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Bundesliga im Blog : Berti Vogts oder wieder Huub Stevens: Wer wird Trainer beim VfB Stuttgart?

Der Tabellenletzte braucht einen Mann mit Erfahrung. Außerdem in unserem Blog: Der Rücktritt von Armin Veh, die Situation bei Hertha BSC und die Not der Traditionsklubs.

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Ist Berti Vogts ein Kandidat für den VfB Stuttgart?
Ist Berti Vogts ein Kandidat für den VfB Stuttgart?Foto: Imago

16:40 Uhr: Wer bietet mehr Erfahrung? Nachdem Sport 1 berichtet hat, Berti Vogts sei Kandidat für den Trainerposten beim VfB Stuttgart, zieht Sky jetzt mit Huub Stevens nach. Dahinter wäre zumindest ein System zu erkennen. Denn dass Stevens Erfahrung im Abstiegskampf hat, hat er in der vergangenen Saison bewiesen - als er den VfB im März auf Platz 15 übernahm und mit der Mannschaft den Klassenerhalt schaffte. Vielleicht bekommt er ja jetzt bei den Stuttgartern einen Vertrag bis zum Saisonende.

15:40 Uhr: Aus gegebenem Anlass ein paar generelle Gedanken zur Situation beim VfB Stuttgart. Der Klub ist gemeinsam mit dem Hamburger SV derzeit der Bundesligist mit der größten Fluktuation auf dem Trainerposten. Seitdem Armin Veh im Herbst 2008, nur gut 18 Monate nach dem Gewinn des Meistertitels, erstmals gehen musste, hat der VfB sieben Cheftrainer beschäftigt; Vehs Nachfolger wird zugleich sein Nach-Nach-Nach-Nach-Nach-Nach-Nachfolger sein. Im Schnitt liegt die Verweildauer der Trainer beim VfB damit unter einem Jahr. Das ist sowohl Symptom als auch Ursache der sportlichen Krise.
Bei der Besetzung des Trainerpostens, des vermutlich wichtigsten im gesamten Verein, hat der VfB zuletzt jegliche Linie vermissen. Der Verein hat alles probiert: alte Haudegen wie Giovanni Trapattoni engagiert, Huub Stevens oder auch Armin Veh; er hat es mit jungen Leuten aus dem eigenen Nachwuchs probiert, die mit den jungen Leuten aus dem eigenen Nachwuchs das Konzept der „Jungen Wilden“ wiederbeleben sollten. Im Grunde haben sich erfahrene Recken und hoffnungsvolle Berufsanfänger abgewechselt - nachhaltiger Erfolg aber hat sich weder mit den einen noch den anderen eingestellt. Inzwischen sind die Stuttgarter wieder an einem Punkt angelangt, an dem sie sich so etwas wie eine langfristig angelegte Philosophie nicht mehr leisten können. Sie müssen jetzt erst einmal kurzfristig ihre sportliche Existenz sichern, sprich den Verbleib in der Bundesliga.

Deshalb suchen sie jetzt wieder mal einen Trainer mit Erfahrung, der sich mit einer solchen Krisensituation auskennt und die Mannschaft vor dem Abstieg bewahrt. Wenn er der Mannschaft dabei auch noch eine klare fußballerische Linie verpasst - umso besser. Aber wer soll das sein? Der erste Name, der bisher genannt wird, ist der von Berti Vogts, der vor kurzem als Nationaltrainer von Aserbaidschan zurückgetreten ist. Präsident Wahler hat den Namen zumindest nicht dementiert. Vogts, fast 68 Jahre alt, bringt viel Erfahrung mit, allerdings nur wenig in der Bundesliga. Genau die aber ist im Moment für den VfB Stuttgart unerlässlich.

15:00 Uhr: Mit Verweis auf den aufmerksamen Kollegen Holger Schmidt vom SID. Berti Vogts war schon vor ein paar Wochen beim VfB Stuttgart im Gespräch, damals als Nachfolger von Fredi Bobic für den Posten des Sportdirektors. Seine Antwort darauf: "Mit Stuttgart verbindet mit nichts bis auf das Auto, das ich fahre." Nachzulesen in der Rheinischen Post.

14:45 Uhr: Neues zum Thema Traditionsvereine in Not. Borussia Dortmund verortet sich wohl selbst im Abstiegskampf. Zumindest klingt die Rhetorik der Verantwortlichen schon verdächtig nach Abstiegskampf. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat von den Spielern des Vereins „Blut, Schweiß und Tränen“ gefordert. Die Mannschaft dürfe nicht nur in der Champions League und den Topspielen der Bundesliga höchste Leistungen abliefern, sagte Watzke laut Deutscher Presseagentur am Montag bei der Aktionärsversammlung. Wer, wie in der zweiten Halbzeit beim 2:2 gegen Paderborn, im Verwaltungsmodus spielen wolle, sei Fehl am Platz. 

13:33 Uhr: Die Pressekonferenz in Stuttgart ist beendet, das Kapitel Veh beim VfB auch. Der 53-Jährige verzichtet auf viel Geld. "Er ist auch in dieser Hinsicht ein Gentleman", sagt Präsident Wahler. "Geld ist hier kein Faktor." Der Vertrag wurde aufgelöst.

13:30 Uhr: Die originelle Lösung für alle Probleme: Armin Veh wird Sportdirektor beim VfB, übernimmt den Posten, der seit der Freistellung von Fredi Bobic vakant ist: "Das können wir uns ja noch überlegen", sagt er. Ist allerdings nur ein Scherz.

13:26 Uhr: Wie es für ihn weitergeht, "weiß ich nicht", sagt Armin Veh. "Ich hab' jetzt nix geplant."

13:25 Uhr: Was muss Vehs Nachfolger mitbringen? Erfahrung im Abstiegskampf. "Priorität ist, dass wir erstklassig bleiben", sagt Präsident Wahler. Gleichzeitig solle der neue Trainer aber auch das Spiel des VfB voranbringen, schließlich verfüge der Klub über einen Kader, "der Potenzial hat". Die Suche soll mit der nötigen Sorgfalt betrieben werden, aber auch "so schnell wie möglich" zum Abschluss kommen. Der erste Name, über den spekuliert wird, ist Berti Vogts. Dass der neue Mann schon am Freitag in Freiburg auf der Bank sitzt, ist laut Manager Jochen Schneider "nicht ausgeschlossen".

13:20 Uhr: Manager weg, Trainer weg - aber der Präsident bleibt. "Ich stelle mich der Aufgabe", antwortet Bernd Wahler auf die Frage, ob er ebenfalls an einen Rücktritt denke. Der Klub fokussiere sich jetzt darauf die bestmögliche Lösung für die Trainerposition zu finden.

13:15 Uhr: Der VfB spielt schon am Freitag beim VfB Stuttgart. Für diese Begegnung wird es eine Interimslösung auf der Trainerbank geben. Vehs Co-Trainer Armin Reutershahn und Reiner Geyer sollen die Mannschaft auf das wichtige Auswärtsspiel vorbereiten.

13:11 Uhr: Bauch schlägt Kopf. So konsequent wie Veh sind in der Fußballbranche wenige. Bei einem Rücktritt verliert man schließlich viel Geld. Aber Veh hat diese Entscheidung nicht aus rationalen Gründen oder mit Berechnung getroffen. "Ich bin ein Gefühlsmensch, was das anbelangt", sagt er. Dann kommen ihm die Tränen.

Armin Veh ist als Trainer beim VfB Stuttgart zurückgetreten.
Armin Veh ist als Trainer beim VfB Stuttgart zurückgetreten.Foto: AFP

13:07 Uhr: Armin im Unglück. Veh fühlte sich beim VfB vom Pech verfolgt. In knappen Situationen sei es häufig gegen den VfB gegangen. "Das nötige Glück gehört dazu", sagt er. "Als sportlich Verantwortlicher habe ich das auf mich projiziert." Mit seinem Rücktritt verbindet Veh die große Hoffnung, "dass es jetzt besser wird".

13:05 Uhr: Bernd Wahler, der Präsident des VfB Stuttgart, berichtet, was nach der 0:1-Niederlage gegen Augsburg passiert ist. Bis in die tiefe Nacht habe man miteinander gesprochen und versucht, Veh noch umzustimmen. Als Hauptgrund für den Rücktritt des Trainers bezeichnet der VfB-Präsident, dass das Momentum nicht mehr auf Vehs Seite gewesen sei.

13 Uhr: Die Pressekonferenz in Stuttgart hat begonnen. Armin Veh sitzt mit auf dem Podium.

12:55 Uhr: Um 13 Uhr will sich der VfB Stuttgart in einer Pressekonferenz zum Rücktritt von Armin Veh äußern. Dass er gleich einen Nachfolger präsentiert, ist nicht zu erwarten. Das Modell, es mit einem Ex-Trainer des VfB zu probieren, hat sich nicht unbedingt bewährt. Sonst fielen uns noch ein paar Kandidaten für das Traineramt beim VfB ein, die derzeit sogar verfügbar wären: Jürgen Röber, Huub Stevens, Jens Keller, Bruno Labbadia und Giovanni Trapattoni.

12:20 Uhr: Vermutlich kann man Armin Veh vieles vorwerfen - eins aber ganz sicher nicht: dass er sich selbst untreu wird. Mit Rücktritten hat der Mann seine Erfahrungen. 2001 ist er beim SSV Reutlingen zurückgetreten, 2003 bei Hansa Rostock und jetzt beim VfB Stuttgart. Dass er sich in diesem Sommer gegen eine Vertragsverlängerung bei Eintracht Frankfurt ausgesprochen hat, geht zumindest als halber Rücktritt durch. In diesem Zusammenhang sei noch einmal die Begründung für seinen Weggang aus Frankfurt zitiert: Er habe keine Lust mehr, den gegnerischen Trainern immer zum Sieg zu gratulieren. Kein Wunder, dass er jetzt unbedingt vom VfB Stuttgart weg wollte.

Jens Hegeler (l.) feiert den Torschützen Roy Beerens.
Jens Hegeler (l.) feiert den Torschützen Roy Beerens.Foto: dpa

12 Uhr: Peter Stöger, der Trainer des 1. FC Köln, hat vor dem Duell mit Hertha BSC von einem kleinen Big-Point-Spiel gesprochen. Den kleinen Big Point sicherte sich dann aber nicht seine Mannschaft, sondern die der Gäste aus Berlin. Das durchaus glückliche 2:1 war der erste Auswärtssieg für Hertha seit neun Monaten (2:1 beim VfB Stuttgart). Nicht nur deshalb nimmt das Spiel für die Berliner im bisherigen Lauf der Saison eine wichtige Rolle ein. Es war für den Klub und seine leidgeprüften Fans ein wertvoller Hinweis darauf, dass der Lauf nach unten nicht ewig weitergeht.

Natürlich hängt der Erfolg im Abstiegskampf immer auch von der Qualität des Teams ab, hinzu kommt aber – das zeigt die Erfahrung – eine psychologische Komponente, die nicht zu unterschätzen ist. Wenn es erst einmal nicht läuft, dann auch richtig. Hertha hat das in den vergangenen Wochen zur Genüge erlebt, mit immer neuen Verletzungen zum Beispiel. Deshalb passt der Verlauf des Spiels in Köln auch nicht ins gewohnte Schema. Gerade das sollte den Berlinern trotz des schweren Restprogramms bis zur Winterpause Hoffnung machen, dass man in dieser Saison nicht wieder mit dem Schlimmsten rechnen muss. Während die Kölner beim Stand von 1:1 die Latte trafen, trudelte ein harmloser Freistoß von Marcel Ndjeng von der Brust des Kölner Stürmers Anthony Ujah ins Netz. „Das war ein unglaublich wichtiger Sieg, der uns einen kleinen Schub geben kann“, sagte Jens Hegeler, der am Samstagabend eine Art Symbolfigur für den Erfolg der Berliner war.

Hegeler kam im Sommer aus Leverkusen, war nach langer Verletzung offensichtlich noch nicht fit und ist für seine wenigen Auftritte – vorsichtig ausgedrückt – eher belächelt worden. Gegen Köln in seiner Heimatstadt Köln überzeugte der Mittelfeldspieler nun in ungewohnter Rolle – als Innenverteidiger. Unser Stück zu Hegeler finden Sie hier.

11:41 Uhr: Bei kontroversen Themen wie Tradition vs. Retorte akzeptieren wir auch abweichende Meinungen, zum Beispiel diese von HJF via Twitter: "Der Sportjournalismus ist in Not, nicht die BL: zu >90% selbstverliebte, inkompetente, journalist.unseriöse Typen." Na gut, wir zählen uns - in aller Bescheidenheit - natürlich zu den <10%.

11:35 Uhr: Das lässt Armin Veh zu seinem Rücktritt verbreiten: "Dieser Schritt ist mir sehr schwer gefallen, weil mir der Verein und die Mannschaft am Herzen liegen. Letztlich musste ich aber so handeln, weil ich von der Richtigkeit dieses Schritts überzeugt bin. Die Mannschaft ist besser als der Tabellenplatz, neun Punkte aus zwölf Spielen sind einfach zu wenig. Dafür bin ich verantwortlich. Uns und mir fehlte einfach auch das notwendige Quäntchen Glück in vielen knappen Spielen. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft schon bald wieder punkten wird. Ich danke der Vereinsführung, insbesondere dem Präsidenten, für das mir entgegengebrachte Vertrauen. Und es ist mir ein besonderes Anliegen, mich bei den Fans zu bedanken. Sie haben uns phantastisch unterstützt." Hört sich immerhin so an, als müsste der VfB nicht auch noch eine hohe Abfindung zahlen.

11.14 Uhr: Das passt zum Thema Traditionsvereine in Not. Der VfB Stuttgart vermeldet per Twitter: Armin Veh hat seinen sofortigen Rücktritt als Cheftrainer des VfB erklärt. Der Trainer des Meisterjahres 2007 war erst im Sommer nach Stuttgart zurückgekehrt. Nach der Entlassung von Manager Fredi Bobic muss der Tabellenletzte der Bundesliga nun seine komplette sportliche Führung neu besetzen.

10 Uhr: „RB Leipzig wieder auf Aufstiegskurs“, hat die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag vermeldet. 4:1 siegten die Rasenballsportler gegen den FC St. Pauli (Traditionsklub). Immerhin: Der FC Ingolstadt kassierte in der Zweiten Liga gegen den 1. FC Nürnberg (Traditionsklub) seine erste Saisonniederlage. Und trotzdem: Für die Traditionalisten und Nostalgiker unter den Fußballfans wird die Schreckensvision immer realer: eine Bundesliga, die fast zur Hälfte aus Retorten- und Plastikklubs besteht. Das liegt nicht nur an Leipzig und Ingolstadt, die realistische Chancen auf den Aufstieg haben, es liegt auch an der Schwäche der Traditionsklubs in der Bundesliga.

Am Ende deren Tabelle liegen (von unten nach oben): der VfB Stuttgart (fünf Meistertitel, 49 Jahre Bundesligazugehörigkeit), Werder Bremen (vier Meistertitel, 50 Jahre Bundesligazugehörigkeit), Borussia Dortmund (acht Meistertitel, 47 Jahre Bundesligazugehörigkeit) und der Hamburger SV (sechs Meistertitel, 51 Jahre Bundesligazugehörigkeit). Und auch wenn erst etwas mehr als ein Drittel der Saison gespielt ist und Borussia Dortmund auf Dauer wieder in anderen Regionen landen wird – man muss schon ziemlich realitätsblind sein, wenn man davon ausgeht, dass die Tradition auch diesmal wieder ungeschoren davon kommt. Das, was Bremen und Hamburg am Sonntag im Nordderby geboten haben, hatte mit Bundesligafußball jedenfalls nicht allzu viel zu tun. Und auch beim VfB Stuttgart ist ein klarer Plan nur schwer zu entdecken. Köln, Frankfurt und Hertha BSC sind zudem auch noch nicht allzu weit von der Abstiegszone entfernt.

Ja und?, werden nun einige sagen: Selbst schuld. Wenn Leipzig, Ingolstadt oder Heidenheim gute Arbeit machen, haben sie den Aufstieg eben verdient. Und wenn Hamburg, Bremen, Stuttgart weiter vor sich hin dilettieren wie in den vergangenen Wochen, Monaten, Jahren, dann steigen sie auch zurecht ab. Die Emporkömmlinge aus Leipzig, Hoffenheim und offensichtlich auch Ingolstadt machen eben eine Menge richtig. Stimmt. Sie haben allerdings auch viel Geld zur Verfügung, um vieles richtig zu machen. Geld, das sie nicht selbst verdienen müssen – so wie es Stuttgart, Bremen und der HSV tun müssen. Bestes Beispiel ist die TSG Hoffenheim. Seit Jahren erzählt uns deren Mäzen Dietmar Hopp, dass das von ihm geschaffene und aufgepäppelte Konstrukt in naher Zukunft allein lebensfähig und wirklich ganz, ganz bald nicht mehr auf seine Zuwendungen angewiesen sei. In der vergangenen Woche dann hat der Klub mal wieder rote Zahlen verkündet. 11,7 Millionen Euro Miese waren es im Geschäftsjahr 2013/14.

Dass jemand viel Geld zur Verfügung hat, heißt noch lange nicht, dass er vor Fehlern gefeit ist. Das haben die Hoffenheimer in der Saison 2012/13 gezeigt, als sie mit ihrer irrlichternden Personalpolitik das Publikum zu ähnlichen Heiterkeitsausbrüchen hingerissen haben wie der Hamburger SV in der vergangenen Spielzeit. Aber viel Geld hilft zumindest, die schlimmsten Folgen dieser Fehler zu vermeiden. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim noch nie aus der Bundesliga abgestiegen sind.

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