Sport : Bremer Bescheidenheit

Martin Breutigam

Im Duell zweier Mannschaften, die unlängst noch als Geheimtipp auf die Meisterschaft gehandelt worden waren, besiegte Werder Bremen den 1. FC Kaiserslautern mit 1:0. Doch in Bremen, so scheint es, hatte man nach zuletzt drei Niederlagen in Serie ohnehin nicht mehr vom Titel geträumt. Auch die Fans nicht, wie sich Mitte der zweiten Halbzeit zeigte, als via Anzeigetafel Dortmunds Führung in München übermittelt wurde: Der Jubelschrei im Weserstadion offenbarte, dass man weniger mit Spitzenreiter Dortmund konkurriert, sondern eher mit den Bayern.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Dieser Sinn für die Realitäten machte gestern den kleinen, aber entscheidenden Unterschied. In Kaiserslautern schielte man bislang zur Tabellenspitze, was Georg Koch, gestern überragender Torwart in einem schwachen Team, nervte. "Da reden einige von Meisterschaft und dann so was. So wie wir rumlaufen, werden wir am Ende sowieso wieder Achter oder Zehnter."

Ernüchternd zog auch Lauterns Trainer Andreas Brehme sein Resümee: "Wir waren zwar 90 Minuten auf dem Platz, aber ohne Gegenwehr. Werders Sieg ist hochverdient, das Ergebnis schmeichelt uns." Tatsächlich ließ das seltsam harmlose Spiel der Gäste lange Zeit keinen Torerfolg vermuten, doch in der vorletzten Spielminute wäre ihnen beinahe der Ausgleich gelungen. Allerdings konnte Werders Torwart Rost einen Kopfball von Lokvenc abwehren. So blieb das neunte Saisontor von Bremens Brasilianer Ailton die einzige genutzte Chance. Allein Kristian Lisztes stand nach cleveren Einzelleistungen in der ersten Halbzeit dreimal kurz vor dem Torerfolg, scheiterte aber zweimal an Koch. In der vierten Spielminute hatte er diesen sogar schon ausgespielt, als Lauterns Libero Hengen ihm doch noch den Ball wegspitzelte. Der schmächtige Ungar war am Tag des offiziellen, durchaus bewegenden Abschieds von Ex-Spielmacher Andreas Herzog wieder einmal einer der auffälligsten Bremer.

Beim Gegentor verloren die Lauterer nicht nur die Illusionen auf einen Punktgewinn, sondern auch einen Manndecker: Werders Marco Bode war auf Höhe des Elfmeterpunkts zum Kopfball hochgestiegen, ebenso die Lauterer Georg und Harry Koch. Nach heftigem Zusammenprall bekam jedoch keiner von ihnen den Ball unter Kontrolle. Und während Ailton den Ball ins leere Tor schoss, stürzte Harry Koch derart unglücklich über seine Namensvetter, dass er mit Verdacht auf Innenbanddehnung ausgewechselt werden musste.

Bremen konnte nach drei Niederlagen erstmals nach der Winterpause punkten. Was besonders Trainer Thomas Schaaf erfreute: "Wir haben wieder die Werder-Mannschaft des letzten Jahres gesehen." Kaiserslautern sei der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt gewesen: "Ein hochgelobtes Team, an dem man sich beweisen konnte."

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