Sport : Champions League-Finale: Erfolge im Eiltempo

Karsten Doneck

Von wem Bartolomé Beltran Pons den Tipp bekam, ist unbekannt. Plötzlich geisterte jedenfalls der Name Hector Raul Cuper auf Mallorca herum. Keiner kannte den Mann so recht, Fragen nach dessen Vita stürzten selbst ausgefuchste Fußballexperten in tiefe Ratlosigkeit. Pons, der Präsident des spanischen Erstligisten Real Club Deportivo Mallorca, zauderte nicht lange, verließ sich allein auf sein Gefühl und heuerte diesen Cuper kurzerhand als Trainer an. Ein Griff ins Blaue - und in die Vollen. Galt Mallorca zuvor in Europa eher als Fußball-Ödfläche, so änderte Cuper das schlagartig. Unter ihm tauchte Real Mallorca 1999 sogar im letzten Europacup-Finale der Pokalsieger auf, verlor aber gegen Lazio Rom mit 1:2. Aber plötzlich wussten die Menschen, dass es auf der Ferieninsel Mallorca neben Sand und Strand und Ballermann auch richtig guten Fußball zu erleben gibt.

Cuper ist ein etwas rastloser Mensch. Er hat sich danach eine neue Herausforderung gesucht. Und zwar beim FC Valencia. Auch den Klub trieb er im Eiltempo in ungeahnte Höhen. Zum zweiten Mal hintereinander steht er jetzt mit dem FC Valencia im Finale der Champions League. Im vorigen Jahr wurde der Mannschaft beim Griff nach dem Pokal aber tüchtig auf die Finger gehauen. 3:0 siegte im Finale Real Madrid. Zwei Niederlagen in europäischen Endspielen - in dieser Hinsicht haftet an der Bilanz des Erfolgstrainers vor der Partie heute gegen den FC Bayern ein Makel.

Hector Raul Cuper stammt aus Argentinien. Bei Ferrocaril Oeste hat er mal gespielt. Ganz unauffällig zumeist, versteckt im defensiven Mittelfeld. Mit 37 Jahren hörte er auf, wurde Trainer. Zunächst in Argentinien bei Huracan und Lanus, dann auf Mallorca. Immer nur für die Dauer von zwei Jahren. Auch dem FC Valencia betreut er jetzt im zweiten Jahr. Und wohl auch im letzten. Schon Ende März hat Cuper angekündigt, den Klub verlassen zu wollen. Seine Art kommt bei den lebenslustigen Spaniern in Valencia einfach nicht an. Cuper ist kein Freund von Zauberfußball und Hackespitzeinszweidrei. Er lehrt mehr den zweckmäßig-erfolgsorientierten Stil, gilt in taktischen Fragen als Disziplin-Fanatiker, der individualistische Selbstdarstellung der Spieler abwürgt wie ein schlechter Autofahrer beim Ampelstart den Motor. Das aber kommt bei den Stammbesuchern Valencias im Stadion Mestella nicht so an. Es soll schon Punktspiele in Valencia gegeben haben, nach denen Cuper das Stadion aus Schutz vor zornigen Fans durch den Lieferanteneingang verlassen hat.

Cuper, 46, nimmt den Mangel an Anerkennung erstaunlich gelassen. Warum sich auch aufregen? Über seine berufliche Zukunft braucht er sich schließlich keine Sorgen zu machen. Er, der mal als Unbekannter auf der Ferieninsel Mallorca anfing, ist längst Wunschtrainer bei den renommiertesten Klubs. So hat Joan Gaspart, der Präsident des FC Barcelona, unlängst zugegeben, dass es Kontakte zu Cuper gab. Auch Inter Mailand soll angeklopft haben, laut "Kicker" umgerechnet sechs Millionen Mark pro Jahr geboten haben - netto! Reiner Zweckfußball schreckt halt nicht alle ab, schon gar nicht dann, wenn er - wie unter Hector Cuper - erfolgreich ist.

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