Bundesliga : Hertha spielt Stuttgart an die Wand

Die Berliner Hertha - in der letzten Woche noch als Abstiegskandidat gehandelt - hat den Befreiungsschlag geschafft und Meister VfB Stuttgart mit 3:1 besiegt. Die Tore erzielten erneut die bekannten Leistungsträger.

Claus Vetter[Stuttgart]
Pantelic
Marko Pantelic ebnete mit zwei Treffern den Weg zum Sieg der Herthaner. -Foto: ddp

Armin Veh und Lucien Favre hatten sich viel zu erzählen. Als sich die Mannschaften der beiden Fußballtrainer gestern auf dem Rasen des Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadions auf ihr Bundesligaspiel vorbereiteten, trafen sich der Trainer des gastgebenden VfB und von Hertha BSC zu einem ausführlichem Plausch an der Seitenlinie. Favre wirkte dabei aktiver, sagte mehr als sein Stuttgarter Kollege. Das passte dann erstaunlicherweise auch zum folgenden Spiel, in dem die Herthaner aufgeweckter wirkten als ihre Gegenspieler und dafür belohnt wurden: Die Berliner gewannen 3:1 (2:1) beim Deutschen Meister. Für Hertha war es erst der zweite Auswärtssieg der Saison nach dem 2:1 in Duibsurg am 16. September 2007 und ein besonders wertvoller Erfolg, der den Berlinern nach ihrer Krise in der Tabelle wieder etwas Luft nach unten verschafft.

Man kann Lucien Favre in dieser Saison einiges vorwerfen, nur eines nicht: Dass der Trainer von Hertha BSC kein Freund von Experimenten wäre. Gestern überraschte der Schweizer mit einer Aufstellung, in deren Defensive eine von Malik Fathi, Josip Simunic und Arne Friedrich gebildete Dreierkette ihre Arbeit verrichten sollte. Das verstärkte Mittelfeld ließ dann eine etwas offensivere Ausrichtung zu. Und tatsächlich ging bei den Berlinern im Spiel nach vorn einiges.

Dieter Hoeneß hatte im Vorfeld von seinen Spielern „Einsatz und Courage“ gefordert, da kam der Berliner Manager am Sonnabend voll auf seine Kosten. Die Berliner hatten ihre Chancen, wobei zunächst ein von Patrick Ebert aus 20 Metern getretener Freistoß die beste Möglichkeit war: Sven Ulreich – anstelle von Raphael Schäfer im Stuttgarter Tor – lenkte den Ball nur mit Mühe zur Ecke. Wenig später war Ulreich dann ohne Abwehrchance. Marko Pantelic düpierte den im Strafraum ehrfurchtsvoll staunenden Stuttgarter Andreas Beck mit einem schönen Trick und verwandelte dann mit einem Flachschuss ins linke lange Eck.

Hertha führte 1:0, das war ein für die Berliner in dieser Saison auswärts selten erlebtes Gefühl. Und es sah lange nicht so aus, als sollten die Stuttgarter den Berliner Strafraum ernsthaft in Gefahr bringen. Der Meister bot den 50 000 Zuschauern wenig. Der VfB zauderte viel zu sehr, erspielte sich wenig Chancen. Es musste schon ein Freistoß her, um den Schwaben den Ausgleich zu ermöglichen. Glück hatte der VfB dabei auch noch: Erst trat Cacau den Ball in die Berliner Mauer, dann schlug er den abprallenden Ball lang in den Strafraum, wo ihn dann Mario Gomez mit dem Kopf ins Tor beförderte. Jaroslav Drobny im Berliner Tor war ohne Abwehrchance. Allzu lange freuten sich die Anhänger der Schwaben allerdings nicht über den Ausgleichstreffer, denn nur wenig später brachte Pantelic Hertha erneut in Führung. Nach einem Pass von Arne Friedrich schob der Serbe den Ball durch die Beine von Ulreich ins Stuttgarter Tor zum 2:1 für Hertha.

Besonders die beiden während der Winterpause nach Berlin gekommenen Gojko Kacar und Rudolf Skacel hinterließen gestern in Stuttgart einen guten Eindruck. Dem Brasilianer Raffael – vom FC Zürich zur Hertha geholt – ließ sich dagegen zunächst nur ineffektives Bemühen attestieren, was sich aber mit Beginn der zweiten Halbzeit schlagartig änderte. Da hämmerte Raffael einen Schuss zum 3:1 ins rechte obere Eck des Stuttgarter Tors und zeigte, dass er für die Berliner noch eine wertvolle Verstärkung werden könnte. Nach Raffaels Tor war der Mut des bieder spielenden Meisters dahin.

Hertha hatte sogar noch Möglichkeiten, das Ergebnis in ganz klare Dimensionen zu schrauben. Allein Pantelic war zwei Mal davor, auch noch seinen zehnten Saisontreffer zu erzielen. Doch es blieb beim 3:1 für die Berliner, die gestern in Stuttgart in jeder Hinsicht überraschten – in der Krise steckt nun der Meister, bei dem Matthieu Delpierre noch Gelb-Rot sah.

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