Champions League : Werder Bremens 15-Millionen-Spiel

Werder Bremens Zukunft hängt von der Qualifikation für die Champions League ab. Die Rückversetzung in den Uefa-Cup wäre nicht nur sportlich ein Horrorszenario für den Klub von der Weser.

Frank Hellmann[Bremen]
Borowski
Wohin geht's? Tim Borowski kämpft mit seinem Klub um den Einzug in die Champions League. -Foto: ddp

Selbst wenn es um das größte Geheimnis eines Fußball-Bundesligisten geht, bleibt Jürgen L. Born verbindlich. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass der 66-Jährige Zeit seines Berufslebens über Geld geredet hat. Seit Mai 1999 verwaltet der ehemalige Südamerika-Beauftragte der Deutschen Bank zusammen mit Marketing-Geschäftsführer Manfred Müller die Finanzen von Werder Bremen. Beide können behaupten, an der Weser seriös zu wirtschaften. „Unser Risiko bleibt überschaubar“, betont Born, „wir werden uns hier nicht abenteuerlich in die roten Zahlen wirtschaften.“

Keine Schulden, keine Anteile verkauft, stattdessen werden stets neue Rekorde verkündet. „Vermutlich werden wir im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 90 Millionen Umsatz gemacht haben“, sagt Born, „und einen Gewinn, der an der Weser üblich ist.“ Will heißen: klein, aber fein. So geht das seit drei Jahren. Aber nur, weil der Klub dreimal in Folge an der Geldvermehrungsmaschine Champions League partizipiert hat. Die vierte Teilnahme hängt von den beiden Qualifikationsspielen gegen Dinamo Zagreb ab. Das Hinspiel gegen den Kroatischen Meister findet heute im Weserstadion statt (20.30 Uhr, live im ZDF).

Von dem Horrorszenario – einer Rückversetzung in den Uefa-Cup – sprechen die Verantwortlichen trotz der Verletzungsmisere und des holprigen Saisonstarts nur ungern. „Das wäre ein herber Rückschlag“, gibt Sportchef Klaus Allofs immerhin zu. Denn es ist die Champions League, die den Standort Bremen zu dem werden ließ, was er heute ist: eine geachtete internationale Fußball-Größe. Allein in der vergangenen Saison brachten Champions League und Uefa-Cup eine Bruttoeinnahme von rund 25 Millionen Euro ein. Im Vergleich zum Meisterjahr 2004 hat der Klub seinen Umsatz mehr als verdoppelt. „In dieser Zeit ist auch mehr Geld in die Mannschaft geflossen“, sagt Born, der von einem „organischen Wachstum“ spricht. „Wir haben nicht mehr das niedrige Lohnniveau wie vor fünf Jahren.“ Der Lohnaufwand für den Profikader ist von einst 24 auf 35 Millionen Euro gestiegen.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform setzte die Bremer nach einem Finanzcheck in Sachen Kreditwürdigkeit noch vor dem FC Bayern auf Platz eins. Doch viel mehr als in München hängt wirtschaftlich von der Champions League ab – allein weil die Bremer nur halb so viel Umsatz generieren. „Wirtschaftlich können wir uns mit Bayern nicht vergleichen“, gesteht Allofs, einen fertigen Stürmer für 15 oder 20 Millionen Euro „können wir uns nicht erlauben“.

Was passiert, wenn die stark ersatzgeschwächte Elf – unter anderem fehlen die Nationalspieler Tim Borowski, Clemens Fritz und Torsten Frings – gegen Zagreb strauchelt? „Dann gehen uns mindestens 15 Millionen Euro durch die Lappen“, sagt Born. „Das wäre ein bedauerlicher Einnahmeausfall.“ Mehr als bedauerlich wird es, wenn Werder in der Liga nicht unter die ersten drei kommt. Zweimal die Champions League zu verfehlen, kann sich der Verein kaum leisten. „Sollten wir mal in so einen wirtschaftlichen Verlauf kommen, müssen wir auch an den Verkauf teurer Stars denken.“ Das ist ein ganz neuer Tonfall an der Weser.

Der wiederum ist nicht nur vor dem Hintergrund teurer Vertragsverlängerungen von Torsten Frings und Naldo angemessen, sondern auch mit dem Wissen, dass 2008 der Ausbau des Stadions auf 50 000 Plätze beginnt. Das ehrgeizige Projekt kostet fast 60 Millionen Euro. Das Erreichen der Champions League ist deshalb eigentlich Pflicht. Allofs erinnert sich nur ungern an die Zitterspiele vor zwei Jahren, als der FC Basel mit viel Mühe ausgeschaltet wurde. Der Sportchef beteuert: „Im Vergleich dazu sind wir ein Stück weiter.“

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