Sport : Bundesliga ade - Arminia scheitert an der eigenen Courage

Die Angst der Mannschaft vor dem Sieg und die "tragische Doppelrolle" des Bruno Labbadia haben die wohl letzten Hoffnungen von Arminia Bielefeld auf den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga zunichte gemacht. Zunächst hatte der zuletzt viel gescholtene Labbadia die Ostwestfalen mit zwei Treffern gegen den Champions-League-Aspiranten TSV 1860 München auf die Siegerstraße geführt. Dann aber brachte ein von ihm verursachter, zweifelhafter Elfmeter die Mannschaft um den verdienten Erfolg.

"Elfmeter hin, Elfmeter her, die Mannschaft hat Angst und ist verunsichert", sagte Arminia-Trainer Hermann Gerland nach dem enttäuschenden 2:2 (2:0) - wohlwissend, dass der fünfte Abstieg aus dem Oberhaus kaum noch zu vermeiden ist. Seine Position ist jetzt wieder etwas schwächer geworden, nachdem er nach einer missglückten Spielerrevolte wieder fester im Sessel war.

Mehrere Profis, die von Labbadia angeführt worden sein sollen, haben sich vor wenigen Wochen massiv gegen den Trainer ausgesprochen und dessen Ablösung gefordert. Die Vereinsführung hate dies abgelehnt und damit die Position des als harter Trainer eingestuften Gerland gestärkt. Doch nun ist fraglich, ob die Verantwortlichen weiter in der bisherigen Form an dem Trainer festhalten werden, auch wenn aus der Führungsetage nach der Revolte die Botshaft kam: "Wir bleiben jetzt fest. Wir werden doch nicht alle sechs Wochen unsere Meinung ändern."

Während der Bielefelder Coach mit Unverständnis auf die passive Haltung seines Teams gegen einen keineswegs agileren Gegner reagierte ("Ich habe der Mannschaft doch nicht gesagt, sie soll nach dem 2:0-Vorsprung hinten bleiben"), war für die Spieler Schiedrichter Bernhard Zerr aus Ottersweier der Buhmann. "Das war nie und nimmer ein Elfmeter. Jeder hat doch gesehen, dass der Bruno ganz klar den Ball gespielt hat", betonte Mittelfeldspieler Markus Weissenberger stellvertretend für seinen wütenden Kollegen Labbadia, der sich öffentlich nicht zu dem umstrittenen Vorfall äußern wollte. Der Unparteiische, der den Bielefeldern zudem in der Schlussphase einen möglichen Handelfmeter verweigerte, erklärte auch nach Studium der Fernsehbilder: "Das war zwar eine schwierige Situation, aber aus meiner Sicht war es nun mal ein Strafstoß."

Die Münchener, denen der unauffällige Spielmacher Thomas Häßler per Elfmeter (80.) und Torjäger Martin Max (68.) mit seinem 13. Saisontreffer zum Punktgewinn verhalfen, konnten ihren vierten Tabellenplatz mit dem glücklichen Unentschieden zwar verteidigen. Die Leistung in der zweiten Halbzeit war allerdings längst nicht so gut wie sie Trainer Werner Lorant mit den Worten beschrieb: "So wie in der zweiten Halbzeit stelle ich mir unser Spiel vor." Es war weniger ein Aufbäumen der "Sechziger" als vielmehr die Unsicherheit des Gegners vor allem bei Standardsituationen. "Das 1:2 war dann die Initialzündung", sagte Torschütze Max.

"Löwen"-Präsident Karl-Heinz Wildmoser schraubte die Ansprüche trotz einer miserablen Vorstellung in der ersten Halbzeit gleich wieder hoch. "Wenn man die anderen Ergebnisse vom Wochenende betrachtet, ist unser Resultat ärgerlich. Wir hätten uns auch ein wenig absetzen können." Ungern erinnert man sich bei den Münchenern an die vergangene Saison, als die Mannschaft nach einer grandiosen Vorrunde, in der sie sogar auf Champions-League-Kurs war, die zweite Serie als schlechteste abschloss. Damals geriet auch Trainer Werner Lorant massiv in die Kritik, wurde aber von Wildmoser vehement verteidigt.

"Das kann uns nicht mehr passieren. Wir haben eine bessere Mannschaft und bessere Typen", betonte Trainer Werner Lorant, der sich auf keine Rechenspiele für einen internationalen Startplatz einlassen wollte. "Dann verliert man ein oder zwei Mal und dann ist die ganze Rechnerei dahin. Wir werden uns nur noch auf das jeweils nächste Spiel konzentrieren."

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