Bundesliga-Vorschau : Unsere Fragen an den 12. Spieltag

Bei Borussia Mönchengladbach dürfen die Fans nun endlich wieder mitreden bei den wichtigen Entscheidungen. Gelebte Basisdemokratie sozusagen. Und sonst? Unsere Fragen an den 12. Spieltag der Bundesliga.

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Mitreden erlaubt. Gladbachs Max Kruse (rechts) mit Dortmunds Sebastian Kehl.
Mitreden erlaubt. Gladbachs Max Kruse (rechts) mit Dortmunds Sebastian Kehl.Foto: dpa

Wo herrscht die Zensur? Das Grundrecht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern, ist beim Hamburger SV zur Zeit außer Kraft gesetzt. Das Nord-Derby – auch: Not-Derby („Kicker“) – gegen Werder Bremen steht bevor, da darf man sich kein falsches Wort erlauben. Auf der Internetseite des HSV war in diesen Tagen nur für kurze Zeit der Satz zu lesen: „Jede Anfeuerung und jeder Pfiff gegen den Gegner ist eine zusätzliche Motivation.“ Ersatzlos gestrichen. Dass die Aussage von HSV-Trainer Josef Zinnbauer stammt, spielte für die Zensurbehörde des Klubs keine Rolle. Aufrufe zu akustischer Gewalt sind verpönt; Unterstützung in Form von Papierbällen soll hingegen im Zweifelsfall ausdrücklich erlaubt sein.

Wer zittert? Beim Tabellenfünfzehnten geht die Angst vor der achten Niederlage im zwölften Saisonspiel um. Dem Klub steht eine überaus komplizierte Auswärtsaufgabe bei einem der heimstärksten Teams der Liga bevor. „Sie sind das perfekte Beispiel für Taktik, Spielwitz, Tempo“, sagt der Trainer des Fünfzehnten über den kommenden Gegner. „Wir sind uns der Schwere der Aufgabe bewusst.“ Der zitternde Trainer heißt Jürgen Klopp, arbeitet bei Borussia Dortmund und muss am Samstag beim Aufsteiger SC Paderborn antreten. Da kann einem natürlich mal die Muffe gehen.

Wo wird die Basisdemokratie noch gelebt? Bei Borussia Mönchengladbach dürfen die Fans jetzt endlich auch bei den wirklich wichtigen Entscheidungen mitreden, bei den elementaren Fragen des Spiels, den Dingen, die alle interessieren. Stürmer Max Kruse hat seine Facebookfreunde dazu aufgerufen, ihm Vorschläge für eine neue Torjubelchoreografie zu unterbreiten. Dass der Stürmer von Borussia Mönchengladbach die Aktion vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt gestartet hat, scheint nicht ganz dumm zu sein. Die Frankfurter haben zuletzt fünf Mal hintereinander verloren und dabei im Schnitt drei Gegentore erzielt. Allerdings nimmt Kruse Vorschläge noch bis zum 1. Dezember entgegen. Der erste Gegner danach: Hertha BSC. Auch nicht dumm.

Was macht Felix Magath? Er träumt von einer Anstellung beim 1. FC Union Berlin. Okay, korrekterweise müsste man schreiben: Er träumt von einer Anstellung bei einem Verein, der so geführt wird wie Union. Mit einem Präsidenten wie Dirk Zingler, der sich, so hat es Magath dem Magazin „11Freunde“ erzählt, auch bei unpopulären Entscheidungen vor den Trainer stellt, der langfristige Strategien verfolgt und nicht nur in kurzfristigen Erfolgen denkt. Denn genau das ist Magath in England zum Verhängnis geworden. Sagt Magath. Seine Bilanz beim FC Fulham (ein Abstieg, 13 Niederlagen in 19 Spielen) trug aber auch für neutrale Beobachter eher die Züge einer langfristig angelegten Misserfolgsstrategie.

Und sonst? Entwickelt sich Hertha BSC immer mehr zum Global Player. Wer in der Jugendakademie des Berliner Bundesligisten angestellt ist, darf auf eine internationale Karriere hoffen. Pal Dardai, im normalen Leben für Herthas U 15 verantwortlich, hat in den vergangenen Wochen als ungarischer Nationaltrainer ausgeholfen. Und Lewan Kobiaschwili ist bei seinem aktuellen Praktikum in der Nachwuchsabteilung der Berliner offensichtlich auf den Geschmack einer Funktionärslaufbahn gekommen. Er will im nächsten Jahr für das Präsidentenamt des georgischen Fußballverbandes kandidieren. Wer in Herthas Profiabteilung angestellt ist, kann von solchen Karrieren derzeit nur träumen.

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