schwach ist, wenn die Spieler selbst in Überzahl verzagen und uninspiriert über den Platz irren? „Dass die Nerven eine riesige Rolle spielen, steht außer Zweifel“, weiß Klopp: „Das müssen wir in den Griff kriegen.“ Und weiter: „Wir müssen den Jungs den Glauben zurückgeben. Daran arbeiten wir.“

Kein Aufbäumen, kein Plan B, kein Willen, das Schicksal notfalls zu erzwingen

Das klang nicht gerade überzeugend angesichts des blutleeren Auftritts gegen solide Augsburger, die genau wussten, was gegen einen verunsicherten Gegner zu tun war: Sicher stehen und auf die eine Chance warten, die Stürmer Raul Bobadilla zu Beginn der zweiten Halbzeit zum Tor des Abends nutzte. Was danach geschah, rechtfertigt jegliches Untergangsszenario: Kein Aufbäumen, kein Plan B, kein Willen, das Schicksal notfalls zu erzwingen, wenn schon die spielerischen Möglichkeiten dermaßen limitiert sind.

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In Dortmund wurde vor dem Anstoß dem am Sonntag verstorbenen Udo Lattek gedacht.Weitere Bilder anzeigen
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03.02.2015 22:46In Dortmund wurde vor dem Anstoß dem am Sonntag verstorbenen Udo Lattek gedacht.

Selbst als Augsburgs Christoph Janker vom Platz geflogen war, passierte nichts. „Wir treffen die falschen Entscheidungen und werden hektisch“, analysierte Nuri Sahin, „unsere Situation ist echt krass“. Wie ein angeschlagener Boxer taumelt die Borussia durch die Bundesliga. Irgendwie ist das Bewusstsein da, dass es sich zu wehren gilt, aber sämtliche Schläge zielen ins Leere.

Auch Klopp hat beobachtet, dass seinen Spielern Fähigkeit und Instinkt abhanden gekommen sind, das Richtige zu tun. „Wann schießt man, wann zieht man noch mal auf, wann musst du nur geradeaus laufen und bist durch“, dozierte der Trainer. Ein Stürmer wie Ciro Immobile, der letzte Saison in Italien noch als Torjäger reüssierte, irrt plan- und ziellos über den Rasen, als habe man ihm auf dem Weg über den Brenner die fußballerische Festplatte gelöscht. Oder der bedauernswerte Neuzugang Kevin Kampl, der in der ersten Halbzeit fast jeden Ball, den er sich mit hohem Aufwand erkämpfte, durch einen Fehlpass herschenkte. Oder Marco Reus, den sie zum Hoffnungsträger ausriefen, und der vor seinen Gegnern mutlos wie ein Mäuschen kapituliert.

Die Lage ist niederschmetternd, doch Klopp will weitermachen mit der Mission, einem komatösen Patienten neues Leben einzuhauchen. Ob er angesichts des gerade Erlebten verzweifele? „Nein, nicht 15 Spieltage vor Schluss.“ Am Samstag geht es nach Freiburg zu einem Verein, wo sie mit jeder Faser verinnerlicht haben, wie Abstiegskampf geht. Ganz im Gegensatz zum Standort Dortmund. Rezepte für eine schnelle Heilung gibt es keine. Was bleibt, sind Durchhalteparolen: „Wir müssen uns straffen und zurückschlagen“, sagt Jürgen Klopp. Und nach einer Kunstpause: „Endlich.“

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