Sport : Bundesliga 2000/2001: Die Tops und Flops der Saison

Lothar Matthäus
Erst die Trennung von Maren Müller-Wohlfahrt, dann der Rausschmiss bei den Metro Stars in New York. Ein Mann auf dem Weg nach unten. Plötzlich die Wende. Ein Anruf aus München. Ein Angebot. Lothar Matthäus sagt ja. Die Rettung. Ein Mann auf dem Weg nach oben. Matthäus führt Unterhaching vom Abstiegsplatz auf Platz zwei und in die Champions League. Er spielt wie ein junger Gott. Natürlich nicht mehr als Libero, sondern im Mittelfeld, weil er dort die "Luft zum Atmen hat". Miesepetrige Ärzte schreiben im "Focus", Matthäus sei gedopt oder von einem anderen Stern. Keiner glaubt ihnen. Lothars Ex-Frau Lolita verliebt sich wieder in ihn. Doch der will aus seiner Ein-Zimmer-Wohnung mit Außenklo in München-Hasenbergl nicht mehr ausziehen. Matthäus: "Ich bin ein Arbeiterkind. Ich schwitze, also bin ich."



Stefan Effenberg
Nach den ersten Spieltagen ist er noch Fußball-Gott. Er spielt auch so. Rudi Völler bietet Effenberg an, er werde vor ihm knien und betteln: Effe, bitte lieber Effe, komme zurück in die Nationalmannschaft. Doch Effenberg zeigt ihm nur den Mittelfinger. Plötzlich die Krise. Die "Süddeutsche Zeitung" findet heraus, dass Effenberg Rhetorik-Kurse nimmt. "Bild" spottet: "Effe - ein Intellektueller!" Der Star ist verwirrt, anstatt Pässe zu schlagen, überlegt er auf dem Platz, wie er hinterher in der Pressekonferenz verbal glänzen kann. Bayern verliert ein Spiel nach dem anderen. Effenberg lässt sich immer häufiger auswechseln, um seinen Sprach-Coach anzurufen. Er ist wie besessen. Sein neuer Lieblingssatz: "Das Spiel beruht auf einer Balance zwischen der Regel und ihrer Verletzung, zwischen Ordnung und Gewalt." Die Bayern feuern ihn.



Max Merkel
Udo hatte die Latte vor einem Jahr ja relativ hoch gelegt. Fünf Spieltage vor Saisonende hatte er bei Dortmund das Kommando übernommen und den BVB vor dem sicheren Abstieg bewahrt. "Rettung in letzter Sekunde" hieß es damals, und: das wäre nicht zu toppen. Irrtum. Max Merkel, der immer alles besser weiß, hat es in dieser Saison noch besser gemacht. Dieses Jahr hat Borussia Dortmund am letzten Spieltag Hans Krankl gegen Max Merkel ausgetauscht, und MM hat dem BVB den Klassenerhalt gesichert. 1:0 im letzten Match gegen Fixabsteiger Frankfurt. Merkel hat dabei auf eine eher ungewöhnliche Trainingsmethode zurückgegriffen. In der Vorbereitung war er bei keinem einzigen Training anwesend, stattdessen schrieb er in der Bild jeden Tag eine Dortmund-Kolumne. Titel: "Warum ihr Flaschen absteigt." Das hat offenbar gewirkt.



Die Talente
Sebastian Deisler ist schuld. Der 20-jährige Herthaner mit dem gewissen Gefühl im Fuß hat Schmetterlinge im Bauch. Er verliebt sich in eine Kreuzberger Rapperin mit türkisch-moldawischen Eltern. Die überredet "Basti Fantasti" mit seinem Namen Geld zu machen und eine Boy-Group zu gründen. Deisler kann zwar nicht singen, holt sich aber Bayern-Jungstar Roque Santa Cruz und Leverkusens Talent Michael Ballack in die Band. Gecoacht werden sie von Altstar Toni Polster, der auch seit einem Jahr keine Lust mehr auf Kicken hat. Die Leistungen der drei auf dem Platz nehmen rapide ab, dafür stehen die Groupies nach den Konzerten Schlange. Ex-Nationalstürmer Klinsmann versucht, die Abtrünnigen wieder für den Fußball zu begeistern: "Der Druck entlädt sich beim Torschuss. Ein Wahnsinnsfeeling. So ähnlich wie beim Sex ..." - Deisler: "Der spinnt."

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