Sport : Boxen: Ein tapferer, mutiger, großartiger Kampf

Hartmut Scherzer

Sebastian Köber rüttelte am Denkmal. Stürzen konnte der Banklehrling die Box-Ikone Felix Savon natürlich nicht. Aber der Schwergewichtler aus Frankfurt (Oder) lieferte dem sechsmaligen Weltmeister und zweimaligen Olympiasieger im olympischen Halbfinale einen tapferen, mutigen, großartigen Kampf. Dass der für unschlagbar gehaltene Kubaner alle vier Runden durchboxen musste und keinen vorzeitigen Abbruch mit 15 Treffern Differenz erzwingen konnte, spricht für die Furchtlosigkeit und Gegenwehr des 21 Jahre alten Brandenburgers.

Nur 14:8 Treffer zeigten die Monitore am Ende an. So oft ist der 33-jährige Ausnahmeathlet selten in einem seiner fast 300 Kämpfe getroffen worden. Die erste Runde mit 2:1, die letzte mit 4:3 hatte Köber sogar für sich entschieden. Nur in der zweiten Runde geriet er arg in Bedrängnis, wurde mehrfach von der Rechten Savons durchgeschüttelt. 1:7 Treffer. "Da hatte ich einen Blackout. In der zweiten Runde habe ich den Kampf verloren. Mit mehr Erfahrung hätte ich die Situation vielleicht profimäßiger gelöst", sagte Köber und ärgerte sich tatsächlich, dass er zu spät selbst die Initiative übernommen hatte. "Zu viel Respekt, zu große Unerfahrenheit", bedauerte er. "Aber ich habe gezeigt, wie man ihn ins Leere schlagen lassen kann. Ich habe ihm zum Schluss den Nerv gezogen. Und ich bin stolz auf meine Bronzemedaille."

Vor Köbers bravouröser Schlussrunde hatte ihn sein Trainer Karl-Heinz Krüger ermuntert und ermutigt: "Der Savon hat Probleme. Löse dich von ihm. Lass die Hände oben. Beweg dich." Der junge Deutsche aber hat nicht den Bonus der kubanischen Institution des Amateurboxens bei den Kampfrichtern. Klare Treffer erschienen nicht auf dem Monitor. Dabei kann sich Sebastian Köber sogar rühmen, dem Größten des olympischen Boxens ein blaues Auge geschlagen zu haben. In der vierten Runde unterbrach der australische Ringrichter die Kampfhandlungen und tupfte die Schwellung unter dem linken Auge des überraschten Kubaners ab.

Trainer Krüger war mit seinem Schützling hochzufrieden. "Sebastian hat einen bravourösen Kampf gegen so eine Ikone geliefert. Aber viel weiter ist er leider noch nicht. Er hätte sich mehr zutrauen müssen. Aber dazu fehlt ihm noch die Erfahrung. Man hat zum Schluss gesehen, dass Möglichkeiten da waren. Das war heute der Anfang seiner Karriere. Er wird langsam erwachsen", sagte Krüger und regte sich über "die sechs, sieben Tiefschläge weit unter der Gürtellinie" Savons auf.

Die Karriere wird der 1,95 Meter große Junge wahrscheinlich als Profi fortsetzen, beim Frankfurter Meistertrainer Manfred Wolke, der einst mit seinem Vater, Roland Köber, beim einstigen ASK Vorwärts in einer Staffel boxte. "Jetzt freue ich mich erst einmal über meine Bronzemedaile und mache Urlaub. Dann werde wir weitersehen. Ich weiß wirklich noch nicht, wie ich mich entscheide", wiegelte die neue deutsche Schwergewichtshoffnung ab. Promoter Wilfried Sauerland bestätigte in Sydney die Profipläne. "Der Sebastian ist so lieb wie Axel Schulz. Er wird ganz bestimmt zu Manfred Wolke gehen."

Sebastian Köber holte die einzige Medaille der deutschen Achterstaffel. In Atlanta waren es noch eine Silber- und drei Bronzemedaillen gewesen. "Das schlechteste Ergebnis bei meinen fünf Olympischen Spielen", sagte ein sichtlich zerknirschter Cheftrainer Helmut Ranze.

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