Bundesliga im Test : Hannover 96: Spaßiges Versprechen

Hannover 96 will attraktiven Offensivfußball spielen. Die Spieler dafür hat der Klub aber gar nicht.

Claus Vetter
Enke
Guter Torwart, schlechte Abwehr. Auf Robert Enke ist bei Hannover Verlass. -Foto: ddp

Am 7. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil acht: Hannover 96.

Was hat sich verbessert?
Nichts.

Wer sind die Stars?
Der Star steht im Tor. Zum Glück für Hannover ist Robert Enke geblieben. Der Nationaltorwart und für viele beste Torwart der Bundesliga stand allerdings in der vergangenen Spielzeit hinter der schlechtesten Abwehr der Liga – 69 Gegentore waren Saisonrekord. Es mag paradox klingen, aber auf Enke war meist Verlass. Über Jan Schlaudraff, vor der vergangenen Saison als große Hoffnung gekommen, hat sich nur der ehemalige Arbeitgeber Bayern München gefreut. Der hatte einen Abnehmer für Schlaudraff gefunden, der dann in 22 Punktspielen nur fünf Mal traf und sonst verletzt war. Auch zum Saisonstart fehlt er wegen Leistenproblemen. Als möglichen Ersatz testet Hannover gerade Stürmer Nelson Cuevas aus Paraguay. Mikael Forssell – auch eher eine Enttäuschung im Vorjahr, nur sieben Mal Torschütze und damit jedoch nach Jiri Stajner (acht Tore) Hannovers zweiterfolgreichster Torschütze – ist außer Form.

Welche Taktik ist zu erwarten?
Trainer Dieter Hecking will im 4-4-2-System spielen und verspricht damit neuen Offensivdrang. Die zentrale Figur auf dem Spielmacherposten soll Arnold Bruggink übernehmen. Vorne sollen Stajner, Schlaudraff, Forssell und Mike Hanke dann die Tore schießen, die sie in der vergangenen Saison im Regelfall nicht geschossen haben. Aber auch die Hoffnung auf das Glück ist ein fester Bestandteil der neuen Taktik, denn, sagt Sportdirektor Jörg Schmadtke, man müsse mitnehmen, was man kriegen kann.

Wie viel Macht hat der Trainer?
Sehr viel. Ansonsten hätte Dieter Hecking die vergangene Saison nicht als Cheftrainer überlebt. Nur mit den vielen Heimsiegen und den zu oft wiederholten Verweisen auf die vielen Verletzten konnte Hecking seine Entlassung verhindern. Selbst über die Kritik an den eigenen, schon Anfang der Saison unzufriedenen Fans wurde Hecking nicht zum Verhängnis. Beim allmächtigen Klub-Boss Martin Kind stand Hecking nie in Frage. Dass der Trainer nun mit Schmadtke einen alten Aachener Weggefährten an seiner Seite hat, sollte seine Position nicht schwächen.

Was erwarten die Fans?

Nachdem vor der vergangenen Saison viel versprochen, aber wenig eingehalten wurde, sind die Erwartungen bei 96 mäßig. Vom Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes träumen wohl nur wenige. Engagierte Auftritte in der eigenen Arena, die es ja bis zum peinlichen 0:5 gegen Wolfsburg zwei Spieltage vor Schluss vergangene Saison auch gab, sind das Mindeste, was die Fans verlangen können. Auswärts dürfen die Fans erwarten, dass die Hannoveraner Marke aus der Vorsaison (neun Punkte in 17 Spielen) überboten wird.

Was ist in dieser Saison möglich?
Die Chancen, in den Abstiegskampf eingreifen zu können, sind in Hannover drastisch gestiegen. Es ist unwahrscheinlich, dass 96 diesmal positiv überrascht. Zwischen Platz acht und zwölf will Schmadtke sein Team am Ende landen sehen. Ein hehres Saisonziel, dass der Sportdirektor da formuliert. Irritierend kommt hinzu, dass Schmadtke dabei „attraktiven Fußball“ verspricht, der den Zuschauern „Spaß machen soll“. Ein spaßiges Versprechen, oder gar ein spaßiger Versprecher? Denn als Tabellenzwölfter verliert man naturgemäß häufiger als dass man gewinnt.

Morgen: Werder Bremen. Alle Folgen der Serie: www.tagesspiegel.de/fussball

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