Bronze nach neun Jahren : „Ich gewinne noch nach Karriereende“

Der spanische Kugelstoßer Manuel Martinez spricht im Interview über die Bronzemedaille, die er neun Jahre nach Olympia bekam.

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Manuel Martinez: "Unter freiem Himmel war ich so oft Vierter – es schien schon, als hätte ich Angst vor Medaillen gehabt."
Manuel Martinez: "Unter freiem Himmel war ich so oft Vierter – es schien schon, als hätte ich Angst vor Medaillen gehabt."Foto: dpa

Herr Martinez, fast neun Jahre nach den Olympischen Spielen 2004 erhalten Sie nachträglich die Bronzemedaille im Kugelstoßen. Darf man noch gratulieren?

Natürlich! Ich bin sehr glücklich. Das ist die wichtigste Medaille meiner Karriere, die eine, dir mir gefehlt hat. Ich habe vier EM- und WM-Medaillen gewonnen, aber alle in der Halle. Unter freiem Himmel war ich so oft Vierter – es schien schon, als hätte ich Angst vor Medaillen gehabt.

Ist die Freude so groß, wie sie direkt nach dem Wettkampf gewesen wäre?

Es ist schon anders. Das Gefühl ist nicht das gleiche, aber es ist trotzdem schön. Es kam eben nach und nach, ein Prozess mit immer neuen Nachrichten. Nach den Spielen in London gab es die ersten Gerüchte über einen Dopingfall im Kugelstoßen damals. Vorher hätte ich das nie erwartet.

Haben Sie schon Ihre Medaille?

Noch nicht. Ich bin gerade in Madrid, um meine Urkunde für den vierten Platz zurückzugeben. Vermutlich wird das ein längerer Prozess. Ich zweifele daran, dass sie Medaillen von den Spielen in Athen auf Lager haben. Ich schätze, erst müssen alle ihre Medaillen und Urkunden zurückgeben, bevor das Podium neu geordnet wird.

Gibt es schon einen Platz für die Medaille?

Meine ganzen Trophäen hat meine Mutter bei sich zu Hause. Aber ich habe schon einen speziellen Platz für das WM-Gold 2003 und den königlichen Sportorden. Olympiabronze fehlte noch fürs Podest.

Im Wettkampf ging es damals um wenige Zentimeter. Hatten Sie einen Verdacht, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging?

Ich erinnere mich noch, dass der Goldmedaillengewinner, Juri Bilonog aus der Ukraine, bei den Feierlichkeiten nicht sehr glücklich aussah. Aber gut, viele Menschen aus Osteuropa sind etwas kühler und lassen ihre Emotionen nicht so heraus. Er schien mir aber schon sehr ernst.

Wie ging es Ihnen?

Ich hatte sehr widersprüchliche Gefühle. Auf der einen Seite hatte ich eines der besten Ergebnisse meiner Karriere erreicht. Auf der anderen Seite war ich in guter Form, gut genug, um zu gewinnen. Es war schon ein harter Schlag.

Und jetzt gewinnen Sie nach Karriereende.

Ja, es ist fast wie bei einer berühmten historischen Figur in Spanien, El Cid. Der gewann auch noch Schlachten, nachdem er schon tot war. So ein bisschen ist es auch bei mir im Kugelstoßen.

Besser spät als nie.

Genau. Ich finde es auch eine gute Methode, die Urinproben aufzubewahren. So kann man einen Betrug verhindern, wie sie ihn vor über acht Jahren mit einer Substanz begangen haben, die damals noch nicht feststellbar war. Für den Kampf gegen Doping ist das wirklich gut.

Das Gespräch führte Dominik Bardow.

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