Bundesliga-Vorschau, Teil 16 : Bayer Leverkusen: Geflucht wird nur auf Finnisch

Am 9. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 51. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 17: Bayer Leverkusen will wieder Dritter werden, träumt von Platz zwei und will nur eines nicht: in die Europa League abrutschen

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Das Gesicht von Bayer Leverkusen: Sami Hyypiä geht erstmals als alleiniger Fußball-Lehrer in die Saison.
Das Gesicht von Bayer Leverkusen: Sami Hyypiä geht erstmals als alleiniger Fußball-Lehrer in die Saison.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?
Die Hierarchie im Trainerteam. Der Finne Sami Hyypiä hat neuerdings auf dem Platz allein das Sagen. Sascha Lewandowski, vorher gleichberechtigtes Mitglied eines Trainer-Duos, ist in den Jugendbereich zurückgekehrt. Für den Verein hat das einerseits den Vorteil, dass nicht mehr spekuliert werden kann, ob sich die Trainer wohl zanken. Die beiden konnten am Ende der letzten Spielzeit tun und sagen, was sie wollten, jedes Wort wurde gegen sie verwendet. Und falls es andererseits nicht läuft, muss Bayer nicht zwei, sondern nur einen Trainer feuern. Hyypiäs Aufstieg war möglich, da er den A-Lizenz-Lehrgang begonnen hat und im November die Prüfung beim finnischen Verband ablegen wird; Er gilt damit bereits als Fußball-Lehrer. Die Mannschaft hingegen hat sich eher nicht verbessert, sondern ihr Niveau in etwa gehalten. Aber Bayer wollte auch gar nicht besser werden. Sportchef Rudi Völler hat das Ziel, wieder Tabellendritter und somit die Nummer eins hinter den Bayern und Dortmund zu werden. Hyypiä ist ein wenig mutiger, er will den Titel nicht vorab abschreiben. Seine Botschaft: Wir müssen hart arbeiten und schauen, was wir erreichen können.

Wer sind die Stars?
Stars? Die braucht Leverkusen nicht. Bayer 04 will traditionell als Kollektiv spielstarker Profis überzeugen. Viele Bayer-Leute denken noch mit Schrecken an die Zeit (2010 bis 2012) zurück, in der Altstar Michael Ballack mit seinen Allüren alles durcheinander brachte. Der größte Star ist neben Sportchef Völler Teamchef Hyypiä. Hinter den beiden folgt schon der brave Torschützenkönig Stefan Kießling, der seinen Vertrag gerade bis 2017 verlängert hat. Starpotenzial hat Heung-Min Son (21), der für zehn Millionen Euro vom Hamburger SV kam – als Ersatz für André Schürrle, für den Chelsea erstaunliche 22 Millionen zahlte. Viel Talent besitzt Emre Can, den Bayer vom FC Bayern geholt hat.

Wer hat das Sagen?
In der Klubführung gibt es einen Umbruch. Wolfgang Holzhäuser (63), seit 2004 Geschäftsführer , wechselt in den Gesellschafter-Ausschuss. Es war offiziell seine Entscheidung, das Aufhören fällt ihm aber nicht leicht. Holzhäuser ist noch bis zum 30. September im Amt und wird keinen Tag früher weichen. Sein Nachfolger Michael Schade, bis Juni Leiter der weltweiten Konzern-Kommunikation, ist neu im Fußball und hat sich noch nicht zu Wort gemeldet – vermutlich, um Überschneidungen mit Holzhäuser, der zu vielen Dingen eine Meinung hat, zu vermeiden. Der frühere DFB-Mann hat noch bis Ende September eine Kolumne in der Stadionzeitung, in der er sich zu aktuellen Themen äußert. Fanverhalten, Regelauslegung, TV-Rechte – es kann alles sein. Schade wird wohl erst loslegen, wenn Holzhäuser weg ist.

Was erwartet die Fans?
Die Fans sind bescheiden wie Völler. Platz drei in der Bundesliga würde sie glücklich machen, der zweite Rang wäre fast schon das höchste der Gefühle. Sie besingen ihren Verein, der sich vor Jahren schon die Rechte an dem Begriff „Vizekusen“ gesichert hat, doch so gern als „deutschen Vizemeister“. Und in der Champions League, für die sich Bayer direkt qualifiziert hat, sollte die Mannschaft das Achtelfinale erreichen und bloß nicht in die Europa League abstürzen. Dieser Wettbewerb, in dem Bayer im Februar vor dem Achtelfinale an Benfica Lissabon scheiterte, machte niemandem Spaß. Auch nicht den Fans.

Und sonst?
Allein im Amt zeigt Hyppiä plötzlich Temperament. Beim Pokalspiel in Lippstadt, das Bayer am Samstag 6:1 gewann, schrie und gestikulierte der 39-Jährige am Spielfeldrand in vorher nicht gekannter Art. Hyypiä bleibt aber auch als Heißsporn besonnen. Vorsichtshalber redet er, wenn er richtig wütend wird, nur Finnisch.

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