Boxen : Walujew gewinnt WBA-Titel

Nikolai Walujew (r.) ist neuer Box-Weltmeister der World-Boxing Association (WBA) im Schwergewicht. Er besiegte den bisherigen Titelträger John Ruiz nach Punkten. Nach der Urteilsverkündung kam es zu Tumulten.

Berlin - Auch nach dem Schlussgong herrschte in der Berliner Max-Schmeling-Halle noch das Faustrecht. Der russische Profiboxer Nikolai Walujew konnte sich im Konfetti-Regen nicht so recht über seinen frisch erworbenen Weltmeistertitel im Schwergewicht freuen.

Der nach einem umstrittenen Punkturteil unterlegene John Ruiz (USA) sprach nach dem Titelverlust von einem «Raubüberfall ohne Waffen» und sein Trainer Norman Stone lief nach der Urteilsverkündung im Ring Amok. Er entriss dem verdutzten neuen Weltmeister den WBA-Gürtel und flüchtete in die neutrale Ecke, wo ihn ein Walujew-Betreuer unter Einsatz roher Gewalt zur Herausgabe zwang. 10.000 Zuschauer erlebten in der ausverkauften Arena «Boxen spezial».

Nur gut, dass der schwer kranke Muhammad Ali, dem die Fans auf Stühlen stehend huldigten, die Halle schon vor der WM verlassen hatte. Der 63-Jährige, der von der Parkinson'schen Krankheit gezeichnet ist, erlebte vorher den Abbruchsieg seiner Tochter Laila in der fünften Runde über die Schwedin Asa Sandell. Zur Belohnung erhielt die 27-jährige Laila Ali von ihrem Vater im Ring einen Kuss. Dann war es aber vorbei mit den Streicheleinheiten.

114:114, 116:114 und 116:113 urteilten die drei Punktrichter aus Neuseeland, Australien und Mexiko für den 2,13 Meter großen und 147 Kilogramm schweren Walujew nach nicht unbedingt sehenswerten 12 Runden. Beide Vertreter gehören nicht gerade zu Virtuosen der Boxkunst. Der kolossale Russe, der eine Gastrolle im nächsten Otto-Film «Sieben Zwerge, zweiter Teil» hat, tat für einen Herausforderer viel zu wenig. Er traf zwar klarer, aber fast ausschließlich mit der linken Führhand. Der Titelverteidiger wühlte sich mutig in den Infight, in dem Walujew sein Fett abbekam. Beide waren im Gesicht nach 12 verbissen geführten Runden deutlich gezeichnet. In den USA hätte das Urteil vermutlich andersherum gelautet.

Gegen die Mechanismen der Branche hatte Ruiz («Ich habe den Kampf gewonnen, das Publikum stand hinter mir») offenbar wenig Chancen. Sein Manager Don King erregte sich auffällig wenig über das Urteil und dachte viel mehr an sprudelnde Geldquellen der Zukunft und ließ ungeahnte Vermarktungs-Chancen erkennen: «Nikolai ist das achte Weltwunder, das Empire-State-Building. Ich traue ihm zu, aus einem Vereinigungskampf aller vier Weltmeister ungeschlagen hervorzugehen.» Walujew, erster russischer Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten, brummte nach dem Kampf: «Ein besseres Weihnachtsgeschenk gibt es nicht. Ich war mir sicher, gewonnen zu haben.»

Der mit Brillant-Schmuck behängte King, der ständig mit deutschen und amerikanischen Flaggen wedelte und auf einer nicht angezündeten Havanna kaute, hält seit Jahrzehnten die Fäden im Schwergewicht zusammen. Selbstverständlich ist der Exzentriker an den folgenden Titelkämpfen Walujews finanziell beteiligt. Dessen Manager Wilfried Sauerland, der im fünften Anlauf in seinem 25-jährigen Box-Engagement zum ersten Mal einen Schwergewichts-Weltmeister stellte, und King werden andere Interessen haben, als die von Stone und Ruiz vehement geforderte Revanche.

Das Angebot Sauerlands hörte sich daher auch eher vage an: «Ruiz könnte wieder kommen, aber ohne Stone. Er ist bekannt für solche Ausraster. Das war Ekel erregend. Allerdings glaube ich, dass es nicht viele gibt, die dieses Duell wieder sehen wollten.» (Von Andreas Zellmer, dpa)

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