Sport : Brüchiger Bär aus weißem Porzellan

Sven Schmid holt die Trophäe beim Degen-Turnier in Berlin, dessen Zukunft ungewiss ist

Jörg Petrasch

Berlin - Nach dem siegreichen Finale lehnt Sven Schmid lässig an einem Getränkestand. Seine Waffe, den Degen, hat er gegen einen Plastikbecher Bier eingetauscht. Mit der Linken hält er den weißen Porzellan-Bären, auf den ab und zu ein paar Schweißperlen tropfen. „Ich bin jetzt völlig platt“, sagt der 29-Jährige vom FC Tauberbischofsheim. Nach 25 Gefechten in zwei Tagen gewinnt Schmid wie vor zwei Jahren das internationale Fecht-Turnier „Weißer Bär“.

Auf einer erhöhten Planche in der Mercedes-Niederlassung in Reinickendorf besiegte Schmid seinen Mannschaftskollegen Norman Ackerman am Sonntag mit 15:9. Bester Hauptstädter wurde Ulf Weidemann vom SC Berlin als 36ter.

„Von den Berlinern konnte wie immer keiner überraschen“, sagt Thomas Gerstmeyer. Trotzdem war der Präsident des Veranstalters FC Grunewald zufrieden mit dem Turnier. „Es ist gut gelaufen, das Publikum hat es gut angenommen.“ Rund 300 Zuschauer sahen die Finalkämpfe. Als der Ukrainer Vitaliy Medvedev gegen Schmid antrat, wurde es aus dessen Ecke etwas lauter. Im zweiten Halbfinale besiegte Ackermann Sascha Ludwikowski vom TSV Leverkusen.

Schmid, der zum 13. Mal in Berlin teilnahm, freute sich am Ende weniger über Autogrammwünsche und die 500 Euro Preisgeld als über die geholten Punkte. „Jeder Punkt führt einen Schritt zur nächsten WM“, sagte der Olympia-Dritte in der Mannschaft von 2004. Für den Sieg in Berlin bekommt er 20 Ranglistenpunkte – genauso viel wie für den nationalen Titel. Nur, dass er sich dabei nicht durch ein Feld von rund 250 Fechtern aus 22 Nationen kämpfen musste. „Die deutsche Meisterschaft ist leichter“, sagt Schmid, der daher auch die Wertigkeit des Weißen Bären höher einschätzt.

Das hört Gerstmeyer sicher gern. Denn der Weiße Bär muss sich seit Jahren gegen einen Berliner Konkurrenten behaupten. Beim Steglitz-Cup trifft sich die Weltelite der Florettfechter, vom Senat wird aber nur ein Turnier gefördert. Und das ist bisher immer der Weiße Bär gewesen. Nur durch die Ausfallsbürgschaft des Senats von 25 000 Euro kann dieses Turnier überhaupt stattfinden. Als 2004 in Berlin eine Haushaltssperre verhängt wurde, musste es ausfallen. Doch Gerstmeyer ist optimistisch, dass es weitergeht: „Alle wesentlichen Stellen haben die Wichtigkeit des Turniers bestätigt.“

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