Champions League : Zweifeln ist in Dortmund verboten

Der Deutsche Meister von 2012 wandelt vor dem entscheidenden Rückspiel im Viertelfinale gegen Malaga zwischen Angst und Sehnsucht. Beim Gegner reist der Trainer erst kurz vor Spielbeginn an.

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Schwer zu deuten. Die Dortmunder (hier Trainer Klopp mit Weidenfeller und Großkreutz) hadern zwar mit dem 0:0 aus dem Hinspiel, glauben aber ans Weiterkommen.
Schwer zu deuten. Die Dortmunder (hier Trainer Klopp mit Weidenfeller und Großkreutz) hadern zwar mit dem 0:0 aus dem Hinspiel,...Foto: dpa

Michael Zorc gehört seit Jahr und Tag zu den langmütigen Vertretern seiner Zunft. So leicht lässt sich der Sportdirektor von Borussia Dortmund nicht aus der Reserve locken. Doch wenn es um die Deutung des Hinspiels im Champions-League-Viertelfinale beim FC Malaga geht, treibt es dem 50-Jährigen die Zornesröte ins Gesicht. „Was soll der Unsinn?“, poltert Zorc los, „sollen wir uns jetzt schlaflos durch die Nächte grämen?“ Es sind all die Diskussionen, ob das torlose Unentschieden vom Hinspiel nun als Erfolg zu werten sei oder doch eher als Rückschlag, die Zorc verärgern.

Die Vielzahl an Möglichkeiten und eine über weite Strecken klare Dominanz hatten die Frage aufgeworfen, ob die Leistung im Hinspiel ausreichend gewesen sei. Zorc betont, er könne sich „mit einer solch fußballfremden Erörterung kaum anfreunden“. Er sieht die Ausgangslage vor dem heutigen Rückspiel (20.45 Uhr, live im Ticker bei Tagesspiegel.de) pragmatisch: „Die Vorzeichen sind klar: Du musst dein Heimspiel gewinnen. Wie so oft in der Champions League“ Mit Hans-Joachim Watzke erhielt Zorc in seinem Unverständnis Unterstützung. Auch er habe sich darüber geärgert, verkündete Dortmunds Geschäftsführer, „dass in Deutschland viele der Meinung waren, wir hätten das Hinspiel mit 0:0 verloren“.

Zorc und Watzke interpretieren in solche Deutungen einen Mangel an Wertschätzung. Und doch waren nachts in Malaga durchaus auch viele nachdenkliche Töne zu vernehmen. Wer nach dem Spiel gut zuhörte, der konnte ohne weiteres die Überzeugung gewinnen, die Dortmunder seien eher enttäuscht. So verkündete Trainer Jürgen Klopp, es sei opportun, dieses Resultat als moralische Niederlage zu deuten, „wenn du die Mehrzahl der Chancen hast und die besseren Chancen dazu“.

Auch die Spieler wirkten nicht unbedingt glücklich mit dem Unentschieden auf fremden Terrain. Allen voran Mario Götze, der in Malaga hätte doppelt und dreifach treffen können, am Ende aber leer ausging. Der Nationalspieler lächelte gequält und versprach Wiedergutmachung im Rückspiel. Genau wie Robert Lewandowski, der die größte Dortmunder Chance kläglich vergab und anschließend eine Trotzreaktion ankündigte: „Zu Hause in Dortmund werden wir mehr Glück haben und das Spiel gewinnen.“

Malagas Trainer wird erst wenige Stunden vor Spielbeginn in Dortmund eintreffen

Das ist die offizielle Sprachregelung, schließlich ist der abgelöste Meister trotz aller vergebenen Möglichkeiten weiterhin auf einem guten Weg. Und deshalb sind die Verantwortlichen in Dortmund auch darum bemüht, in ihren Köpfen nur positive Gedanken zuzulassen. Zumal Malaga auswärts in der Champions League nicht so souverän auftrat wie bei Heimspielen. Die Andalusier reisten ohne ihren Trainer Manuel Pellegrini an, der wahrscheinlich erst kurz vor Spielbeginn eintreffen wird. Der Chilene reiste am Sonnabend nach der 2:4-Niederlage bei Real Sociedad San Sebastian in seine Heimat, um an der Beerdigung seines Vaters teilnehmen zu können. Pellegrinis Abwesenheit dürfte nicht unbedingt ein Vorteil für die Spanier sein.

Trotzdem wird sich die schleichende Angst vor dem Scheitern auf Dortmunder Seite nicht gänzlich verdrängen lassen, auch wenn das in dieser Form niemand aussprechen mag. Schließlich ist die Ausgangslage nicht unbedingt komfortabel. Jedes Unentschieden, bei dem Tore fallen, bedeutet für den BVB das Aus, eine Niederlage sowieso. Und deshalb gibt auch Michael Zorc zu, „dass es bei einem Gegentor knifflig für uns werden könnte“.

Tatsächlich wäre ein Ausscheiden nach all den famosen Erlebnissen in der Champions League ein ebenso abruptes wie trauriges Ende. Doch solche Gedanken wollen die Dortmunder gar nicht erst einsickern lassen. Stattdessen verweist Watzke auf mehr als 50 Millionen Euro Einnahmen in der Champions League und auf die enorme Entwicklung des Vereins: „Borussia Dortmund war vor acht Jahren am Ende und zählt jetzt zur Creme des europäischen Fußballs.“ Die Sehnsucht ist groß im Revier, die Traumreise noch ein bisschen fortführen zu können. Und wenn Dortmunds Profis mit der kämpferischen Attitüde ihres Sportdirektors auflaufen, sollte nichts schief gehen: „Nicht großartig diskutieren“, lautet Zorcs Empfehlung, „raus gehen und das Heimspiel gewinnen.“

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