BR Volleys : Das letzte Finale gegen Stelian Moculescu

Die BR Volleys treffen in der Finalserie zum letzten Mal auf ihren großen Rivalen Stelian Moculescu. Friedrichshafens Trainer will seinen 42. Titel.

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Wo ich bin, ist Victory. Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu (r.) mit seinen Assistenten Bogdan Tanase (l.) und Marco Fenoglio.
Wo ich bin, ist Victory. Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu (r.) mit seinen Assistenten Bogdan Tanase (l.) und Marco...Foto: imago/Eibner

In Rumänien gebe es ein Sprichwort, hat Stelian Moculescu einmal erzählt, und das gehe so: „Es gibt Trainer, die Mannschaften machen. Und es gibt Mannschaften, die Trainer machen.“ Moculescu, das ist ziemlich unzweideutig, hat immer selbst gemacht und nie machen lassen. Das lässt sich schon allein an seiner Bilanz festmachen: In seiner rund 40-jährigen Tätigkeit als Volleyball-Trainer hat Moculescu sagenhafte 41 Titel gewonnen, darunter 18 Meister- und 19 Pokaltitel in Deutschland sowie 2007 auch die Champions League. Der 65-Jährige ist, gänzlich ohne Übertreibung, der erfolgreichste und bedeutendste Trainer in der Geschichte des deutschen Volleyballs.

Wenn an diesem Sonntag in der Berliner Max-Schmeling-Halle (16 Uhr/live auf Sportdeutschland.tv) die großen Rivalen BR Volleys und Moculescus VfB Friedrichshafen im ersten Spiel der Play-off-Finalserie aufeinandertreffen, ist dies trotz des nahezu immergleichen Endspielduells eine besondere Partie. Moculescu wird nach dieser Endspielserie seine Trainertätigkeit beenden. Und der scheidende Bundestrainer Vital Heynen wird seine Nachfolge antreten. Es endet damit nicht nur eine Ära beim VfB Friedrichshafen, sondern auch eine im deutschen Volleyball.

Der Volleyball hat es schwer in Deutschland, er bewegt sich in Randbereichen des Sportraums. Dass er dort überhaupt auftaucht, hat auch viel mit Moculescu zu tun. „Er hat unheimlich viel für den Volleyball hierzulande getan“, sagt Volleys-Coach Roberto Serniotti. „Er ist eine echte Trainerlegende.“ Doch Moculescu kann auch ein schwieriger Charakter sein. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hat über ihn einmal geschrieben, dass alle, die mit ihm zusammenarbeiteten, über kurz oder lang „dankbare Bewunderer oder erbitterte Gegner“ würden. In Interviews sagt Moculescu schon mal nur „Ja“ oder „Nein“ und wirft dann hinterher, dass man sich mit dieser Antwort abfinden müsse, Punkt. Moculescu mag kein Mann des moderaten Umgangs sein, doch ist er eben auch ein Mann, der sich nichts vorschreiben lässt.

"Große Ohren, große Augen, kleine Schnauze"

Auf dieser Charaktereigenschaft gründen vermutlich seine Erfolge. So wurden die politischen Verhältnisse in den frühen Siebziger Jahren in Rumänien für den unbeirrbaren Moculescu unerträglich. Deshalb nutzte er seine Teilnahme mit der rumänischen Volleyball-Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen 1972 in München zur Flucht. „Ich und der Sozialismus, das passte nie”, hat Moculescu einmal gesagt.

Was dann folgte, war eine einzigartige Karriere im deutschen Volleyball, dessen Höhepunkte der Gewinn der Champions League mit Friedrichshafen sowie die Qualifikation mit der deutschen Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele 2008 in Peking darstellten. Den entscheidenden Tipp, wie man es im Sport zu etwas bringen könne, habe er als Jugendspieler in Rumänien eingetrichtert bekommen: „Große Ohren, große Augen, kleine Schnauze“, erzählte Moculescu einem schwäbischen TV-Sender. Also immer schön horchen und aufpassen, aber nie den Mund zu voll nehmen.

Moculescu wird nicht nur dem deutschen Volleyball, er wird auch explizit den BR Volleys fehlen. Die Rivalität der beiden Klubs ist enorm, ebenso die der beiden Macher: Moculescu auf der einen, Volleys-Manager Kaweh Niroomand auf der anderen Seite. Hier begegnen sich zwei Männer auf Augenhöhe, beide mit ähnlicher Leidenschaft für den Volleyball, aber beide auch mit demselben ausgeprägten Drang zum Erfolg. Das führt natürlich zu großer Konkurrenz. „Vor seinen sportlichen Erfolgen muss man den Hut ziehen. Ein letztes Erfolgserlebnis wäre schön für ihn – und so etwas bleibt auch besonders in Erinnerung“, sagt Niroomand versöhnlich vor dem Spiel am Sonntag. Niroomand sagt aber auch: „Deswegen gehen wir jedoch nicht mit angezogener Handbremse in die Finalserie.“

Moculescu, da kann man sicher sein, würde Geschenke seines ärgsten Widersachers auch bestimmt nicht annehmen.

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