Sport : Brasilien sucht den Wundertrainer

Wer folgt auf den geschassten Dunga?

Übel beleidigt wurden einige Spieler Brasiliens bei ihrer Rückkehr am Flughafen in Rio de Janeiro, sie konnten nur unter Polizeischutz der wütenden Menge entkommen. Etwas Beifall gab es dagegen für Carlos Dunga in Porto Alegre. Es war sein letzter Applaus als Nationalcoach, denn Dunga wurde geschasst. Neben dem Ausscheiden im Viertelfinale wird ihm die totale Abkehr vom „jogo bonito“, dem schönen Spiel, angelastet. Eine immerwährende Debatte – seit 1982, als Brasiliens Zauberelf mit Zico, Falcao und Socrates bei der Weltmeisterschaft an Italiens Catenaccio scheiterte. „Unsere Niederlage war schlecht für den Weltfußball, denn wenn Brasilien gewonnen hätte, hätte sich der Fußball zum Positiven geändert“, sagt Zico. So aber beschloss damals sogar der brasilianische Verband die Abkehr von dieser Philosophie. Zwölf Jahre später wurde Brasilien zum vierten Mal Weltmeister. Mit dem Kapitän Dunga, sachlichem Fußball und im Elfmeterschießen gegen Italien, nachdem im Endspiel niemand ein Tor geschossen hatte.

2014 findet die WM in Brasilien statt, und es wird weniger das Scheitern analysiert als nach einem Coach gesucht, der zu Hause den sechsten Titel holt. Am besten natürlich mit spielerischem Flair. Es gibt mehrere Kandidaten. Die Fans verehren Luiz Felipe Scolari, mit dem Brasilien 2002 seinen fünften Titel gewann. Der steht aber bei Palmeiras in Sao Paulo im Wort und will frühestens 2012 übernehmen. Als Übergangslösung wäre Jorginho denkbar, bisher Assistent Dungas.

Fan-Proteste kennt Scolari: Als er 2002 in einem Hotel seinen Kader bekannt gab und unter anderem auf Romario verzichtete, versammelten sich dort gleich hunderte wütende Anhänger. Mit dem Titel wurde er „O Felipao“, der großen Felipe. Gewonnen hat er ihn mit nüchternem Ergebnisfußball. Mathias Klappenbach

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