Bundesliga im Test (9) : 1. FC Nürnberg: Zwischen Euphorie und Wirklichkeit

Am 24. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 50. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 9: Warum der 1. FC Nürnberg und Trainer Dieter Hecking bescheiden bleibt.

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Vorfreude auf eine ruhige Saison in Nürnberg.
Vorfreude auf eine ruhige Saison in Nürnberg.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

1978, 1980, 1985, 1998, 2001, 2004, 2009. Was diese Zahlen sagen? Es waren die Jahre, in denen der Club aufstieg. Der FCN war eine Fahrstuhlmannschaft. Gleichzeitig sind die Franken Rekordaufsteiger. Ein Titel, auf den sie nicht stolz sind. Seit dem letzten Aufstieg 2009 strebt man nach neuen Zielen und spielt nun die vierte Saison in Folge in der Bundesliga. In Nürnberg sind sie auf dem Weg, sich in der höchsten deutschen Spielklasse festzusetzen. Diese Erkenntnis sorgt vor der Saison im Umfeld für Zuversicht. Der Verein hat sukzessive seine Infrastruktur verbessert und Dieter Hecking ist noch immer Trainer. Inzwischen gilt man als gute Adresse für junge Spieler, die eine zweite Chance nutzen wollen.

Wer sind die Stars?

Mit Timo Gebhart aus Stuttgart ist nur ein bekannter Spieler geholt worden, was der Trainer nicht als Problem betrachtet. Dazu kamen Noah Korczowski (Schalke 04, A-Junioren), Sebastian Polter (VfL Wolfsburg, ausgeliehen), Roussel Ngankam (Hertha BSC U19), Hiroshi Kiyotake (Cerezo Osaka) und Marcos Antonio (Rapid Bukarest). Starpotenzial hat neben den etablierten Timmy Simons und Timothy Chandler der japanische Olympia-Teilnehmer Hiroshi Kiyotake.

Wer hat das Sagen?

Ganz klar Trainer Dieter Hecking und Manager Martin Bader. Die beiden haben Umfeld und Verein längst überzeugt, einen gesunden Weg zu gehen, der weiter führt als zu übertriebenen Erwartungen und Aktionismus. Träumereien lehnen sie ab. Das Ziel, das sie ausgeben, sind 40 Punkte für den Klassenerhalt. Gleichzeitig erhöht Hecking den Druck auf seine Spieler. Der Gedanke, nicht nur mitzuspielen, soll sich nach und nach ebenso ausbreiten wie die Sicherheit, dazu in der Lage zu sein.

Bildergalerie: Die Transfers in der Bundesliga

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1 von 65Foto: dapd
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Was erwarten die Fans?

Nach dem umjubelten 4:2-Erfolg in der Vorbereitung gegen Borussia Dortmund hat mancher Club- Anhänger den Blick für die Realität verloren. Dennoch war der Sieg nicht mehr als ein Schub fürs Selbstvertrauen. Zeigt die Mannschaft eine ähnliche Leidenschaft wie in den vergangenen zwei Jahren, werden die Fans das vorbehaltlos anerkennen, Rückschläge eingeschlossen. So lange die Nürnberger nicht in die Abstiegszone geraten, wird es im Umfeld ruhig bleiben. Rutscht der Verein aber nach unten ab, ist mit Unruhe zu rechnen. Obwohl es erst das vierte Jahr in der Bundesliga ist, gehört der Club für viele seiner Fans gefühlt zum oberen Drittel der Liga.

Was ist in dieser Saison möglich?

Der Club dürfte diese Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Hecking und Co. haben bewiesen, dass sie ihren Kader mit Talenten sinnvoll ergänzen können. Also geht es zunächst darum, so weit wie möglich von der Abstiegszone entfernt zu bleiben. Unbedingt verbessern muss sich die Zahl der Gegentreffer. Zu oft hat der Club in der Vorbereitung gleich zwei Tore kassiert. Platz 9 bis 12 ist möglich. Dazu müssen erneut die vielen Abgänge namhafter Spieler ausgeglichen werden, darunter Philipp Wollscheidt, Jens Hegeler (Leverkusen) und Daniel Didavi (Stuttgart).

Und sonst?

Timm Klose (Schweiz), Kiyotake (Japan) und Chandler (USA) haben ihren Nationaltrainern für die nächsten Länderspiele abgesagt. Aus Nürnberger Sicht ein gutes Zeichen. Grund für die Absage: Der Konkurrenzkampf im Kader des FCN. Die Nationalspieler wollen im Verein nicht den Anschluss verlieren. Ottmar Hitzfeld (Schweiz) und Jürgen Klinsmann (USA), so wird berichtet, haben Verständnis gezeigt.

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