Bundesliga-Saisonvorschau (2) : FC Ingolstadt: Große Namen? Hinterseer!

Am 14. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 53. Saison. Wir testen Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 2: FC Ingolstadt.

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Eine Meisterschale, wie Ramazan Ozcan nach dem Aufstieg, werden die Ingolstädter in der Bundesliga wohl nicht stemmen können.
Eine Meisterschale, wie Ramazan Ozcan nach dem Aufstieg, werden die Ingolstädter in der Bundesliga wohl nicht stemmen können.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Statt in die Provinzstadien von Heidenheim, Aue und Sandhausen geht es jetzt in die großen Arenen von Dortmund, Gelsenkirchen und Hamburg. Der Aufsteiger bekommt es mit richtigen Weltstars wie Kevin de Bruyne, Arjen Robben oder Mats Hummels zu tun, und Ralph Hasenhüttl darf nun Pep Guardiola die Hand schütteln, und bekommt gleich im ersten Heimspiel Einblick ins neue Dortmunder System von Thomas Tuchel. Die Aussichten, die Stadien nach dem Schlusspfiff mit einem guten Gefühl zu verlassen, sind allerdings schlechter geworden.

Wer sind die Stars?

Große Namen fehlen. Aber auch in einer funktionierenden Einheit blinkt mal das eine oder andere Sternchen. Elias Kachunga zum Beispiel, der vom Absteiger SC Paderborn kam. Oder der norwegische Nationaltorhüter Örjan Nyland, der auch bei Vereinen aus der Premier League als Nummer zwei auf dem Zettel stand, und nun lieber in Ingolstadt versucht, die Nummer eins zu werden. Und natürlich Lukas Hinterseer. Er ist ein talentierter Fußballspieler, allerdings nicht allein deswegen war er schon in der vergangenen Saison ein begehrter Interviewpartner. Der Österreicher hat einen berühmten Onkel. Und einen Großvater, der Olympiasieger ist. Allerdings liegt Ernst Hinterseers Goldlauf im Slalom bereits 55 Jahre zurück und deshalb können sich wohl nur die Älteren oder Ski-Verrückten an den Namen erinnern. Der schöne Onkel Hansi hingegen wedelte einst nicht nur sehenswert die Weltcup-Hänge hinunter, sondern verzückte auch später sein Publikum als Volksmusik-Barde. Vermutlich muss Lukas Hinterseer auch in dieser Saison wieder erzählen, warum er als Spross einer Ski-Familie lieber Fußball spielt und wie ihm die Lieder seines – noch immer schönen – Onkels gefallen.

Wer hat das Sagen?

Aus Ingolstadt stammt zwar der Bayerische Ministerpräsident, Horst Seehofer, und damit ein klassisches Alphatier, aber im Fußballverein der Stadt findet man niemand dieser Spezies. Thomas Linke ist als Sportdirektor ähnlich zurückhaltend wie einst als Verteidiger. Schon bei Schalke 04 und beim FC Bayern erledigte er seine Aufgaben geräuschlos, aber verlässlich und souverän. Ralph Hasenhüttl steht als Trainer mehr im Fokus, aber der Österreicher ist kein Lautsprecher.

Was erwarten die Fans?

“Ich habe keine Angst, dass wir mit dieser Mannschaft zum Prügelknaben oder Punktelieferanten werden“, sagt Hasenhüttl – und würde damit bei vielen Klubs Erwartungen schüren. Aber in Ingolstadt steckt die Fankultur elf Jahre nach Vereinsgründung noch immer in den Kinderschuhen. Die Anhänger rechnen mit dem Klassenerhalt.

Was ist in dieser Saison möglich?

Der Verein gilt – nicht ganz zu Recht – als FC Audi, weil der ortsansässige Automobilhersteller knapp 20 Prozent der Anteile an der Fußball-GmbH hält. Aber der Konzern konzentriert sich ansonsten lieber auf die großen Bayern in der Landeshauptstadt und überschüttet den FC Ingolstadt keinesfalls mit Geld. Der Aufsteiger versucht, mit einem im Vergleich bescheidenen Etat von rund 18 Millionen Euro den Abstieg zu verhindern. „Die Mannschaft hat ihre Qualitäten“, glaubt Hasenhüttl. Aber ob die trotz der vier Neuzugänge reichen, um die Klasse zu halten, ist fraglich.

Und sonst?

André Mijatovic hat zehn Jahre in Deutschland Fußball gespielt, die letzten drei in Ingolstadt. Vor dieser Saison beendete er seine Karriere, aber nicht einfach so. Der 35-Jährige hat sich von seinen medialen Wegbegleitern verabschiedet und die „unvergesslichen Jahre“ als Profi in Deutschland Revue passieren lassen. Eine nette Geste, aber das Außergewöhnliche daran war der Verbreitungskanal. Mijatovic wählte einen klassischen Brief und keine Social Media Postings oder eine Videobotschaft wie Bastian Schweinsteiger bei seinem Abschied aus München. Der FC Ingolstadt stellte das Schreiben dann freundlicherweise doch noch ins Internet, auf die vereinseigene Homepage.

Morgen Folge 3: Hamburger SV

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