Champions League: Borussia Dortmund : SOS aus dem Leuchtturm

Die Champions-League-Ära von Borussia Dortmund könnte heute gegen Juventus Turin vorerst enden. In der Bundesliga werden die Dortmunder kaum noch einen Platz für die Champions League erkämpfen können.

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Festtage in Schwarz-Gelb. Borussia Dortmund wird sich wohl nicht wieder für die Champions League qualifizieren. Das könnte den Klub in seiner Entwicklung bremsen.
Festtage in Schwarz-Gelb. Borussia Dortmund wird sich wohl nicht wieder für die Champions League qualifizieren. Das könnte den...Foto: imago sportfotodienst

Dortmunds Spieler waren bestens gelaunt, als sie sich zu Beginn der Woche auf dem Trainingsgelände im Stadtteil Brackel trafen. Bei lockeren Spielchen wollten sie sich die Müdigkeit vom samstäglichen Kick gegen den 1. FC Köln aus den Beinen laufen. Am Ende der Übungseinheit stellte sich Pierre-Emerick Aubameyang ins Tor und ließ sich von seinen Mitspielern abschießen. Der schnelle Stürmer aus Gabun hatte dabei einen Heidenspaß, genau wie die Profis, die sich nach Herzenslust mit Volleyschüssen austoben durften.

Sollte bei Borussia Dortmund die Angst umgehen, von der internationalen Bildfläche zu verschwinden, dann dringt sie zumindest nicht an die Oberfläche. Dabei könnte das heutige Heimspiel gegen Juventus Turin (20.45 Uhr, live im ZDF) auf absehbare Zeit der letzte Auftritt in Europa sein. Doch so weit mögen sie beim BVB offenbar nicht denken.

Nun ist die 1:2-Niederlage im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals beileibe keine Ausgangsposition, an der man verzweifeln muss. Aber auch keine Garantie, weiter im europäischen Millionenspektakel mitmischen zu dürfen. In der Liga tritt der BVB nach zwei Nullnummern in Hamburg und gegen Köln auf der Stelle. Nach dem mitreißenden Sieg im Derby gegen Schalke wirkten die beiden Remis als Stimmungsdämpfer.

Michael Zorc, kein Freund von ausschweifenden Analysen, brachte die Dinge nach dem Rückschlag gegen Köln präzise auf den Punkt: „Der Spaß hielt sich in Grenzen“, sagte der Sportdirektor. „Das war enttäuschend.“ Der BVB tritt auf der Stelle, eine historische Aufholjagd, die den Tabellenletzten nach 19 Spieltagen bis zum Saisonende zurück in die Champions League katapultiert, erscheint inzwischen ausgeschlossen. Wenn überhaupt, wird die Borussia in der kommenden Saison in der Europa League mitspielen.

Für einen Verein, der sich in dieser Saison mit Ciro Immobile, Adrian Ramos, Matthias Ginter und Kevin Kampl neues Personal für mehr als 50 Millionen Euro leistete, wäre das ein empfindlicher Rückschlag. Die Ambitionen, sich nachhaltig als hartnäckiger Widersacher des FC Bayern zu etablieren, müssten hintangestellt werden. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke benutzt in diesem Zusammenhang gern das Bild vom „zweiten Leuchtturm“. Doch ohne die Strahlkraft der Champions League endet der Glanz an der Landesgrenze.

Die Komponenten, die den BVB zu einem gefürchteten Gegner machten, sind verloren

Was Borussia Dortmund sportlich vor allem fehlt, sind kreative Lösungen, sich gegen tief stehende Gegner durchzusetzen. Das laufintensive Pressing, die Jagd nach dem Ball – jene Komponenten also, die den BVB vor nicht allzu langer Zeit noch zu einem europaweit gefürchteten Kontrahenten machten, sind auf der Strecke geblieben. Eine Tugend, die Trainer Jürgen Klopp gern mit „Gier“ beschreibt, ist in prestigeträchtigen Auseinandersetzung wie gegen Schalke zu sehen, oder auch wenn in der Champions League das Flutlicht angeht. In der Bundesliga kommt sie oftmals zu kurz, und deshalb wird der Rückstand zu den Plätzen, die für eine erneute Teilnahme an der Champions League berechtigen, nicht kleiner.

Wenn der ernüchternde Auftritt gegen Köln für etwas gut gewesen sei, „dann dafür, dass wir gesehen haben, wie es nicht geht“, sagte Klopp, der vermutet, dass sich der kommende Gegner angesichts des knappen Vorsprungs mit großer Wahrscheinlichkeit in bekannter italienischer Tradition verbarrikadieren wird: „Die werden uns nicht in unserem Fünf-Meter-Raum angreifen.“

Also wieder ein Geduldsspiel gegen ein engmaschiges Bollwerk. Genau die Konstellation, mit der die Dortmunder so ihre Probleme haben. „Wir müssen im vorderen Bereich kreativer und zielbewusster spielen“, fordert Zorc.

Vielleicht klappt das ja besser, wenn Kampl und Jakub Blaszczykowski von Beginn an randürfen. Gegen Köln kamen der Slowene und der Pole für die erneut uninspirierten Kreativkräfte Shinji Kagawa und Henrich Mchitarjan und belebten das Spiel spürbar. Klopp wird von der Hoffnung getragen, „dass wir es besser können. Das auf den Platz zu bringen, ist die Herausforderung.“

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