Boxen : Die Fäuste wieder eingepackt

Die Boxrentner Rocchigiani und Michalczewski sagen ihren geplanten Kampf ab. Es geht mal wieder ums liebe Geld. Die Enttäuschung beim jüngst unter die Buchautoren gegangenen Rocchigiani hält sich in Grenzen.

Jürgen Rollmann
Graciano Rocchigiani Foto: ddp
Graciano Rocchigiani. -Foto: ddp

BerlinEigentlich ist es nichts Ungewöhnliches im Boxgeschäft, dass vor großen Kämpfen zunächst böse Worte ausgetauscht werden. Diesmal ist die Sache komplizierter: Zwar fallen zwischen den Lagern von Graciano Rocchigiani und Dariusz Michalczewski markige Sätze, doch die beiden Hauptdarsteller werden ihre Fäuste stillhalten. Der für Mai groß angekündigte Comeback-Kampf der ehemaligen Weltmeister im Halbschwergewicht ist am Donnerstag geplatzt. Der Veranstalter Andreas Grajewski, ein Vertrauter von Michalczewski, teilte mit, dass er Rocchigiani für den am 24. Mai in Hannover geplanten Kampf ausgeladen habe. Der konterte prompt. „Grajewski ist für mich ein Clown“, sagte Rocchigiani dem Tagesspiegel. „Wie kann man mich ausladen, wenn ich vergangene Woche schon selbst abgesagt habe?“.

Nach Angaben von Grajewski hätten überhöhte Forderungen zur Ausladung geführt. Zunächst sei es um die Börse gegangen. Später habe der in Duisburg lebende Rocky, der nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt Moers-Kapellen im November 2007 zuletzt als Buchautor in Erscheinung getreten war, den Kampf um drei Monate verlegen wollen. „Das hat das Maß voll gemacht“, sagte Grajewski der Deutschen Presseagentur. „Blödsinn“, antwortet dagegen Graciano Rocchigiani, „die Verträge waren nicht akzeptabel, das ist der einzige und wahre Grund. Sonst hätte ich doch schon im November unterschrieben“. Der Knackpunkt ist recht einfach zu benennen: das Geld. Mehr als zwei Millionen Euro pro Boxer waren als Kampfbörse im Gespräch. Doch Grajewski konnte diese Summe vertraglich offensichtlich nicht garantieren, weil sich bislang kein Fernsehsender gefunden hat, der das Veteranen-Duell übertragen will. Ob nun ein anderer Veranstalter ins Spiel kommt, ist offen.

Zwei Millionen Euro sind eine verlockende Summe für zwei Männer, die sportlich längst abgetreten sind, in keiner Rangliste mehr geführt werden und ihren Leistungszenit seit Jahren überschritten haben. Michalczewski, bald 40 Jahre alt, bestritt seinen letzten Kampf im Februar 2005, und Rocchigiani, seit kurzem 44 Jahre alt, stand zuletzt im Mai 2003 im Ring. In ihren Glanzzeiten kämpften die beiden Boxer zweimal gegeneinander. Als Skandalkampf ging das erste Duell im August 1996 im Hamburger Stadion des FC St. Pauli in die Boxgeschichte ein. Weil der überlegene Rocchigiani nach einem Stoppsignal des Ringrichters nachschlug, wurde er später disqualifiziert. Im Revanchekampf im April 2000 hatte Rocchigiani, Sohn eines sardischen Eisenbiegers, keine Chance gegen Michalczewski, ließ in der zehnten Runde das Handtuch werfen und sagte nachher: „Hast gewonnen, bleibst aber für mich doch ’n dummer Pole!“

Die Traurigkeit über den geplatzten Comeback-Kampf hält sich auf Seiten von Graciano Rocchigiani dennoch in Grenzen. Seine Autobiographie verkaufte sich auch Dank des medialen Gewitters um den geplanten Kampf prächtig und war erfolgreichstes Sportbuch 2007. Jetzt soll sein Leben verfilmt werden. „Wir verhandeln gerade über die Rechte, das aber diesmal mit seriösen Leuten“, sagte Rocchigiani, „wenn das schon nicht mit Michalczewski klappt, dann aber garantiert mit dem Kinofilm“.

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