Sport : Brandbrief an Organisatoren der WM Verbraucherschützer rügen Ticket-Verkauf

André Görke

Berlin - Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt werden bald in Zürich auftauchen, am Hitzigweg 11, dort residiert der Fußball-Weltverband Fifa. In ihren Aktentaschen wird wohl ein zweiseitiger Brief stecken, den sie am Donnerstagmittag erhalten haben. Absender: Bundesverband der Verbraucherzentralen aus Berlin; in der Betreffzeile steht fett markiert: „Ticket-Tauschbörse“. Es ist ein unbequemer Brief, es geht um die Eintrittskarten der Fußball-WM 2006.

„Sehr geehrter Hr. Dr. Zwanziger“, leitet Patrick von Braunmühl seinen Brief an den Vizepräsidenten des WM-Organisationskomitees (OK) ein. Patrick von Braunmühl ist stellvertretender Vorstand der Verbraucherzentrale, und er hat „mit Verwunderung jüngste Äußerungen“ zur Kenntnis genommen. Noch immer ist unklar, wie und wann WM-Tickets zurückgegeben werden können. Plötzlich sei wieder die Rede davon, dass dies „nur in Ausnahmefällen“ möglich sei, wobei dies „unserer Vereinbarung vom Februar dieses Jahres (...) widerspricht“. Es gebe keine Ansprechpartner für die Fans beim OK. Anfragen blieben unbeantwortet. Kurzum, wie der Sprecher der Verbraucherschützer, Carel Mohn, sagt: „Wir wollen eine verbindliche Zusage, dass die Ticketbörse bis spätestens zum Jahresende kommt. Schließlich haben die Leute ja bereits für ihre Tickets bezahlt.“

Mehr als 800 000 WM-Karten wurden vom OK verlost und das Geld dafür von den Konten abgebucht. Das Organisationskomitee deckt mit den Einnahmen fast die Hälfte seines WM-Etats. In seinem Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt, kritisiert Patrick von Braunmühl auch die „so genannte Servicegebühr, die für die TST- Serie auch dann fällig wird, wenn Verbraucher kein Ticket erhalten“. Im Sommer konnten Fans teambegleitende Eintrittskarten (im Fachjargon: TST) kaufen und mussten für diese bezahlen. Es steht jedoch bislang gar nicht fest, wer sich für die WM qualifizieren wird. Schafft die Mannschaft die Qualifikation nicht, erhält der Fan sein Geld zurück – abzüglich einer „Servicegebühr“ von bis zu 50 Euro. „Die Rückerstattung (...) darf für den Kunden, der bereits in Vorleistung getreten ist, keine zusätzlichen Kosten verursachen“, schreibt Patrick von Braunmühl. „Ich möchte Sie bitten, die Erhebung der Servicegebühr zu überprüfen beziehungsweise (...) darauf zu verzichten.“

In der OK-Zentrale in Frankfurt am Main reagiert man ablehnend auf die Forderung. Man werde in Zürich Anfang September „über das Ticketing mit all seinen Facetten reden“, sagt OK-Sprecher Jens Grittner auf Anfrage. Aber: „An der Preispolitik wird sich nichts ändern.“ Die Bearbeitungsgebühr sei berechtigt, die Leistung bestehe darin, „dass wir das Ticket reservieren und die Daten pflegen. Das geschieht manuell“. Rund 150 Mitarbeiter seien involviert. Und dass die Bearbeitungsgebühr variiere, liege an der „Mischkalkulation“, sagt Grittner. „Wer nur wenige und preiswerte Tickets bestellt, bei dem gehen wir davon aus, dass er einen schmaleren Geldbeutel hat und somit weniger zahlen kann als einer mit sieben Spielen in der teuersten Kategorie.“

Bei der Ticket-Rückgabe wird es noch zu Streit kommen. Die Verbraucherschützer fordern, dass der Veranstalter das Geld zurückerstatten muss, wenn er die Karten wieder verkaufen kann. Bei der enormen Nachfrage dürfte das kein Problem sein. „Krampfhaft“ werde man jetzt keine Lösung anbieten, sagt Grittner, alles zu seiner Zeit, etwa nach Auslosung der WM-Gruppen im Dezember. Ist die dritte Verkaufsphase Mitte Januar abgeschlossen, „wäre dies ein möglicher Zeitpunkt dafür“. Gründe für eine Rückgabe müsse man jedoch vorweisen. „Wir werden die Rückgabe nicht akzeptieren, nur weil einer keine Lust auf das Spiel zwischen Simbabwe und Senegal hat.“ Ohnehin sei es nur möglich, die Tickets zu übertragen. Und überhaupt, sagt Grittner, „wir haben zu dieser Problematik 20 Anfragen bei 812 000 Karten erhalten“. Es bestehe somit kein Bedarf für eine sofortige Tauschbörse oder ein Call-Center. Verbraucherschutz-Sprecher Mohn kontert: „Es melden sich so wenig Leute, weil die Verbraucher gar nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.“ Und es sei doch „unzumutbar“, dass jemand im Krankheitsfall ein ärztliches Attest ans OK schicken müsse, um sein Geld zurückzubekommen.

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