Bundesliga-Rückkehr : St. Pauli steigt auf - und ändert sich

Nach dem 4:1 bei Greuther Fürth ist dem FC St. Pauli die Rückkehr in die Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Der Kiezklub feiert, wird sich aber weiter von seinen Wurzeln entfernen.

Frank Heike
Nie mehr Zweite Liga. Die Spieler des FC St. Pauli feierten gemeinsam mit ihren Fans den Aufstieg.
Nie mehr Zweite Liga. Die Spieler des FC St. Pauli feierten gemeinsam mit ihren Fans den Aufstieg.Foto: dpa

Unzählige Fans stürmten mit dem Schlusspfiff den Platz, natürlich friedlich. 9000 Anhänger des FC St. Pauli waren mit nach Fürth gekommen und feierten den Aufstieg in die Bundesliga. Zur Halbzeit hatte ihre Mannschaft noch 0:1 hinten gelegen, am Ende aber siegte sie mit viel Energie 4:1 und ist bei drei Punkten Vorsprung und der nun um 16 Treffer besseren Tordifferenz gegenüber dem FC Augsburg am letzten Spieltag praktisch nicht mehr vom zweiten Tabellenplatz der Zweiten Liga zu verdrängen. Auch auf der Reeperbahn in Hamburg feierten 10.000 Menschen. „Ich werde die Spieler wohl vor der Abfahrt morgen früh um vier Uhr zusammensuchen müssen“, sagte Trainer Holger Stanislawski.

Damit hat für St. Pauli eine neue Zukunft begonnen. Wieder wird der Kiezklub professioneller werden und sich weiter von seinen Wurzeln entfernen. Das beschauliche Trainingsgelände an der Kollaustraße im Hamburger Nordwesten soll bis 2012 bundesligatauglich werden, mit Kunstrasenplätzen, tauglichen Kabinen und Rasenheizung. Eigentlich kann niemand etwas gegen die schmucke neue Heimat im Stadtteil Lokstedt haben. Wäre da nicht der geplante Abriss der alten Baracke.

Hier ziehen sich die Profis um und werden massiert, hier residiert auch die Fankneipe „Zügellos“. Ein Ort, in dem sich Profis und Fans jeden Tag trafen; die einen kamen aus der Kabine, die anderen saßen bei Bier oder Kaffee. Nun ist der Protest groß, weil aus Sicht der Anhänger wieder ein Stück Volkstümlichkeit verloren geht und die Zuschauer beim Training keinen Kaffee aus der Pumpkanne mehr kriegen.

„Fußball ist keine Sozialutopie“, sagt Holger Stanislawski. Mit dem Getue der Fans um ihren ach-so-anderen Totenkopfklub, dem Gerede um die Freibeuter der Liga, den Kiezklub mit der besonderen Mission, mit all diesen St. Pauli zugeschriebenen Attributen kann der Trainer wenig anfangen. Er war schon alles beim FC: Spieler, Vizepräsident, Manager, nun Trainer. Einer der begehrtesten Jungtrainer ist dieser Mann mit dem kahlen Schädel geworden. Hannover, Gladbach und Bochum wollten ihn schon. Der Aufstieg mit St. Pauli wird seinen Marktwert auch deswegen steigern, weil er dem traditionellen Kämpferklub das feine Spiel beigebracht hat. St. Pauli hat die meisten Tore der Zweiten Liga geschossen. Und Stanislawski, Notenbester des letzten Trainerlehrgangs, hat so viele Talente in die Profimannschaft geführt, dass die gute Nachwuchsarbeit des Klubs endlich Früchte trägt.

Auch in der Bundesliga soll die offensive Spielweise leicht modifiziert vorgeführt werden. Längst sind die Rahmendaten bekannt: die Profis Hain, Lehmann, Takyi und Ebbers bleiben die Gerüstspieler, zwei, drei neue Profis sollen kommen, der Etat wird auf knapp 40 Millionen Euro verdoppelt. Bei den Finanzen steht der FC St. Pauli dank Präsident Corny Littmann gesünder da denn je,Finanzspritzen des Theaterbesitzers werden nicht mehr benötigt, auch, weil es bald ein wettbewerbsfähiges Stadion gibt – als stolzer Bundesligist wird St. Pauli im August auch wieder eine Haupttribüne haben.

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