Bundesliga im Test : Schalke 04: Arbeiten statt reden

Der neue Trainer Felix Magath will den FC Schalke 04 voranbringen. Die Fans erwarten viel - wie immer.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
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Abklatschen mit dem Boss. Schalke-Fans begrüßen Felix Magath. Foto: dpadpa

Was hat sich verbessert?


Der Verein ist zur Ruhe gekommen, soweit das bei Schalke überhaupt möglich ist. Nach der Trennung von Trainer Fred Rutten und Manager Andreas Müller besteht die Chance für einen Neuanfang, allerdings ohne eine neue Mannschaft. Felix Magath, der starke Mann im Vorstand wie auf der Trainerbank, mag viele Strukturen verbessern, aber nicht die Mannschaft. Ihm fehlt das Geld. Nur bei den Schulden war zuletzt Wachstum zu vermelden: Die Gesamtverbindlichkeiten sind um dreißig Millionen Euro gestiegen.

Wer sind die Stars?
Die Stars sind der Trainer und die immer noch fast an jedem Spieltag ausverkaufte Arena. Magath bleibt vorerst nur die Möglichkeit, das alte, nicht immer bewährte Personal, zuzüglich der Neulinge Lewis Holtby (aus Aachen) und Jan Moravek (aus Prag), zu verbessern, auf dass das Team eines Tages doch noch zum Star werde.

Welche Taktik ist zu erwarten?
Magath ist im Begriff, das Team aus der Gefangenschaft des 4-3-3 zu befreien und in ein 4-4-2 mit Raute zu überführen. Aber das ist nur ein Teil seines Systemwechsels. Der Meistermacher sagt, im Fußball gebe es viele Wege, die zum Erfolg führten. Er kenne nur einen: harte Arbeit. In dieser Hinsicht habe er bei Schalke Nachholbedarf festgestellt. Er sagt: „Hier wurde zu viel geredet und zu wenig gearbeitet.“

Wie viel Macht hat der Trainer?
Eigentlich müsste man fragen: Besitzt Felix Magath noch mehr Macht als in Wolfsburg, wo er alles Wesentliche entschieden hat, oder nur genauso viel? Unabhängig davon erhebt Magath in sportlichen Belangen eine Art Alleinvertretungsanspruch – als Trainer, Sportdirektor und Vorstandsmitglied in einer Person. Das wurde deutlich, als er einen Verkauf des Torhüters Manuel Neuer kategorisch ausschloss, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies über die finanzielle Schmerzgrenze nachgedacht hatte. Magath sprach ein Machtwort, und prompt war das Thema erledigt.

Was erwarten die Fans?
Viel – wie immer. Aber vielleicht erwarten sie das nicht ganz so schnell wie sonst. Fürs Erste scheint es ihnen zu genügen, dass Magath die Spieler zum Arbeiten und Laufen bringt. Die Schalker Phase Magaths ist auf vier Jahre angelegt. In diesem Zeitraum erwarten die Fans von Magath genau das, was er von sich selbst auch erwartet: die Meisterschaft.



Was ist in dieser Saison möglich?

Ein Magath macht noch keinen Meister und auch nicht unbedingt einen Europapokalteilnehmer, schon gar nicht im ersten Jahr. Schalke läuft Gefahr, erst einmal weiter für die Sünden der Vergangenheit bezahlen zu müssen, bevor der Aufschwung einsetzt. Wenn Magath die Spieler stärker macht, und sei es nur in der Fitness, kann die Mannschaft vielleicht um die internationalen Plätze mitspielen.

Morgen: 1899 Hoffenheim. Alle Folgen der Serie: www.tagesspiegel.de/fussball

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