Bundesliga im Test (15) : Bayer Leverkusen: Die Abhängigen

Am 20. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken und Schwächen der Vereine. Heute: Bayer Leverkusen. Dort wird in dieser Saison viel darauf ankommen, wie gut sich Michael Ballack ins Team integriert.

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Am Boden bleiben. Trainer Heynckes will keine Sonderrechte für Ballack.
Am Boden bleiben. Trainer Heynckes will keine Sonderrechte für Ballack.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Trainer Jupp Heynckes wurde in der vergangenen Saison nicht müde, Verstärkungen für sein junges Team zu fordern. Der Kader sei viel zu dünn, jammerte er. Der Klub erhörte ihn. Heynckes bekam eine Handvoll neuer Talente wie den 19 Jahre alten dänischen Stürmer Nicolai Jörgensen. Und Michael Ballack, der in zwei Jahren in Leverkusen etwa zehn Millionen Euro verdienen wird. Heynckes wurde hier überrumpelt, die Manager des Bayer-Konzerns waren so verzückt von der Werbefigur des „Capitano“ , dass sie das Geld für den Transfer lockermachten. Der Trainer durfte nur noch Ja sagen. Heynckes, der Jugendförderer, hätte für das Geld lieber zwei, drei weitere Profis à la Jörgensen gehabt. Auch die vielen Boulevard-, Berater- und Kapitäns-Geschichten, die Bayer mit Ballack eingekauft hat, gefallen dem Trainer gar nicht. Er ist fest entschlossen, Ballack keine Sonderrechte einzuräumen. Trotzdem strebt Bayer in dieser Saison mindestens Platz drei an.

Wer sind die Stars?

Natürlich heißt der Star Michael Ballack, er zieht Publikum wie Presse an. Trikots mit Ballacks Namen und der Nummer 13 gehen nach Klubangaben weg wie Ventilatoren bei 42 Grad Celsius. Dabei hat Ballack gerade erst an einem Testspiel teilgenommen. In der Partie gegen Wehen-Wiesbaden, die Leverkusen 4:0 gewann, machte Ballack, der drei Monate nicht gespielt hatte, am Sonntag eine ganz gute Figur. Den besten Eindruck in der Vorbereitung hinterließ aber Torjäger Patrick Helmes. Er präsentierte sich so elanvoll, dass ihm viele Beobachter mehr als 20 Saisontore zutrauen. Außerdem wirbelte der brasilianische Mittelfeldmann Renato Augusto vielversprechend durch die Vorbereitung.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Heynckes wird seine Taktik kaum verändern, er plant mit einem flachen 4-4-2-System. Leverkusen soll weiterhin schön und schnell kombinieren. Die Sturmspitzen sind momentan Helmes und Stefan Kießling. Ballack soll mittelfristig zusammen mit Simon Rolfes im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Solange Letzterer noch verletzt ist, könnte Ballack eine Doppelsechs mit Arturo Vidal bilden, der auch in der Außenverteidigung spielen kann – überhaupt will Heynckes auf Rotation setzen. Auf mindestens drei Positionen pro Spiel soll gewechselt werden, um die Kräfte der Profis zu schonen. Bayer spielt schließlich zum ersten Mal seit 2007 wieder international in der Europa League.

Wie viel Macht hat der Trainer?

Heynckes’ Macht in Leverkusen war groß, aber er musste bisher auch keinen kapriziösen Star betreuen. Selbst Verteidiger Sami Hyypiä ist trotz der großen Liverpool-Karriere, die hinter ihm liegt, ein pflegleichter Typ. Es wird spannend. Ob in Frankfurt, Madrid oder Schalke – an der Starbehandlung ist Heynckes früher regelmäßig gescheitert. Immer gab es Konflikte zwischen ihm, dem rechtschaffenen Arbeiter vom Niederrhein, und den Diven seiner Mannschaften. Michael Ballack wird somit zur späten Herausforderung für Heynckes – er kann beweisen, dass er inzwischen auch mit Stars umgehen kann.

Was erwarten die Fans?

Die Leverkusener Fans sind stille Genießer. Sie erwarten schöne Spiele – und möglichst keine zweiten Plätze.

Was ist in dieser Saison möglich?

Ballack, das Alphatier, wird sich, wie es der Trainer verlangt, unterordnen müssen. Falls ihm dies gelingen sollte und falls er nach seiner Syndesmoseband-Verletzung wieder vollständig genesen sollte, wonach es aussieht, könnte der Mittelfeldmann das manchmal noch fragile Team stabilisieren. Ein Platz unter den ersten drei wäre dann möglich. Im negativen Fall könnte Ballack das Bayer-System, das in der vergangenen Saison meistens harmonisch lief, empfindlich stören. Aber daran will in Leverkusen niemand denken.

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