Sport : Bundesweites Stadionfest

Der Spielplan der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 steht fest – Berlin bekommt neben dem Finale auch ein Viertelfinale

André Görke

Frankfurt (Main). Joseph Blatter nahm die Szene mit Sarkasmus. Vor einer Kette von Polizisten standen Studenten, pfiffen, schrien und protestierten gegen die Einführung von Studiengebühren, hinter der Kette stand Blatter und sagte: „Ich fühle mich wie in einem richtigen Fußballstadion.“

Am späten Dienstagabend hatte der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa gerade den WM-Globus vor der Alten Oper eröffnet, als die protestierenden Studenten ihn empfingen und Blatter humorvoll reagierte. „Festliche Tage“ erwarte er in Frankfurt am Main, die am Freitag ihren „krönenden Abschluss“ finden. Dann werden die Qualifikationsgruppen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ausgelost (17.05, live im ZDF). Doch schon gestern fand die große Party statt – und zwar bundesweit. Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees (OK), präsentierte in Frankfurt den WM- Spielplan. Die Eckdaten sehen so aus: Das Eröffnungsspiel (9. Juni 2006) findet in München statt, das Finale einen Monat später in Berlin. Austragungsorte der beiden Halbfinalspiele sind Dortmund und München. Das Spiel um den dritten Platz wird in Stuttgart stattfinden. „Ich glaube, mit der Verteilung können alle Städte zufrieden sein“, sagte Beckenbauer. „Die WM findet in allen Regionen statt.“ Die vier genannten Städte tragen sechs Spiele aus, in den anderen acht Städten (Hamburg, Hannover, Leipzig, Gelsenkirchen, Köln, Frankfurt, Kaiserslautern und Nürnberg) finden fünf Spiele statt.

In jedem Spielort werden vier Gruppenspiele mit acht verschiedenen Teams stattfinden. Keine Mannschaft tritt in der Vorrunde zweimal in der gleichen Stadt an. Berlin etwa erlebt neben vier Gruppenspielen und dem Finale auch ein Viertelfinale. „Wir finden das Ergebnis sehr schön“, sagte Berlins Sportsenator Klaus Böger dem Tagesspiegel. Dass im Olympiastadion kein Halbfinale ausgetragen wird, sei kein Problem. „Wir müssen auch gönnen können“, sagte Böger. „Berlin wird ja Austragungsort des Weltereignisses sein – des WM-Endspiels. Wir werden uns bemühen, gute Gastgeber zu sein.“

Sehr wahrscheinlich ist Berlin auch Gastgeber für die deutsche Nationalmannschaft. Denn der Spielplan der WM ist so aufgebaut, dass im größten Stadion (75 000 Sitzplätze) die Deutschen ein Gruppenspiel bestreiten – wie auch in München und Dortmund. Der endgültige Spielplan wird im Dezember 2005 in Leipzig ausgelost.

„Die Euphorie ist riesig. Ich wage die Prognose, dass alle WM-Spiele ausverkauft sind“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball- Bundes, Gerhard Mayer-Vorfelder. Über den Verkauf der Tickets beraten Fifa und OK heute, Streitpunkt ist der vom OK vorgesehene Eintrittskartenpreis von etwa 35 Euro. Dies ist Blatter zu billig. Erhältlich sind die Tickets in einem Jahr. Am Freitag werden die Qualifikationsgruppen ausgelost. Für „Stimmung wie im Stadion“ (Blatter) ist gesorgt: Studenten wollen die Party erneut stören.

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