BR Volleys : Koichiro Shimbo: Der Gelassene

Im Hintergrund bei den BR Volleys arbeitet ruhig und still Co-Trainer Koichiro Shimbo. Der Japaner gilt als exzellenter Fachmann. Nur an einer Sache hapert es noch.

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Koichiro Shimbo (li.) ist die ideale Ergänzung zu Trainer Roberto Serniotti.
Koichiro Shimbo (li.) ist die ideale Ergänzung zu Trainer Roberto Serniotti.Foto: imago/Gerold Rebsch

Roberto Serniotti ist als Italiener etwas temperamentvoller. Bei Volleyballspielen steht der Trainer der BR Volleys nahe des Feldes, hampelt herum und diskutiert. Hinter ihm sitzt die japanische Gelassenheit in Person: Koichiro Shimbo hockt ganz ruhig und unauffällig auf der Ersatzbank, beobachtet alles, macht sich viele Notizen – und flüstert Serniotti ab und an ein paar Informationen zu.

Es ist ein ungleiches Duo, das die Fans heute wieder in der Max-Schmeling- Halle erleben können, wenn die Volleys gegen CV Mitteldeutschland in die Play- offs starten (18.30 Uhr, live bei Sportdeutschland.tv). Es ist bemerkenswert, dass die beiden sich so gut verstehen – und dass sie sich überhaupt verstehen. Denn Serniotti und Shimbo sprechen beide noch kein Deutsch und auch nur wenig Englisch. Das Berliner Trainerteam kommuniziert miteinander auf Italienisch, sie sind es von gemeinsamen Stationen so gewohnt.

„Er ist einfach der perfekte Co-Trainer“, lobt der Chef, „engagiert, freundlich und smart.“ Deshalb hatte Serniotti auch auf dem Japaner als Assistenten bestanden, als er vergangenen Sommer in Berlin anheuerte. Beide hatten sich 2002 bei einem Turnier in Tschechien kennengelernt. „Dort hat er mir von seinem Traum erzählt, nach Italien zu reisen und dort als Coach zu arbeiten“, erinnert sich Serniotti. „Einen Monat später rief er mich dann an: ,Ich bin jetzt da, wo finde ich dich?’.“ Shimbo wurde Serniottis Assistent bei Piemonte Volley, die beiden freundeten sich an und blieben in Kontakt.

Ein Leben für den Volleyball

Zum Gespräch grüßt Shimbo zunächst auf Deutsch, „Hallo“, bevor er über Englisch, „is better“, ins Italienische wechselt. „Als ich nach Italien gekommen bin, konnte ich nur ,Grazie’ und ,Ciao’“, erinnert sich Shimbo, „den Rest habe ich mir mit einem Buch beigebracht.“ Sich Deutsch mit dem Buch beizubringen, fällt dem 43-Jährigen deutlich schwerer. „Die Grammatik ist kompliziert und die Sätze sind sehr lang“, sagt er.

Im Training der Volleys fällt das nicht weiter ins Gewicht. Serniotti leitet das Team mit englischen Kommandos an, verfällt oft ins Italienische oder ins Französische, das der Trainer auch beherrscht. Shimbo redet ohnehin wenig, aber trainiert regelmäßig mit „und ärgert unsere Jungs in der Annahme mit seinen fiesen Aufschlägen“, berichtet Serniotti. Und wo die Worte versagen, hilft sich Shimbo mit Stift und Papier. „Ich male die Anweisungen bei Spielen auf, das geht schneller und ist präziser“, sagt Shimbo.

Der Mann aus Yokohama geht in Berlin höchstens mal zum japanischen Frisör, wo er einige Landsleute kennenlernte, oder ins Restaurant. Sonst beschäftigt er sich nur mit Volleyball. Selbst jetzt, wo seine Familie zu Besuch ist. Shimbos Traum ist, einmal als Cheftrainer in seine japanische Heimat zurückzukehren. Aktuell ist er Co-Trainer der Nationalmannschaft. Mittlerweile sei seine Philosophie „aber gemischt, Deutsch, Italienisch, Japanisch, ich lerne von jedem“.

Vor allem von Chef Roberto Serniotti, dessen Temperament der Assistent mit seiner Ruhe ausgleicht. Zusammen wollen die ungleichen Freunde auch in den Play-offs das perfekte Duo bilden.

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