Champions League : Cluj schießt Bayerns Tore

Kurioser Sieg für den FC Bayern in der Champions League: Die Münchner gewinnen 3:2, weil die rumänischen Gäste aus Cluj bei allen Treffern den Ball ins Tor lenken.

Carsten Eberts
Die Bayern waren meistens einen Schritt schneller.
Die Bayern waren meistens einen Schritt schneller.Foto: dpa

Nein, so hatten sich die Spieler des CFR Cluj ihre Reise zum FC Bayern nach München nicht vorgestellt. Sicher, sie hatten sich ausgemalt, wie es sein würde bei diesem Klub mit großem Renommee, dem der neureiche Verein aus dem Westen Siebenbürgens gerne nacheifern würde. Mit zwei Dingen konnten die Spieler von Trainer Sorin Cartu jedoch keinesfalls rechnen: Zum einen, dass sie so viele klare Torchancen bekommen würden. Zum anderen aber, dass sie den Münchnern drei Tore schenken würden. Zwei davon waren nahezu identisch produzierte Eigentore innerhalb von fünf Minuten.

Das 3:2 des FC Bayern gegen Cluj war reich an derlei Kuriositäten. Ohne fußballerisch zu überzeugen, holten die Münchner gegen den unbekannten Klub aus Rumänien den dritten Sieg dieser Champions-League-Saison und verfügen so bereits über ordentliche Planungssicherheit für das Achtelfinale. Neun Punkte in der Champions League – in der Bundesliga sind es gerade einmal zwei mehr.

Trainer Louis van Gaal begann wie gegen Hannover mit Holger Badstuber und Anatolij Timoschtschuk in der Innenverteidigung, da sich Daniel van Buyten nicht wie erhofft fit melden konnte. Im Mittelfeld kehrte Bastian Schweinsteiger zurück, neben ihm spielte in Ermangelung an Alternativen Andreas Ottl. Den Alleinunterhalter im Sturm spielte – natürlich – Mario Gomez, der in der öffentlichen Wahrnehmung innerhalb eines Spiels eine Metamorphose vom Chancentod zur Verwertungsmaschine hingelegt hatte.

Und Cluj? Der Klub aus der viertgrößten Stadt Rumäniens präsentierte sich im strahlenden Blau des Lokalrivalen 1860, was in der Arena jedoch eher Schmunzeln als Schrecken verbreiten konnte. Dann schon eher die ungenierten Angriffsversuche über die rechte Seite, meist über den starken Roberto de Zerbi, der mit seinem feinen linken Fuß sehr brauchbare Flanken schlug: Erst auf Felice Piccolo, der frei vor Jörg Butt verzog. Wenig später dann auf Cadú, der frei vor Butt eiskalt verwandelte (28.).

Die Antwort der Bayern war im Grunde eine Antwort von Cluj. Auch wenn die Münchner auf Angriff schalteten und, angetrieben vom emsigen Schweinsteiger, sofort Druck aufbauten: Das Toreschießen übernahmen die Spieler aus Cluj. Erst fälschte Cadú, der gerade noch Butt bezwungen hatte, einen Pass von Toni Kroos ins eigene Tor ab (32.), dann passierte Cristian Panin (37.) auf Flanke von Badstuber dasselbe Missgeschick. Zwei Eigentore in fünf Minuten – das hatte auch die an Kuriositäten gewohnte Arena lange nicht erlebt. Mit dem Pausenpfiff hätte Lacina Traore fast noch den Ausgleich erzielt – doch er traf den Pfosten.

Die zweite Hälfte begann schleppend, als stünden alle 22 Profis noch unter dem Eindruck der kuriosen ersten Halbzeit. Bayern kontrollierte das Mittelfeld, bisweilen kreiselten sie wieder, ohne den Rumänen jedoch gefährlich zu werden. Gelang Cluj doch mal ein Angriff, brannte es sofort: Besonders Badstuber und Timoschtschuk konnten keinen sicheren Eindruck vermitteln. Erst nach einer Viertelstunde rüttelte Badstuber seine lethargischen Kollegen gewissermaßen wach, als er mit einem Freistoß knapp an Cluj-Keeper Eduard Stancioiu scheiterte.

Das 3:1 von Gomez (77.) war jedoch wieder Glück: Einen Schuss von Kroos ließ Stancioiu nur abprallen, Cadu traf bei seinem Rettungsversuch mit dem Ball das Bein von Gomez, von wo aus der Ball ins Tor flog. Auch wenn die Bayern nochmal wackelten: Das späte 3:2 durch Juan Culio, als Badstuber und Timoschtschuk wieder nicht gut aussahen, zerstörte die makellose Bilanz in der Champions League nicht mehr.

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