Champions Hockey League : Viel Härte beim Eisbären-Sieg gegen den EV Zug

Die Champions Hockey League scheint sich so langsam zu einem ernsthaften Wettbewerb - was den ruppigen Aktionismus zwischen den Eisbären und dem EV Zug erklären könnte.

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Eisbären-Spieler Spencer Machacek landet nach einem Rempler mit Robin Grossmann an der Bande. Foto Juergen Engler
Eisbären-Spieler Spencer Machacek landet nach einem Rempler mit Robin Grossmann an der Bande. Foto Juergen EnglerFoto: Jürgen Engler

Wenn sich Deutsche und Schweizer im Eishockey treffen, wird es selten kuschelig. Die Rivalität beider Länder in dieser Sportart ist groß, ob nun bei den Nationalmannschaften oder bei den Ligateams. Im Jahr 2000 wurde sogar mal ein Freundschaftsspiel zwischen den Eisbären und dem EV Zug abgebrochen. Nach 35 Minuten beim Stand von 2:1 für Berlin und weil das Team aus der Schweiz die Auffassung vertrat, die Eisbären würden zu hart spielen. Am Dienstag gab es nun ein Wiedersehen beider Klubs und es ging es um etwas: Die Champions Hockey League (CHL) scheint sich so langsam zu einem ernsthaften Wettbewerb zu entwickeln – dem ruppigen Aktionismus der Spieler des EV Zug auf dem Eis zum Maßstab genommen in jedem Fall. Die Eisbären gewannen das Hinspiel in der ersten Play-off-Runde spielerisch 4:0 - während die Schweizer mit einer Serie von Stockfouls ihre Enttäuschung illustrierten. Wenn sich diesmal eine Mannschaft über zu viel Härte im Spiel hätte beschweren können, dann waren das die Eisbären.

Es war ein seltsames Eishockeyspiel. Keine guten Checks, dafür ein Schweizer Foul nach dem anderen und damit stand die Frage in der Arena am Ostbahnhof, ob es wirklich Sinn macht, die besten Ligen Europas mit ihren verschiedenen Spielstilen auf einander loszulassen?

Am Dienstag war es eher ein harmloses kulturelles Missverständnis - zumindest stellten die Trainer beider Mannschaften, beide deutsche Staatsbürger, dies so dar. Der Berliner Uwe Krupp von den Eisbären sagte gar, dass das Ligaspiel seiner Mannschaft am Sonntag in Wolfsburg „härter geführt“ worden sei. Und sein Zuger Kollege Harold Kreis sprach seinen Spielern zwar den Übereifer nicht ab – „das war für meinen Geschmack zu viel“ – sagte aber auch, dass alles erklärbar sei. „In Deutschland wird in der Liga eben härter gespielt.“ Mussten sich die bedrängten Schweizer gegen deutsche Härte wehren, um nicht unterzugehen?

Nick Petersen musste mit mehreren Stichen am Kinn genäht werden

Härte ist eine legitime Sache im Eishockey, Unfairness eine ungeschickte Angelegenheit. Wer mit dem Stock in der Luft herumfuchtelt, nimmt in Kauf, den Gegner zu verletzen. So wie der Schweizer Dominic Lammer, als er Mitte des zweiten Drittels den Berliner Nick Petersen am Kinn traf. Der Eisbären-Topscorer, auch Dienstag wieder unter den Torschützen, musste mit mehreren Stichen am Kinn genäht werden und schaute im letzten Drittel nur zu.  Der Kanadier, ansonsten eine smarte Erscheinung, hatte nach dem Spiel wenig übrig für die Schweizer Härte. Petersen sagte genervt: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich heute einen Stock ins Gesicht bekomme.“ Kai Wissmann, Mannschaftskollege aus der Verteidigung, fand derweil, dass es schwer sei, sich auf das andere Level in der CHL einzulassen. „Hier wird weniger taktisch gespielt, aber dafür mehr auf Zweikampf eins gegen eins gesetzt.“

Sinn macht die CHL trotz spielkultureller Unterschiede aber perspektivisch wohl – als Gegengewicht zur immer größer werdenden Kontinental Hockey-League (KHL) unter russischer Regie. Tatsächlich lernen sich die Ligen Europas nun erst so richtig kennen in  der dritten Saison der Champions League. Die Dominanz der schwedischen Mannschaften in den ersten Spielzeiten hat Resteuropa anscheinend angestachelt. Niederlagen etwa gegen international zweitklassige britische Teams – Ingolstadt und Hamburg haben das geschafft – wird sich wohl kein DEL-Team mehr einfangen wollen. Schließlich steht der Ruf der Liga auf dem Spiel. Künftig wird die Teilnehmerzahl von 48 auf 32 reduziert  – das heißt, es werden weniger deutsche Teams mitspielen.

Die Eisbären allerdings sollte das nicht treffen. Nach dem 4:0 im Hinspiel könnten sie sich jetzt in einer Woche in Zug beim Rückspiel auch eine Niederlage mit drei Toren leiten und wären trotzdem im Achtelfinale. Verlieren wollen sie das Spiel natürlich nicht – zumal es gegen eine Schweizer Mannschaft geht.

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