Bundesliga : Bayerischer Umbau

Trainersuche und Diskussionen um Ribéry: Wie Bayern München versucht, die Saison zu retten:

Sebastian Krass[München]

Jupp Heynckes entfuhr ein kurzer, etwas irritierter Lacher – etwa so, als habe man ihn gerade um einen Beitrag zur Debatte über die Relativitätstheorie gebeten. Dabei war die Frage naheliegend. Schließlich hatte Uli Hoeneß ja erst Anfang der Woche verkündet, er werde Heynckes um Rat ersuchen bei der Trainerfrage. Also: Hat Hoeneß Sie schon konsultiert? Heynckes lachte und sagte dann: „Es geht jetzt erst einmal um vier Wochen und fünf Spiele, sonst um gar nichts.“

Doch so einfach ist das nicht. Denn diese vier Wochen mit fünf Spielen werden nicht nur vom Bundesliga-Endspurt geprägt sein, sondern auch mindestens genauso von der Frage, was danach kommt. Die Spekulationen konkretisieren sich. Nicht nur der „Kicker“ berichtet, dass Louis van Gaal erster Kandidat für den Trainerposten sei. Der knorrige Niederländer hat gerade AZ Alkmaar zur niederländischen Meisterschaft geführt und will wohl mit 57 Jahren noch einmal höhere Aufgaben übernehmen. Er selbst hatte kürzlich verlauten lassen, sich ein Engagement bei Vereinen „wie Real Madrid oder dem FC Bayern“ vorstellen zu können. Darüber hinaus soll Christian Nerlinger, der erst von Klinsmann als Teammanager eingestellt wurde und dann am Beschluss zu dessen Entlassung beteiligt war, im kommenden Jahr die sportliche Verantwortung von Manager Uli Hoeneß übernehmen. Nerlinger könnte demnach einen Fachmann für Marketing und Sponsoring zur Seite gestellt bekommen.

Von unmittelbarer sportlicher Relevanz für den Rest der Saison und somit auch von Interesse für Jupp Heynckes dürfte hingegen die nächste Personalie sein: die Personalie Franck Ribéry. Die Körpersprache des Franzosen auf dem Platz offenbart gesteigertes Desinteresse. Es wirkt, als sinke seine Motivation, in München zu bleiben, minütlich. Außerdem fabuliert er weiter öffentlich über einen Abschied. Im Winter hatte Ribéry bereits mit mehreren Aussagen gewaltige Unruhe gestiftet – bis er irgendwann ankündigte, sich vorerst zu seiner Zukunft nicht mehr äußern zu wollen. Doch nun zitiert ihn „L’Equipe“ mit den Worten: „Es wäre schwer für mich zu bleiben, wenn wir nicht unter die ersten zwei kommen.“ Nun, da er gerade seine erste Saison in der Champions League hinter sich hat, will er die Gewissheit haben, künftig immer auf dieser Bühne zu spielen. Und die kann ihm Bayern derzeit nicht bieten.

Da passt die Kunde, die am Freitag aus Spanien nach Deutschland drang. Die in Barcelona ansässige Sportzeitung „El Mundo Deportivo“ berichtet, Ribérys Berater habe sich mit Vertretern des FC Barcelona auf Ibiza getroffen und dabei folgende Lösung ausgeheckt: Ribéry wechselt nach Katalonien, im Gegenzug überweist Barcelona 25 Millionen Euro Ablöse an den FC Bayern und überlässt ihm zudem Mittelfeldspieler Aleksandar Hleb. Der Weißrusse ist seit einem knappen Jahr in Barcelona, bekommt aber nur geringe Einsatzzeiten. Die Bayern haben Hleb schon seit Jahren auf der Beobachtungsliste. Nun, da die Karriere des 28- Jährigen in Barcelona einen Knick bekommen hat, wäre ein Schritt zurück, also in die Bundesliga, durchaus plausibel.

Ähnliche Probleme wie Hleb hat Michael Rensing. Der von Jürgen Klinsmann zur Nummer zwei degradierte Torhüter trägt sich mit Abschiedsgedanken, sollte er kommende Saison nicht in verantwortlicher Position eingeplant werden. „Nummer zwei will und werde ich definitiv nie mehr sein“, sagte Rensing dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. Auch für ihn geht es um mehr als die nächsten vier Wochen und fünf Spiele.

Mit dem ersten Auswärtssieg der Saison hat sich Hannover 96 den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga nahezu gesichert und den VfL Bochum in große Abstiegsnot gestürzt. Die Niedersachsen gewannen am Freitag zum Auftakt des 30. Spieltages 2:0 (2:0) in Bochum und haben mit 35 Punkten nun zehn Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz 16. Arnold Bruggink (12.) und Hanno Balitsch (32.) trafen schon vor der Pause zweimal mit dem Kopf. Mit starken Paraden sicherte Hannovers Nationaltorwart Robert Enke in der Schlussphase den Sieg seiner Mannschaft, als Bochum mehrere gute Chancen hatte.

Bochum startete vor 26 072 Zuschauern zwar stürmisch in das „Spiel des Jahres“ (Mittelfeldspieler Daniel Imhof) und hatte durch Mimoun Azaouagh auch die erste Torchance (4.) – es sollte allerdings die letzte vor dem Seitenwechsel bleiben. Acht Minuten später konnte Jacek Krzynowek auf der linken Seite ungestört flanken und der Niederländer Bruggink ebenso unbehelligt einköpfen. 1:0 für Hannover. Auch beim 2:0 leistete Bochums Hintermannschaft ungewollt Hilfestellung. Nach einem Eckball von Bruggink stieg Balitsch zum Kopfball hoch und überwand VfL-Schlussmann Daniel Fernandes erneut. Weitere gute Chancen vergaben Sergio Pinto (26.), Mike Hanke (31.) und Jiri Stajner (38.).

VfL-Trainer Marcel Koller reagierte noch vor dem Pausenpfiff und brachte Vahid Hashemian für den enttäuschenden Paul Freier. Die Bochumer Fans quittierten den Auftritt ihrer Mannschaft beim Gang in die Kabine mit einem lauten Pfeifkonzert.

Nach dem Wechsel wurden die Einheimischen stärker und erarbeiteten sich endlich auch gute Torchancen, scheiterten aber immer wieder am überragenden Enke. Der Nationaltorhüter brachte vor allem Hashemian zur Verzweiflung. Der Iraner scheiterte zweimal (64./75.) an Enke, einmal stand der Pfosten im Weg. Auch gegen Azaouagh (80.) war Hannovers Kapitän zur Stelle und lenkte den Heber zur Ecke. Damit hatte Bochum seine letzte Chance vergeben. dpaVFL BOCHUM]

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