Sport : Charmanter Tatar

Sauerland-Boxstall präsentiert Sven Ottkes Nachfolger

Frank Bachner

Berlin. Nikolai Walujew sieht aus, als könnte man mit seinem Passfoto jedem aufmüpfigen Neunjährigen höchst effektiv drohen. Der kahlrasierte, kantige Kopf, der finstere Blick unter den buschigen Brauen, so etwas kommt im Fernsehen nicht sofort sympathisch rüber. Und dann ist der Russe auch noch 2,17 Meter groß und hat Muskeln, mit denen er problemlos Schweinehälften transportieren könnte. Aber der 30-Jährige ist, „man glaubt es kaum, trotzdem ein charmanter und witziger Mensch“. Christian Mayer muss das sagen. Erstens kennt er Walujew schon länger, zweitens ist er Geschäftsführer des Boxstalls Sauerland Event, und drittens hat sein Unternehmen den Schwergewichtler fest unter Vertrag genommen.

Zudem soll Walujew auch gar nicht als Sympathieträger auftreten. Mayer genügt es, wenn er allein durch seine Erscheinung Leute lockt. Für die ARD, genau gesagt. Denn Walujew soll jetzt regelmäßig bundesweit für Quote sorgen, als einer der neuen Hoffnungsträger des Sauerland-Stalls. Dem ist am Sonnabend der populäre Supermittelgewichts-Weltmeister Sven Ottke abhanden gekommen. Der Vertrag von Sauerland mit der ARD läuft aber noch bis Ende 2005 und sieht acht bis zehn Kämpfe pro Jahr vor, also müssen jetzt andere Faustkämpfer vor den Kameras in den Mittelpunkt rücken. Und deshalb hat Sauerland vier neue Athleten verpflichtet und sie gestern im Paket vorgestellt. Walujew, der Asien/Ozeanien-Meister und Neunter der Weltrangliste des Weltverbands WBA ist einer davon. Seit 1993 Profi, 36 Kämpfe, 35 Siege, der Großvater ein Tatar. Drei Mal schon trat er bei einem Sauerland-Boxabend im Vorprogramm auf, aber da war er bei dem Boxstall noch nicht fest unter Vertrag. Zudem liefen zwei seiner Kämpfe nur in Eurosport oder im Regionalsender MDR. Einmal immerhin tauchte er bei der ARD auf, als Randereignis allerdings.

Sinan Samil Sam, der Schwergewichtler aus der Türkei, ist ein weiterer Hoffnungsträger. Er war schon beim ZDF auf Sendung. Aber da arbeitete er noch für den Sauerland-Konkurrenten Klaus-Peter Kohl. Doch vor kurzem verlor der 29-Jährige umstritten gegen seinen damaligen Stallgefährten Luan Krasniqi und verließ Kohl im Streit. Neu sind auch noch die bisherigen Amateurboxer Mathias Kempe (Boxring Hertha BSC, Schwergewicht) und Patrick Dobroschi (Bayer Leverkusen, Halbschwergewicht). „Sie müssen aufgebaut werden“, sagt Mayer. Kempe boxt noch bis zum 8. Mai in der Bundesliga für Berlin.

Sauerland Event stehen zwar noch WBC- Weltmeister Markus Beyer und Oktay Urkal, der im April um den WM-Titel der WBA kämpft, zur Verfügung, aber echte Zugnummern sind das nicht. „Natürlich entsteht jetzt eine Lücke“, sagt Mayer. „Aber das war nach den Rücktritten von Maske und Schulz nicht anders. Da kamen jeweils Talente nach, die vom Publikum gut angenommen wurden.“ Nur sind Beyer und Urkal, nach Ottke noch die bekanntesten Athleten von Sauerland, schon 32 beziehungsweise 34 Jahre alt, sie werden bald aufhören. Und Sam und Walujew sind nur wenige Jahre jünger. Das hinderte Mayer allerdings nicht daran, pathetisch zu verkünden: „Boxen ist nicht tot, es geht erst richtig los.“

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