Bundesliga im Test : Nur das Mittelfeld ist Mittelmaß

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Hannover 96 hat sich im Sommer kräftig verstärkt.

Claus Vetter
Schlaudraff
Zurück im Spiel: Der ehemalige Bayern-Spieler Jan Schlaudraff (r.) darf wieder wichtig sein. -Foto: dpa

Was hat sich verbessert?



Der Kader! Die Offensive der Hannoveraner gehört wohl zu den besten der ganzen Liga. Mike Hanke und Jiri Stajner bekommen Gesellschaft von Jan Schlaudraff (Bayern München) und dem Finnen Mikael Forssell (FC Birmingham), der schon mal ein halbes Jahr für Borussia Mönchengladbach gespielt hat und seitdem in der Bundesliga einen guten Ruf genießt.

Auch in der Abwehr haben sich die Niedersachsen durch Mario Eggimann vom Karlsruher SC kräftig verstärkt. Hinzu kommt, dass Hannover fast alle starken Spieler halten konnte. Die Abgänge von Vahid Hashemian (Bochum) und Benjamin Lauth (1860 München) können die Niedersachsen kompensieren, Thomas Brdaric (Karriereende) fehlte bereits ein Jahr lang verletzt.

Wer sind die Stars?

Torwart Robert Enke bleibt nicht nur der Mannschaftskapitän, er ist auch die Führungsperson unter den vielen erfahrenen Hannoveranern. Noch ist fraglich, ob Michael Tarnat nach seiner schweren Verletzung (Muskelbündelriss und Operation) wirklich noch einmal zurückkehrt. Der 38-Jährige will nach dieser Saison seine Karriere beenden.

Von den jüngeren Profis könnte ein Zugang der neue Star werden: Jan Schlaudraff, der bei den Bayern ein Jahr lang fast nur auf der Ersatzbank versteckt wurde. Zuletzt zeigte der ehemalige Aachener beim 3:1-Sieg gegen Hertha BSC im letzten Testspiel mit zwei Treffern, dass er das Toreschießen nicht verlernt hat. In Hannover, bei seinem ehemaligen Trainer Dieter Hecking, könnte der 25 Jahre alte Schlaudraff erwachsen werden.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Die Zugänge und Heckings Philosophie – das passt zusammen. Hannovers Trainer will und wird offensiven Fußball spielen lassen und dabei wohl zwischen einem 4-2-3-1- und einem 4-4-2-System wechseln. Doch auch nach dem Testspielsieg gegen Hertha am Wochenende wollte sich Hecking weder auf eine Stammformation noch auf ein Stammsystem festlegen.

Wer hat das Sagen im Verein?

Martin Kind. Auch in seiner zweiten Amtszeit als Präsident, die nun immerhin schon zwei Jahre andauert, ist der Eigentümer der Kind-Gruppe der mächtigste Mann bei den Niedersachsen. Aber auch Trainer Dieter Hecking hat Macht. Vor kurzem schaffte er erst einmal den Mannschaftsrat ab – bei anderen Vereinen wäre das undenkbar. Hecking sagte, er habe so viele Führungspersönlichkeiten, dass es sinnvoller sei, je nach Fragestellung wechselnde Spieler zusammenzuziehen.

Wie ist die Stimmung im Stadion?

Die Atmosphäre in der WM-Arena ist meist eher norddeutsch, also kühl. Wenn die Fans dann aber mal in Wallung kommen und etwa Gaudimoderator und Edelfan Oliver Pocher auspfeifen, weil der vor dem Spiel zu einem Blödelsong auf dem Rasen playbackt, wird es ohrenbetäubend laut. So ist er, der Niedersachse: Feste werden gefeiert, wie sie fallen. Eine 3+ für die Fans von 96.

Welche Platzierung ist zu erwarten?

Zwölf, elf, acht – Hannover hat sich von Saison zu Saison verbessert und sollte diesem Weg auch fortführen können. Hannover geht mit der besten Mannschaft seit dem Aufstieg 2002 in die Saison. Von den herausragend besetzten Mannschaftsteilen fällt allein das Mittelfeld ein wenig ab, es ist aber immer noch gehobener Bundesligadurchschnitt. Wenn es perfekt läuft, könnte Hannover sich in dieser Saison zum ersten Mal seit dem Aufstieg für den Europapokal qualifizieren.

Morgen: Bayer Leverkusen. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

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