Bundesliga im Test : Eintracht Frankfurt: Sturm ohne Stürmer

Am 7. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil sechs: Eintracht Frankfurt.

Frank Hellmann
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Stolpernd durch die Vorbereitung. Hier strauchelt der Frankfurter Amanatidis. Foto: ddpddp

Am 7. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil sechs: Eintracht Frankfurt.



Was hat sich verbessert?



Die Stimmung. Das liegt aber allein an Michael Skibbe, der den nicht mehr vermittelbaren Friedhelm Funkel beerbte. Die ehemals rechte Hand von Rudi Völler versprach den Frankfurter Fans das, was jeder hören wollte: offensiven, attraktiven Fußball. Heimspiele sollen wieder eine Attraktion und kein Ärgernis werden. Skibbe, 43, plant mit zwei Spitzen und kreativem Spiel. Das hörte sich zum Amtsantritt gut an, sah aber in der Praxis anders aus. Da rumpelte die Eintracht wie zu schlechtesten Funkel-Zeiten. Skibbe sagt, bald werde es besser. Man glaubt ihm. Noch.

Wer sind die Stars?

Ioannis Amanatidis wäre einer, aber der Kapitän war in der Vorbereitung wieder verletzt. Martin Fenin ist ein Beau, fällt aber auf dem Rasen zu viel hin und ist privat in zu viele Fettnäpfchen getappt. Also verehrt das Fanvolk immer noch Caio Cesar Alves dos Santos, kurz Caio. Ein Problem-Brasilianer, der immer noch nicht verstanden hat, was ein Fußball-Profi in Deutschland leisten muss (was die Vereinschefs verzweifeln lässt). Der Millionenmann aus Mirandopolis schlurfte bei Freundschaftsspielen manchmal leidenschaftslos über den Rasen. Dumm, weil Skibbe Caio mag und ihn als den neuen Spielmacher sieht.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Ein 4-4-2 mit Raute oder Doppel-Sechs, aber auch ein 4-2-3-1. Letzteres wäre die Funkel-Taktik. Skibbe muss vielleicht so spielen, wenn Amanatidis und Fenin nicht rechtzeitig fit werden. Niko Liberopoulos, der bald 34-jährige Grieche, wäre nämlich der einzige Stürmer im Aufgebot.

Wie viel Macht hat der Trainer?

Als Torwart Markus Pröll jetzt auf Ex-Trainer Funkel schimpfte, griff nicht Skibbe ein, sondern Vorstandschef Heribert Bruchhagen und bestellte den Ballfänger zu sich ins Büro. Die Begebenheit sagt viel über die Machtverhältnisse im Verein, das letzte Wort hat Bruchhagen, der seinen Fußballlehrern aber Rückendeckung und Entscheidungsfreiheit gewährt. Die Entscheidung Skibbes zugunsten von Oka Nikolov als Nummer eins im Tor der Frankfurter dürfte also nicht im Zusammenhang mit Prölls Fehltritt stehen.

Was erwarten die Fans?

Traditionell viel. Zu viel. Sagt Vorstandschef Heribert Bruchhagen, der seit jeher über die unrealistische Erwartungen in der Mainmetropole referiert. Der 60-Jährige ist ein Mahner. Eine Verschuldung, um neue Spieler zu kaufen, kommt für den konservativen Ostwestfalen nicht in Frage. Denn eine Kreditierung des Spielbetriebs wie sie Borussia Dortmund und Schalke 04 betrieben haben, schließt Bruchhagen aus. „Die Finanzkrise trifft uns stärker als andere Vereine“, sagt Bruchhagen. Fast 20 Logen stehen zur neuen Saison wohl leer.

Was ist in dieser Saison möglich?

In Internetumfragen haben sich zehntausende Anhänger ausgelassen, wo Eintracht nach dem Abschied vom ungeliebten Funkel landen könnte. Platz eins, sagt jeder zehnte. Das ist natürlich Unfug. „Die Liga ist bis auf die ersten sechs Mannschaft ausgeglichen, und da können wir für Furore sorgen“, tönt Maik Franz, der Neuzugang aus Karlsruhe. Bei der Eintracht müsste aber schon alles passen, um in der ersten Tabellenhälfte zu landen. Denn wie sich in der Vorbereitung zeigte, steckt noch viel vom vorsichtigen Funkel im Kader. Und wer 0:3 in Tests gegen Osijek oder Timisoara verliert, der muss froh sein, wenn er die Bundesliga hält. Und zunächst im Pokalderby nicht in Offenbach scheitert.

Morgen: 1. FC Köln.

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