Champions League : Real Madrid erreicht Finale gegen Juventus Turin

Atletico Madrid gewinnt 2:1 gegen Real. Nach dem 0:3 aus dem Hinspiel schafft aber der Stadtrivale den Einzug ins Finale der Champions League.

Auswärtstor: Isco erzielt das wichtige 1:2 für Real.
Auswärtstor: Isco erzielt das wichtige 1:2 für Real.Foto: AFP

Einmal noch, ein letztes Mal Europapokal im Estadio Vicente Calderon, dem lautesten, dem giftigsten Stadion Spaniens, das zum Abriss längst verdammt ist. Wo sie von den Rängen Gift und Galle speien. Wo sie „Atleti, Atleti“ rufen, so inbrünstig, als gebe es nichts anderes auf der Welt. Vicente Calderon, geschaffen für magische Nächte.

„Stolz darauf, nicht so zu sein wie ihr“, lautete die Botschaft der Fans von Atletico Richtung Lieblingsfeind Real, ausgerollt auf einem Banner. Aber nicht so zu sein wie Real heißt aus Sicht von Atletico auch, im entscheidenden Moment zu scheitern. Drei Mal war in den vergangenen drei Jahren für Atletico gegen den Stadtrivalen in der Champions League Schluss, zwei Mal davon im Finale. Das hatte Narben bei den Anhängern hinterlassen. Bei Auseinandersetzungen zwischen beiden Fanlagern gab es im Vorfeld 25 Verletzte.

Nach 16 Minuten steht es 2:0 für Atletico

An Atleticos Niederlagenserie sollte sich nichts ändern. Trotz Blitzstart und schneller 2:0-Führung reichte es am Ende nicht für die Gastgeber. Der 2:1 (2:1)-Sieg bedeutete nach dem 0:3 vor einer Woche im Estadio Bernabeu das erneute Aus. Real trifft im Finale am 3. Juni in Cardiff auf Juventus Turin.

Knapp eine Halbzeit lang durften sie trotzdem träumen, einer furiosen Anfangsoffensive sei Dank. Angetrieben vom enthusiastischen Publikum rannten die Spieler in Rot und Weiß nach jeden Ball, kämpften um jeden Zentimeter und traten nach jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Zweikämpfe an der Grenze des Erlaubten gab es alle zwei Minuten und meistens tat schon das bloße Hinschauen weh. Schiedsrichter Cakir aus der Türkei hatte große Mühe, die hitzigen Gemüter zu beruhigen.

Das Gaspedal drückten Atleticos Spieler bis zum Anschlag durch und wurden früh belohnt. Nach einem Eckball wuchtete Saul Niguez den Ball ins Tor. Cristiano Ronaldo war nur halbherzig mit zum Kopfball hoch gestiegen. Der Jubel war kaum abgeklungen, da hebelte Raphael Varane Yannick Carrasco aus, Elfmeter für Atletico. Antoine Griezmann zitterten die Knie, aber mit etwas Glück fand sein Schuss doch den Weg ins Tor. Reals Torwart Keylor Navas hatte die Hand noch dran bekommen an den Ball. 2:0 nach gut einer Viertelstunde, da mahnte selbst Atleticos notorisch unter Starkstrom stehender Trainer Diego Simeone zu Ruhe.

Aber Standgas können seine Spieler nicht, Real fand besser in die Begegnung. Luka Modric, Toni Kroos und Isco gelang es nun, den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten. Atletico antwortete mit noch mehr Härte, was die Künstler aus dem Norden der Stadt ordentlich durchschüttelte und beeindruckte.

Real verwaltete nur noch

Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet stümperhaftes Zweikampfverhalten innerhalb weniger Sekunden das Duell entschied. Kurz vor der Pause, Atletico hatte alles unter Kontrolle, ließen sich gleich drei Gastgeber an der Grundlinie von Karim Benzema düpieren. Der Franzose spielte einen gescheiten Rückpass auf Kroos. Dessen Schuss konnte Jan Oblak im Tor Atleticos noch abwehren, gegen den Nachschuss von Isco war er aber machtlos.

Für einen kurzen Moment seufzte das Vicente Calderon, ein andächtiges, finales Seufzen. Simeone schlug die Hände vors Gesicht, an weitere drei Tore seiner Mannschaft wollte auch er nicht glauben. Dafür waren und sind Atleticos Angreifer in dieser Saison nicht effektiv genug. Carrasco und Gameiro scheiterten nach gut einer Stunde an Navas, auch Griezmann konnte den Torwart aus Costa Rica nicht überwinden.

Real tat nur noch das Nötigste, Ronaldo und Benzema besaßen passable Möglichkeiten. Aber sie mussten ja auch nicht treffen, wichtig war nur kein weiteres Gegentor. Das gelang mit Geschick und etwas Glück. In der ewigen Dramaturgie des Fußballs ist Atletico nicht als Sieger vorgesehen. Jedenfalls nicht mehr im Estadio Vicente Calderon.

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