Champions League : Dortmund besiegt die Vergangenheit

Nach dem 1:0 gegen Amsterdam will der Deutsche Meister in der Champions League endlich nach vorne schauen.

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Erlösung kurz vor Schluss. Robert Lewandowskis Siegtreffer verschaffte Borussia Dortmund in der wohl schwersten Vorrundengruppe der Champions League eine gute Ausgangsposition.
Erlösung kurz vor Schluss. Robert Lewandowskis Siegtreffer verschaffte Borussia Dortmund in der wohl schwersten Vorrundengruppe...Foto: dapd

Dortmund - Kurz vor Mitternacht wurde Sebastian Kehl richtig grantig. Dortmunds Kapitän streckte den Rücken durch, dann herrschte er den Fragesteller an: „Wir können gern über das Double reden, aber nicht mehr über die Champions League im letzten Jahr. Die ist jetzt endlich mal abgehakt.“ Später, als der Routinier die Dinge im Dortmunder Stadion ruhiger erörterte, sagte er: „Es ist eine merkwürdige Situation, ständig auf die vergangene Saison angesprochen zu werden. Natürlich wurmt uns das, aber wir wollen das jetzt hinter uns lassen.“

Borussia Dortmund hat am Dienstagabend einen ersten Schritt auf dem Weg der Vergangenheitsbewältigung gemacht. Zum Auftakt der neuen Spielzeit in der Champions League schlug der Deutsche den Niederländischen Meister Ajax Amsterdam 1:0 (0:0) und hat damit schon jetzt so viele Siege auf dem Konto wie in der gesamten letzten Gruppenphase.

Mit einem Erfolgserlebnis zu starten war ein schönes Gefühl, das sich die Dortmunder nicht mit Fragen nach dem Gestern kaputt machen lassen wollten. Mats Hummels sagte, es sei „ein gutes Zeichen, dass wir für unseren Aufwand auch mal belohnt werden“. Es sind vor allem zwei Dinge, die den Dortmundern Mut geben sollten, die enorm schwere Vorrunde, in der noch Manchester City und Real Madrid warten, erfolgreich zu absolvieren. Zum einen das Resultat, „das uns eine schöne Ausgangsposition beschert“, wie Hummels bemerkte. Und die Dramaturgie einer Begegnung, die bis zum letzten Augenblick auf der Kippe stand: Das Tor des Abends gelang Robert Lewandowski in der 87. Minute, zu einem Zeitpunkt, als der BVB seine besten Möglichkeiten vergeben hatte und niemand mehr ernsthaft mit einem Sieg rechnen konnte. Ein solch später Erfolg gibt Selbstvertrauen, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke berichtete, ihm sei nach dem Tor „ein ganzes Gebirge vom Herzen gefallen“.

Zumindest für den Moment darf die Borussia für sich in Anspruch nehmen, auch in Europa bestehen zu können. Und doch bleibt die Frage offen, wie weit der Meister auf dem Weg zur internationalen Klasse tatsächlich ist. Das Ergebnis stimmt zwar, dennoch gab es viele Eindrücke, die frappierend an das Scheitern im vorigen Herbst erinnerten: Immer engagiert und mit hohem Aufwand agierend, aber in wichtigen Phasen nicht abgeklärt genug. Die alten Erkenntnisse holten die Dortmunder gegen Ajax wieder ein. Zumindest 86 Minuten lang.

Das galt vor allem für die Hintermannschaft, deren Fehler von einem abgezockten Gegner bestraft worden wären. In der Vorwärtsbewegung war ebenfalls das alte Leiden zu beobachten: Borussia Dortmund nutzt seine Torgelegenheiten nicht konsequent. Vor allem Mitte der zweiten Halbzeit war das signifikant, als der BVB die Begegnung durch Lewandowski, Marco Reus und vor allem den Elfmeter von Hummels zwingend hätte entscheiden müssen. Die Art und Weise, wie der Abwehrspieler den Strafstoß leichtfertig vertändelte, nannte Hummels selbst „eine Katastrophe“. Immerhin wendete Lewandowski kurz vor Schluss alles zum Guten.

„Wir haben letzte Saison auch schon gezeigt, dass wir gut mithalten können, aber am richtigen Punkt nicht getroffen“, sagte Weidenfeller. „Das war heute anders.“ Jürgen Klopp sah „einen weiteren Schritt im Reifeprozess“. In dieser Gemeinschaft, sagt Kapitän Kehl, „ist der Glaube ausgeprägt, immer etwas bewegen zu können”. Für solche Tugenden, so Klopp, „wirst du nicht immer belohnt, aber wir heute“. Die Erleichterung, kein weiteres Déjà-vu erleben zu müssen, war dem Trainer anzusehen. „Wir sind erstmals in unserer jüngeren Champions-League-Geschichte Gruppenzweiter“, sagte Klopp, bevor er in die Nacht verschwand. Felix Meininghaus

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