Bundesliga-Saison : Das Tor zum Geld

Wer braucht einen, wer will keinen? Das Thema dieser Bundesliga-Saison waren Investoren. Der Aufsehen erregendste Fall war der des Zweitliga-Absteigers Carl Zeiss Jena. Dort lehnte die DFL einen russischen Investor ab. In der Debatte wurde deutlich, dass Klubs und Ligaverband noch nicht bereit für die große Marktöffnung sind.

Mathias Klappenbach
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Schein und Sein. Vor dem Spiel gegen Hoffenheim haben Osnabrücker Fans die neue Währung Hopps verteilt. -Foto: dpa

Berlin - Heute geht es wieder ums Geld, denn der Plan könnte sogar übererfüllt werden. Steigt die TSG Hoffenheim in die Fußball-Bundesliga auf, sind ihr Schmähungen sicher. Bis 2011 sollte dieses Ziel erreicht werden, das war der Wunsch von Milliardär Dietmar Hopp für sein Projekt. Hopp und Hoffenheim stehen für das, was man mit Geld im Fußball erreichen kann – das polarisiert derzeit die Fußballfans.

Die Veränderungen des Marktes waren das übergreifende Thema im deutschen Profifußball in dieser Saison. Das Kartellamt führte beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine spektakuläre Razzia durch, weil es den DFB und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) der „wettbewerbsbeschränkenden Absprachen“ bei Sponsorenverträgen verdächtigt. Die Fußballverbände sollen demnach versuchen, nicht um dieselben Sponsoren zu konkurrieren. Und auch bei der Ausschreibung der Fernsehrechte überwacht das Kartellamt das Verfahren.

Bei den Klubs stand die zukünftige Finanzierung im Fokus, und damit hat Dietmar Hopp eigentlich gar nichts zu tun. Er ist ein klassischer Mäzen, der aus dem Hintergrund seinen eigenen Dorfklub nach oben bringen will, ohne Rendite dafür zu verlangen. Um sich irgendwo als Präsident wichtig zu machen, hätte er beispielsweise auch beim chronisch vom endgültigen Absturz bedrohten 1. FC Kaiserslautern einsteigen können. Der hätte sicher gerne einen Mäzen oder Investor, doch scheint derzeit niemand bereit zu sein, Geld ins Chaos stecken zu wollen. Ähnlich geht es einem anderen Zweitligisten mit großer Tradition: 1860 München. Dort drohte vor ein paar Tagen der Hauptsponsor Trenkwalder mit dem Ausstieg, weil seine „Erwartungshaltung an ein professionelles Präsidium eine andere“ sei. Hat da ein Sponsor zu viel Macht?

Groß infrage gestellt wird das im Fall 1860 München gar nicht, da die Klubführung tatsächlich wenig kompetent erscheint. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ein Sponsor Einfluss auf die Vereinspolitik nimmt, und doch kann man hier sehen, wie es vielleicht einmal sein wird, wenn Investoren das Sagen übernehmen dürfen. „50+1“ heißt die Zauberzahl, an der sich die Richtung des deutschen Profifußballs entscheiden wird. Derzeit müssen die Klubs die Mehrheit behalten, um weiter allein entscheidungsfähig zu bleiben. Diese Regel aber steht zur Disposition. Die Stimmung bei den Profiklubs ist gespalten, im März vertagte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Entscheidung darüber erst einmal auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr.

Klubs wie Hannover 96 wollen sich Investoren öffnen, wie sie in England, Spanien, Italien und Frankreich üblich sind. Als Argument wird häufig die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga angeführt, die vor allem in der Champions League ganz vorne nicht mithalten kann. In erster Linie geht es Hannover 96 aber natürlich erst einmal darum, in der eigenen Liga eine größere Rolle zu spielen – und am besten den Rückstand auf den FC Bayern mit viel neuem Geld zu verringern.

Die FC Bayern AG hat in Adidas bereits seit 2002 einen „strategischen Partner“, der für 75 Millionen Euro einen Anteil von zehn Prozent erhielt. „Wenn die Voraussetzungen geschaffen werden, muss jeder Verein für sich entscheiden, was er will“, sagt Bayern-Manager Uli Hoeneß zu Mehrheitsinvestoren. „Ich glaube aber nicht, dass unsere Mitglieder, die das zu entscheiden haben, bereit wären, so etwas zu machen.“

Der Aufsehen erregendste Fall in diesem Jahr war der des Zweitliga-Absteigers Carl Zeiss Jena. Dort lehnte die DFL einen russischen Investor ab, der zumindest vorerst nur eine Minderheitsbeteiligung wollte. „Es geht um die Fragen: Wie zahlungsfähig ist der Investor? Handelt es sich um sauberes Geld? Und zahlt die Firma ordentlich Steuern? Sprich: Wie seriös ist der Investor? Das sind Punkte, die geklärt werden müssen“, sagt DFL-Geschäftsführer Christian Müller. Der russische Investor erschien in der Tat nicht seriös. In der Debatte um ihn wurde aber deutlich, dass Klubs und Ligaverband noch nicht bereit für die große Marktöffnung sind. Das Thema dieser Saison wird auch das der nächsten sein.

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