Carl Zeiss Jena : Dem Triumph so nahe wie dem Abstieg

In der Zweiten Liga kämpft Carl Zeiss Jena um den Klassenerhalt – im DFB-Pokal ist der Klub im Halbfinale.

Matthias Koch[Stuttgart]

Armin Veh wollte Mario Gomez den verdienten Applaus des Publikums gönnen. Daher nahm der Trainer des VfB Stuttgarter seinen zweimaligen Torschützen drei Minuten vor dem Ende der Verlängerung vom Platz. Was sollte dem Fußball-Bundesligisten im Viertelfinale des DFB-Pokals auch noch passieren gegen den Zweitligisten Carl-Zeiss Jena? Stuttgart führte nach den Gomez-Treffern 2:1, der Arbeitssieg der Schwaben schien sicher. Zumal Jena dem Daueransturm des Erstligisten nach und nach nur mit großer kämpferischer Einstellung standhalten konnte. Doch dann, kurz vor dem Abpfiff traf Robert Müller doch noch zum Ausgleich für den Außenseiter. Wenig später gab es Elfmeterschießen, da verwandelte Torsten Ziegner den entscheidenden Elfmeter dann – Jena hatte das Halbfinale erreicht.

7:6 nach dem Elfmeterschießen gewann der abstiegsbedrohte Zweitligist aus Thüringen. Matchwinner Ziegner war von dem großen Erfolg seiner Mannschaft wenig überrascht. Er sagte: „Mit uns rechnet keiner mehr. Aber wir haben uns noch lange nicht aufgegeben. Die Mannschaft ist eine Einheit.“ Allerdings schlägt sich dies in dieser Saison noch nicht in den Punktspielen nieder. Den FC Carl Zeiss trennen derzeit acht Zähler vom ersten Nichtabstiegsplatz. „Ich würde gern unsere vier Siege im DFB-Pokal dieser Saison gegen vier Siege in der Zweiten Bundesliga eintauschen“, sagte Jenas Präsident Rainer Zipfel. „Dann hätten wir zwölf Punkte mehr. Hauptziel bleibt der Klassenerhalt.“

Für den Erhalt des Profifußballs zieht der FC Carl Zeiss fast alle Register. Seit einer Woche versuchen es die Thüringer mit einem neuen Mentaltrainer, nachdem eine weibliche Vorgängerin im Herbst keine nachhaltigen Erfolge gebracht hatte. „Die Dame hat nicht die Sprache der Spieler gesprochen“, sagt Nachfolger Wolfgang Alexander Paes. Der 38-jährige Rheinländer bezeichnet sich selbst als Motivator. „Ich stehe am liebsten in der Nähe der Trainerbank, damit die Spieler durch mich immer wieder an ihr Selbstbewusstsein erinnert werden“, erzähl der Diplom-Tennis-Lehrer. Mit dem Laufspiel „Speedflipper“, einer Möglichkeit der professionellen Leistungsanalyse in den Bereichen Reaktion und Schnelligkeit, hat er sich bei Fußballvereinen wie Schalke 04 und dem Karlsruher SC einen Namen gemacht.

Den kürzlichen Punktgewinn in Mainz (2:2) bezeichnet der frühere Tennisspieler als Initialzündung. „Und dass in Stuttgart alle fünf Schützen im Elfmeterschießen getroffen haben, wurde vorher so besprochen.“

Dem Stuttgarter Trainer Armin Veh half das viele Reden vor dem Match gegen Jena also nichts. „Wir haben erst in der zweiten Hälfte das getan, was wir von Anfang an hätten tun müssen“, sagte der verärgerte Veh. Der Trainer eröffnete wieder einmal die Torhüterdiskussion beim VfB. Sven Ulreich hatte mit einem Fehlgriff in der Nachspielzeit der Verlängerung Jena das 2:2 ermöglicht. Das Tor sei natürlich ein klarer Torwartfehler gewesen, sagte Veh. Dem jungen Stuttgarter Schlussmann Sven Ulreich dürften solche Äußerungen kaum Selbstvertrauen geben. Schließlich versucht er gerade die etatmäßige, aber bisweilen unsichere Nummer eins, Raphael Schäfer, dauerhaft abzulösen.

Während Jena in der Zweiten Bundesliga in den kommenden Partien in Koblenz, daheim gegen Wehen Wiesbaden und bei den Offenbacher Kickers Anschluss ans untere Mittelfeld gewinnen will, muss der VfB Stuttgart in der Bundesliga seine Enttäuschung im DFB-Pokal bei Energie Cottbus überwinden. Kann man in die Lausitz überhaupt etwas aus der Niederlage gegen Jena mitnehmen? „Nur unseren beiden Tore“, sagt Verteidiger Ludovic Magnin. „Den Rest kann man vergessen.“

Für Jena dagegen ist der Weg nach Berlin nun nicht mehr weit. Vor dem Triumph beim Pokalfinalisten Stuttgart hatte der Zweitligist vor dem Viertelfinale auch schon den Pokalsieger Nürnberg und mit Arminia Bielefeld einen weiteren Bundesligisten bezwungen. Das ist durchaus beeindruckend. Unfreiwillig könnten die Thüringer nun aber auch auf dem Wege zu einer anderen Überraschung sein – wenn sie aus der Zweiten Liga absteigen sollten und gleichzeitig das Pokalfinale erreichen, dann wäre das wirklich eine Kuriosität.

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