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Bundesliga am Sonntag : Hertha verliert 1:3 gegen Nürnberg - und hadert mit dem Schiedsrichter

Am Anfang ist die Freude bei Hertha BSC noch groß: Ramos bringt die Berliner gegen Nürnberg früh in Führung. Doch der "Club" dreht das Spiel und in der Schlussphase überschlagen sich schließlich die Ereignisse.

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Ein Mann geht in die Luft. Josip Drmic behauptet hier den Ball, später trifft er noch zweimal für Nürnberg. Foto: dpa
Ein Mann geht in die Luft. Josip Drmic behauptet hier den Ball, später trifft er noch zweimal für Nürnberg.Foto: dpa

Für gewöhnlich ist der Abgang eines Fußballschiedsrichters eine Randnotiz. Am Sonntagnachmittag aber, im Berliner Olympiastadion, waren alle Augen – und Ohren – auf Michael Weiner gerichtet. Nachdem er das Spiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Nürnberg abgepfiffen und sich auf den Weg in seine Kabine gemacht hatte, hinterließ er eine merkwürdige Bemerkung: „Alles super“, sagte er und grinste.

Man muss dazu wissen, dass sich kurz zuvor auf dem Rasen turbulente Szenen abgespielt hatten, die den Ausgang des Spiels maßgeblich beeinflussten. Und das zum bösen Nachteil der Berliner, die sich beim Stande von 2:1 für Nürnberg um einen Strafstoß und somit einer reellen Chance auf ein 2:2 gebracht sahen. Man könnte auch sagen, dass aus Berliner Sicht da nicht alles super gelaufen ist. Dass es in der Nachspielzeit noch einen Elfmeter für die Nürnberger gab, den Josip Drmic zum 3:1 (1:1)-Endstand verwandelte, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Zu der maßgeblichen Szene kam es, als Herthas Mittelfeldspieler Ronny aus prächtiger Entfernung, und nach einer eher unkonventionellen Rettungstat des Nürnberger Torwarts Raphael Schäfer außerhalb seines Strafraums, auf das Nürnberger Tor schoss. Dort nahm Nürnbergs Ondrej Petrak zur Verhinderung des 2:2 seine rechte Hand zur Hilfe, weshalb Schiedsrichter Weiner auf Platzverweis für den Nürnberger und Elfmeter für Hertha entschied. Nach einer kurzen Unterredung mit seinem Linienrichter korrigierte er allerdings die Entscheidung; Petrak blieb auf dem Feld, Hertha bekam den Strafstoß nicht zugesprochen. Das Spiel ging weiter und mündete in der zweiten Niederlage für die Berliner im zweiten Rückrundenspiel.

Natürlich entfachten sich nach Spielende hitzige Diskussionen. Leider trug Herr Weiner nicht zur Aufklärung bei, selbst Herthas Trainer Jos Luhukay, der nach dem Spiel noch am Spielfeldrand den Linienrichter ansprach, bekam von diesem nach eigener Aussage keine Auskunft. Nach allem, was in Erfahrung zu bringen war, soll der Linienrichter beim Schuss Ronnys ein Fehlverhalten von Adrian Ramos gesehen haben. Demnach hat Herthas Stürmer den Weg des zurücktrabenden Nürnberger Torhüters gekreuzt und so aus seiner eigentlich passiven Abseitsposition aktiv ins Geschehen eingegriffen. Weiner nahm also die Rote Karte gegen den Club-Spieler und den Strafstoß für Hertha zurück. Diese Sicht der Dinge bewertete Michael Preetz hinterher mit dem Wort „lächerlich“.

Hertha in der ersten Halbzeit höher führen können

Auf die Frage, wie er die strittige Situation gesehen habe, antwortete Herthas Manager: „Wie alle im Stadion: Rot und Elfmeter. Wenn der Schiedsrichter das anders gesehen hat, dann viel Spaß beim Anschauen der Fernsehbilder.“ Eine „ganz starke Leistung“ dagegen bescheinigte Raphael Schäfer dem Schiedsrichter. Als Ronny schoss, sei Ramos im Abseits gewesen, der dann aber „mich am Zurücklaufen hindert“. Nachdem sich die Gemüter halbwegs beruhigt hatten, äußerte sich Gertjan Verbeek zum Tathergang. „So wie ich es gesehen habe, hätte Raphael nie an den Ball kommen können. Das war eine glückliche Entscheidung“, sagte der Nürnberger Trainer. Sein niederländischer Landmann Jos Luhukay hingegen mochte sich nicht mehr mit den Wirrwarr herumärgern. „Schiedsrichter sollten ein Spiel leiten, und nicht zum Hauptdarsteller werden“, sagte Herthas Trainer, der seine Mannschaft nun rasch wieder aufrichten will: „Die Punkte sind weg.“

Seiner Meinung nach hätte seine Mannschaft sich in der ersten Halbzeit einen deutlichen Vorsprung herausschießen können, wenn nicht gar müssen. Nach der schnellen Führung durch das zwölfte Saisontor von Adrian Ramos, boten sich den Berlinern vor 37 438 Zuschauern vier weitere hervorragende Einschussmöglichkeiten. Zwei davon vergab Ramos aus jeweils verheißungsvoller Position, einmal scheiterte Sami Allagui an Schäfer und schließlich klärte der Nürnberger Javier Pinola einen Schuss von Marcel Ndjeng vor der Torlinie. Auf der Gegenseite nutze der Nürnberger Markus Feulner eine zu kurz geratene Abwehr von Johannes van den Bergh zum zwischenzeitlichen 1:1. „Wir haben aus unseren Möglichkeiten in der ersten Halbzeit kein Kapital geschlagen, das ärgert mich“, sagte Luhukay.

Im zweiten Spielabschnitt hatte das Spiel beider Teams nur noch wenig Struktur und Fluss, zudem wurde es ruppiger. Allein Ronny boten sich in kurzer Folge vier, fünf Freistoßmöglichkeiten; nicht einen brachte er aufs Tor. Nürnberg kontrollierte längst das Spiel und war durch Tempogegenstöße gefährlicher. Wie Mitte der zweiten Halbzeit, als Hertha den Ball im Mittelfeld verlor und der Club schnell umschaltete. Daniel Ginczek traf zunächst nur den Pfosten, den Abpraller aber versenkte Drmic zum 2:1. Konstruktives gelang den Berlinern hernach nicht mehr, mal abgesehen von der eingangs beschriebenen Szene, in der sie dem Ausgleich und möglichen Punktgewinn so nahe waren. Verdient hätten sie es gehabt, aber auch dann wäre längst nicht alles super gewesen. Und das hatte mal nichts mit dem Schiedsrichter zu tun.

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