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Bundesliga : Hertha BSC der Europa League ganz nah

Es geht auch auswärts: Hertha BSC besiegt Darmstadt und steht kurz vor der Qualifikation zur Europa League.

Der Berliner Jordan Torunarigha (r) jubelt in Richtung Trainerbank, nachdem er das 0:2 erzielte.
Der Berliner Jordan Torunarigha (r) jubelt in Richtung Trainerbank, nachdem er das 0:2 erzielte.Foto: dpa

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Allan Rodrigues de Souza machte einen auf Bernd Schuster. Im Bundesliga- Spiel von Hertha BSC beim SV Darmstadt 98 lief am Samstagnachmittag die 48. Minute, als dem Brasilianer in Diensten der Berliner ein Geistesblitz überkam. Tief in der eigenen Hälfte stehend hob er den Kopf und bemerkte: Der Kollege gut 50 Meter weiter, namentlich 98- Keeper Daniel Heuer Fernandes, steht doch viel zu weit vor seinem Tor, ist das nicht eine herrliche Einladung? Also zog Allan einfach mal ab, der Ball war lange in der Luft unterwegs – und senkte sich doch ganz knapp neben das Tor. Herthas Mittelfeldspieler quittierte die Aktion grinsend und mit unmissverständlichem Handzeichen: War das knapp!

Allan konnte den Fall auch deshalb mit Humor nehmen, weil zu diesem Zeitpunkt längst alles entschieden war. Im Fernduell um die Europapokalplätze führten die Berliner beim designierten Abstieger mit 2:0 und machten nicht im Ansatz den Anschein, dass sie sich diesen Vorsprung noch nehmen lassen würden. Am Ende stand dann auch ein ungefährdeter und hochverdienter Sieg für die Mannschaft von Trainer Pal Dardai, die damit eine geradezu unglaubliche Auswärtsmisere beendete: Nach zuletzt neun Niederlagen in Folge brachten die Berliner endlich mal wieder drei Punkte von einem Spiel in der Fremde mit. Der Sieg war besonders wertvoll, weil die Konkurrenz um die Europapokalplätze in den Parallelspielen strauchelten: Werder Bremen unterlag der TSG Hoffenheim. der SC Freiburg spielte nur Remis gegen Ingolstadt.

Im Vergleich zum 1:4 gegen RB Leipzig vor einer Woche veränderte Trainer Pal Dardai seine Anfangsformation auf vier Planstellen: Für John Anthony Brooks, Sebastian Langkamp (jeweils fünfte Gelbe Karte), Per Skjelbred (Oberschenkelzerrung) und Valentin Stocker (nicht im Kader) durften Niklas Stark, Marvin Plattenhardt, Allan und Genki Haraguchi von Beginn an mitwirken.

Hertha in der ersten Hälfte souverän

Dass die Gäste damit ohne ihre nominell beste Innenverteidigung aufliefen, machte sich allerdings nicht negativ bemerkbar, im Gegenteil: Hertha trat in der ersten Halbzeit sehr souverän und seriös auf, ließ kaum Gelegenheiten zu und wagte sich alsbald in des Gegners Hälfte: Nach einem ersten Warnschuss durch Vladimir Darida finalisierte Salomon Kalou den zweiten Berliner Angriff des Nachmittags zur Führung: Nach Vorlage von Darida setzte sich der Ivorer im Luftduell gegen zwei Darmstädter durch und köpfte aus sieben Metern zum 1:0 ein.

Das frühe Führungstor gab den Gästen, die in fünf ihrer letzten sechs Auswärtsspiele ohne eigenen Treffer geblieben waren, spürbar Sicherheit und Vertrauen in das eigene Tun. So erhöhten sie nach einer knappen halben Stunde auf 2:0: Marvin Plattenhardt flankte in den Strafraum auf Jordan Torunarigha, der sich am langen Pfosten davongestohlen hatte und aus Nahdistanz vollendete. Für den 19 Jahre alten Verteidiger war es das erste Bundesliga-Tor im zehnten Einsatz, entsprechend ausgelassen fiel sein Jubel aus.

Nach dem Seitenwechsel war Allans Distanzschuss lange Zeit die spektakulärste Aktion. Hertha verwaltete seinen Vorsprung souverän, wobei die Darmstädter ihrerseits ein wenig mutiger agierten und häufiger den Weg aus der eigenen Hälfte suchten. Nach einer Stunde musste Torhüter Rune Jarstein sein ganzes Können aufbringen, um den Anschlusstreffer zu verhindern: Innerhalb weniger Sekunden parierte der Norweger sowohl gegen Jan Rosenthal als auch gegen Aytac Sulu. Auf der Gegenseite hätte Salomon Kalou die Berliner Führung ausbauen können, wenn nicht sogar müssen: eine Darida-Flanke klärte Darmstadts Schlussmann Heuer Fernandes zunächst halbherzig, so dass der Ball bei Kalou landete, der volles Risiko ging, mit seinem Fallrückzieher aber nur die Latte traf. Allerdings hätte der Treffer ohnehin nicht gezählt, weil Vedad Ibisevic und Genki Haraguchi im Abseits standen.

Trotzdem konnte sich Trainer Pal Dardai in den Schlussminuten den Luxus erlauben, seine Talente einzuwechseln. So sammelten Florian Baak und Arne Maier jeweils knapp zehn Minuten Bundesliga-Spielpraxis. (Tsp)

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