Sport : Chef bleibt Chef

Henrik Rödl trainiert bis zum Ende dieser Saison die Basketballer von Alba Berlin

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Für Tanel Tein war eigentlich längst alles klar. „Zu 95 Prozent haben wir das erwartet“, sagt der Flügelspieler von Alba Berlin. So positiv war die Stimmung im Umfeld gewesen, so gut die Leistung der Mannschaft in den ersten drei Spielen, so herzlich der Empfang der Fans. Seit gestern Mittag ist es auch offiziell: Henrik Rödl bleibt mindestens bis zum Ende der Saison Cheftrainer der Basketballer von Alba Berlin.

„Das ist die jetzige Situation, nach der Saison kann alles wieder anders sein, wenn wieder mehr gute Trainer auf dem Markt sind“, sagte Albas Vizepräsident Marco Baldi. Vor drei Wochen hatte er Rödl zum Interimstrainer befördert, gestern folgte der nächste Karriereschritt. Zuvor hatte Rödl fünf Monate lang die Regionalligamannschaft des TuS Lichterfelde trainiert.

Vor drei Wochen, als der langjährige Coach Emir Mutapcic nach der Niederlage gegen Saloniki und dem damit verbundenen Ausscheiden im Uleb-Cup entlassen wurde, hatte der Präsident sich ein längeres Engagement des 35-Jährigen kaum vorstellen können. „Das wäre nicht gut für ihn und nicht gut für Alba“, sagte Dieter Hauert damals. „Es wäre wünschenswert, wenn er noch Erfahrung bei TuS Lichterfelde sammeln könnte und wir einen anderen Trainer finden.“

Rödls jüngste Erfolge und die Erfolgslosigkeit des Präsidiums bei der Suche nach einem anderen Trainer ermöglichten die Wende. Rödl verlor zwar das erste seiner bisher drei Spiele beim belgischen Meister Charleroi nach Verlängerung, doch die beiden folgenden Begegnungen in der Bundesliga gewannen die Berliner, vor allem dank des großen Einsatzwillens der Spieler. Eine Qualität, die in den Wochen zuvor fehlte. „Henrik erreicht uns in seinen Ansprachen“, sagt Tein. „Er war noch vor kurzem Spieler und weiß deshalb, wie wir uns fühlen.“ In der letzten Saison spielte Rödl noch für die Berliner. Er hat als einziger Spieler mit Alba alle Titel der noch jungen Vereinsgeschichte gewonnen.

Dass die Berliner keinen anderen geeigneten Trainer finden konnten, lag wohl daran, dass das Anforderungsprofil der Berliner hoch ist, aber kaum ein hochklassiger Trainer auf dem Markt ist, mitten in der Saison. „Das war eine Entscheidung aus Überzeugung und keine politische Entscheidung“, sagte Baldi. „Politisch wäre es gewesen, einen großen Namen zu präsentieren.“

Rödl selbst freute sich „über das Vertrauen, dass mir die Verantwortlichen gegeben haben, obwohl ich erst so kurz dabei bin“. Den damit verbundenen Druck sehe er gelassen: „Ich stehe ja nicht allein in der Verantwortung.“ Auch dürften dem jungen Trainer Misserfolge wahrscheinlich leichter verziehen werden als einem erfahreneren Trainer. Doch nach dem Trainerwechsel steht nun auch das Management vermehrt in der Verantwortung. Zumal die Zielsetzungen die alten sind: Alba will Meister und Pokalsieger werden.

Während gestern all diese Fragen diskutiert wurden, saß Rödl gelassen, bisweilen auch ein wenig gelangweilt auf seinem Stuhl und sprach mit leiser Stimme. Er redet nicht besonders gern über sich selbst, er steht nicht gerne im Mittelpunkt. Als die Fragen sich dann allerdings um das nächste Spiel der Berliner am Samstag gegen Braunschweig drehten, wandelte sich seine Gemütslage deutlich: Laut und selbstbewusst referierte er über den Gegner. Plötzlich sah man ein Funkeln in seinen Augen.

Am Ende dieser Saison wird Rödl auf jeden Fall erneut im Mittelpunkt stehen: Bei seinem eigenen Abschiedsspiel. Hört er als Trainer schon wieder auf? „Das bezieht sich nur auf seine Spielertätigkeit“, sagte Teammanager Henning Harnisch. Rödl dürfte der Erste sein, der an seinem ersten Arbeitstag als hauptverantwortlicher Trainer bereits den Termin seines Abschiedsspiels kennt.

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